weltverbesserer Wissen Wir haben zwar auch kein Klopapier – aber ein paar Fakten dazu

Wir haben zwar auch kein Klopapier – aber ein paar Fakten dazu

Foto: iStock.com/ManuelBurgos

Bis vor zwei Monaten war den meisten ihr Klopapier doch eigentlich scheißegal. Seit dem Coronavirus und der plötzlich herrschenden Knappheit von Toilettenpapier beschäftigt uns jetzt nur noch eins: Gibt es überhaupt noch Toilettenpapier und wenn ja, wo bekomme ich es her?

So viel Aufmerksamkeit wie momentan, hatte Toilettenpapier sicher noch nie. Auch ihr seid beim Einkaufen sicher einfach nur froh, wenn es überhaupt noch eine Packung gibt. Sobald es wieder genug Klopapier für alle gibt, zeigen diese Tipps wie die Wahl eures Toilettenpapiers die Welt ein Stück besser machen kann.

Der Verbrauch von Toilettenpapier liegt laut statista.de in Deutschland pro Kopf und Jahr bei rund 15 Kilo, das wären also bei 80 Mio. Bundesbürgern 1.200.000.000 Kilogramm. Das ist sprichwörtlich eine Menge Holz, und wie der WWF in seiner Studie berichtet, zeigt sich im deutschen und im europäischen Verbrauch eine steigende Tendenz.

Grund genug für alle Weltverbesserer, das eigene Toilettenpapier mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Wer mit Bedacht entscheidet, kann dadurch Papier und somit Holz sparen. Das schont nicht nur den Wald, sondern tut auch dem Klima gut. Der Blick auf Siegel, Grundmaterial und Co. hilft bei der Auswahl – und auch papierlose Alternativen lohnen einen Blick.

1. Toilettenpapier mit dem Blauen Engel

Toilettenpapier mit dem Umweltzeichen Blauer Engel ist besonders umweltfreundlich. Und mit dem grauen Schmirgelpapier von einst hat es nichts mehr zu tun. Zugleich bieten jede Drogerie und jeder Supermarkt heute Toilettenpapier mit diesem Siegel an. Dabei muss man auch nicht mehr auf zwei oder mehr Lagen verzichten.

Für Toilettenpapier mit dem „Umweltengel“ müssen keine Bäume gefällt werden. Es wird energiesparend produziert und ist spart Wasser in der Herstellung. Das stets aus hundert Prozent Altpapier bestehende Klopapier ist außerdem besonders arm an Schadstoffen.

Die für das Erlangen des Siegels nötigen Kriterien werden vom Umweltbundesamt alle drei bis vier Jahre überprüft. Damit will man erreichen, dass Unternehmen und Hersteller sich ständig um noch mehr Umweltfreundlichkeit ihres Toilettenpapiers bemühen.

2. Toilettenpapier mit FSC-Siegel

Kauft ihr Toilettenpapier mit FSC-Siegel, dann schadet ihr Wäldern und Umwelt weniger als mit dem Kauf eines herkömmlichen Produktes. Das FSC-Siegel steht für das „Forest Stewardship Council®“. 1993 gegründet, vergibt die nichtstaatliche, gemeinnützige Organisation das Siegel nach ihrem internationalen Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldwirtschaft. Trägt dein Toilettenpapier das FSC-Siegel, kommt das Holz dafür also aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Nämlich aus Wäldern, die nach den zehn angelegten Prinzipen verantwortungsvoll bewirtschaftet werden. Auch der WWF empfiehlt das FSC-Siegel. Auch wenn es immer wieder Fälle gibt, wo sich beispielsweise Waldbesitzer trotz FSC-Zertifizierung nicht an die Vorgaben halten, bemüht sich der FSC um Transparenz. Im schlimmsten Fall wird dem Hersteller oder Waldbesitzer das Kennzeichen entzogen. In eine ähnliche Richtung geht das PEFC-Siegel.

3. Toilettenpapier von Goldeimer

Das Toilettenpapier von Goldeimer ist eine tolle Sache. Das soziale Business entstand nach einer Reise durch Burkina Faso. Der Gründer wurde dort von seinem rumorenden Magen geplagt und stand vor der Frage: Was passiert eigentlich mit dem, was wir Menschen täglich ausscheiden? Und was bedeutet ein Leben ohne Kanalisation und Co.?

Heute ist Goldeimer mit Komposttoiletten auf Festivals unterwegs und verkauft das mit dem Blauen Engel zertifizierte Recycling-Toilettenpapier. Sämtliche Gewinne werden in Aufklärungsarbeit gesteckt. Gleichzeitig unterstützt Goldeimer Sanitärprojekte von Viva con Agua und der Welthungerhilfe, die an einem weltweiten Zugang zu Sanitäranlagen für jedermann arbeiten.

4. Toilettenpapier aus Bambus

Eine Variante aus dem schnell nachwachsenden Rohstoff Bambus ist das Toilettenpapier von Smooth Panda. Das Klopapier trägt das FSC-Siegel für nachhaltig bewirtschaftete Bambus-Wälder. Das zu 100 Prozent aus Bambus bestehende Papier wird je nach Anbieter im Karton plastikfrei verkauft. So spart man dann gleich noch einen Berg an Plastikmüll.

Ein Wermutstropfen: aktuell stammt der Bambus für das Toilettenpapier häufig noch aus China. Doch das Unternehmen verfolgt einen Plan: „Noch ist der Warentransport nach Deutschland zweifellos des Pandas größtes Manko. Wir gehen diesen Schritt und arbeiten zeitgleich an unserer Vision geeignete Bambuswälder innerhalb Europas anzulegen.“

Papierarme Alternativen

Es gibt in Bad und Toilette weitere tolle Idee, die bei der Intimreinigung auf der Toilette fast ohne Papier auskommen. Drei davon wollen wir als Alternative zum herkömmlichen Toilettenpapier vorstellen.

5. Die Happy-Po-Dusche

Happy Po ist vielen vielleicht aus der TV-Sendung „Höhle der Löwen“ (VOX) bekannt. Zugegeben, es erscheint erst einmal seltsam, sich mit einem Gerät, das einer elektrischen Zahnbürste ähnelt, dem Allerwertesten zu nähern. Aber der Umwelt zuliebe würde sich das schon lohnen.

Happy Po darf man sich wie ein tragbares Bidet für die Toilette vorstellen. Das Gerät reinigt Po und Intimbereich mit Wasser. Durch den Gebrauch wird der Papierverbrauch nicht auf null, aber immerhin um 50 % reduziert.

Das Besondere daran: Happy Po funktioniert ohne Batterie und ohne Strom. Und so funktioniert es: Kopf abnehmen, Wasser einfüllen, Kopf draufsetzen, positionieren und mittig am Gerätehals energisch zusammendrücken. Der oben austretende Wasserstrahl reinigt den gewünschten Bereich sanft und gründlich.

6. Das Bidet

Eine weitere Alternative zum Toilettenpapier ist das Bidet. Das fest installierte, niedrig angebrachte Sitzwaschbecken reinigt Po- und Intimbereich bequem im Sitzen. Meistens kann man die Wassertemperatur einstellen. Dabei spart man ebenfalls Klopapier, allerdings natürlich nur, wenn man Zuhause auf die Toilette gehen kann.

Eine zweite Variante ist der Bidetschlauch. Er wird am Waschbecken oder am Spülkasten angebracht, reinigt den Intimbereich auf Wunsch und spart damit ebenfalls Toilettenpapier.

7. DIY – Waschlappen statt Papier

Jetzt unser Geheimtipp: der gute, alte Waschlappen. Das mag manchen seltsam vorkommen, andererseits wurden wir alle schon damit saubergemacht – nämlich als wir noch Babys waren. Nur unser Kopf macht uns bei dieser Variante einen Strich durch die Rechnung.

Vorteil: Einen Waschlappen hat man immer im Haus. Und er lässt sich gut anwenden. Der anschließende Waschgang bei 90 Grad verbraucht allerdings ordentlich Wasser und Energie, reinigt dafür aber sicher den verwendeten Lappen für die nächste Nutzung.

Kurzum: Der Waschlappen spart ebenfalls Toilettenpapier und ist weitaus weniger seltsam als vermutet. Und sollte in Krisen wie beim Coronavirus wirklich mal das Toilettenpapier zur Neige gehen und kein Markt es mehr verkaufen: Einen Waschlappen hat doch sicher jeder von euch noch im Haus.

Fazit: Jeder kann was tun, um auf der Toilette die Welt zu verbessern

Alle Varianten bieten die Möglichkeit, den Toilettengang nachhaltig und ressourcenschonend zu gestalten. Es gibt letztlich viele Arten, Toilettenpapier zu sparen. Am Ende entscheidet euer Geschmack darüber, was ihr verwendet. Wichtig ist dabei doch, es überhaupt zu versuchen – für mehr Nachhaltigkeit und eine bessere Welt.

Hinweis: Bei den verlinkten Produkten handelt es sich lediglich um Produktbeispiele und nicht um gesponserte Inhalte. Viele weitere Hersteller bieten ähnliche Produkte an.