weltverbesserer Leben Was tun gegen Langeweile? Die besten Tipps

Was tun gegen Langeweile? Die besten Tipps

Foto: SeventyFour / istock.com

Vor Corona sehnten sich viele nach mehr „Me Time“. Also diese ein, zwei Stunden nur für uns nach einem langen Tag im Büro. Seit einem Jahr wissen plötzlich viele gar nicht mehr, wohin mit all ihrer „Me Time“. Für diejenigen, die das jetzt als Langeweile empfinden, haben wir ein paar Tipps.

Sie lauert fast überall. Auf dem Schreibtischstuhl, im Wartezimmer oder am Bahngleis: Die Langeweile. Vor Corona fanden wir wohl kaum etwas schlimmer als Langeweile. Ständig haben wir versucht, aus allem noch mehr rauszuholen. Oder in alles noch mehr reinzuquetschen. „Oh, da habe ich noch einen Slot!“ Auf unseren Instagram Kanälen zeigten wir unseren erlesenen Einrichtungsgeschmack, unsere raffinierten Kochkreationen und unsere super individuellen Reiseziele. Nur eins zeigten wir nie: das Banale, das Langweilige.

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Langeweile versus Müßiggang

Anders als das genussvolle Nichts-Tun, das dolce far niente Italiens, erscheint die Langeweile als Feind der Produktivität – und der guten Laune. Denn während wir Müßiggang und bewusste Entschleunigung genießen, ist uns die Langeweile ein unangenehmes Gefühl. Langeweile ist freie Zeit, die wir als verschenkt erleben. Langeweile entsteht also immer dann, wenn wir gerade Zeit für Entspannung haben, aber die Entschleunigung noch nicht so recht ertragen. Und sie entsteht vor allem dann, wenn wir das Gefühl haben, zum Nichtstun gezwungen zu werden. Etwa durch Warten auf den Bus oder beim Arzt – oder durch eine Pandemie. 

Hier liegt bereits der erste Schlüssel, um Langeweile besser zu vertragen. Nämlich, Langeweile in Müßiggang zu verwandeln. Zu erkennen, dass es etwas Wunderbares ist, nicht ständig verplant zu sein. Bleibe ich einfach im Bett liegen? Oder lese ich vielleicht ein Buch? Oder schaue ich doch lieber diese neue Serie? Das schönste, ja der größte Luxus, an diesen Fragen ist das „Oder“ und die Möglichkeit, sich frei entscheiden zu können.

Man in Hängematte zu Hause mit Hund
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Drew Coffman

Langeweile kann auch krank machen

In unserer hyperoptimierten Gesellschaft hat es das Burnout-Syndrom, also das Ausbrennen durch dauerhafte Überlastung im privaten oder beruflichen Alltag, in die Top 5 der häufigsten Volkskrankheiten geschafft. Doch seit einigen Jahren stellen Psychologen ein neues Phänomen fest: Das Boreout, sprich eine anhaltende Unterforderung vor allem im beruflichen Kontext. Ein Extrem in die eine oder die andere Richtung hat negative Auswirkungen auf unsere Gesundheit. 

Seit Corona nun die Notbremse in unserem übervollen Leben gezogen hat, scheint die Langeweile in allen Lebensbereichen fast schon mit den Händen greifbar zu sein. Dass wir uns tatsächlich sogar sprichwörtlich zu Tode langweilen können, zeigt eine Studie: Forscher:innen befragten in den 1980ern immer wieder eine Gruppe von Menschen, ob sie sich langweilten. 30 Jahre später zeigte sich, dass die gelangweilten Proband:innen eine 37 Prozent höhere Sterblichkeit hatten. 

Warum wir uns langweilen

Oft scheint die Langeweile ganz einfache Gründe zu haben: So gesellt sie sich oft hinzu, wenn man müde ist oder an einen Mangel an bestimmten Nährstoffen leidet. Manchmal kann es aber auch an einer zu reizarmen Situation liegen, etwa wenn du in einem kahlen Raum eine monotone Tätigkeit ausübst. Es kann einen aber auch langweilen, wenn man das Gefühl hat, zu wenig Kontrolle oder Auswahlmöglichkeiten zu haben.

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Doch auch hier hat Corona die Welt verändert: Seit Beginn der Pandemie haben vermeintlich „langweilige“ Hobbies Hochkonjunktur. Wandern und Spazieren gehen waren früher vermeintliche Rentner-Tätigkeiten, heute schlendern immer mehr junge Menschen durch Wald und Wiesen – alles, um der Langeweile davon zu spazieren. Seit die Corona-Pandemie das Tempo aus unseren ehemaligen Hochleistungsleben genommen hat, entdecken immer mehr Menschen den Müßiggang und damit ursprünglich langweilige Beschäftigungen, die Langeweile in Müßiggang verwandeln. Wir haben einige Tipps zusammengestellt, die dir dabei helfen: 

Gemeinsame virtuelle Spieleabende

Langeweile ist so schwer zu ertragen, weil die Menschen an sich eigentlich hochmotiviert sind und etwas tun wollen, stellte James Danckert, Professor für kognitive Neurowissenschaften fest. 

Das zeigen auch andere Studien: Wenn Proband:innen ein einfaches Puzzle lösen sollten, waren diese Menschen deutlich gelangweilter als die Testpersonen, die ein schwieriges Puzzle zusammensetzen durften. Um dein Gehirn gut zu unterhalten, kannst du dir richtig kniffelige Spiele raussuchen. Dafür gibt es zahlreiche Spiele, die man mit Freunden spielen kann. Mit Angeboten wie dem virtuellen Escape Room, Geoguessr oder Skribbl.io kommt keine Langeweile auf. Setz dir mit deinen Freunden dafür ein festes Datum. So könnt ihr euch die ganze Woche auf den Spieleabend freuen. 

Frau mit Kopfhörern singt
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Bruce Mars

Singen verbindet auch online 

Gemeinsam zu singen, hebt die Stimmung und verbessert die Gesundheit. Eine Studie zeigte, dass sich bei Sänger:innen während der Proben 150 Prozent mehr eines für das Immunsystem wichtigen Proteins im Blut befand – und während des Auftritts sogar 240 Prozent mehr. Zugleich sank der Spiegel des Stresshormons Cortisol während der Proben um 30 Prozent und während des Auftritts um 37 Prozent. Die Forscher:innen führen das zum einen auf die positive Wirkung von Musik und zum anderen auf den sozialen Zusammenhalt des Chors zurück. 

Da Auftritte während Corona nur sehr bedingt möglich sind, könnt ihr euch ganz auf die Proben konzentrieren – und das geht auch online. Websites, wie beispielsweise vom bayerischen Musikrat, bieten euch die Möglichkeit, sogar während des Lockdowns neue Mitsänger:innen zu finden, oder einem bereits bestehenden Chor beizutreten. 

Reale Freunde statt Smartphone

Allzu oft suchen wir an der falschen Stelle nach Unterhaltung. So zeigen Studien, dass uns ein heute sehr beliebter Zeitvertreib einsam zu machen scheint: Das Smartphone. Denn es täuscht uns vor, dass wir all unsere Freunde ständig in der Tasche haben. Doch das Scrollen und Tippen nehmen wir eher als Zeitvertreib, denn als erfüllende Beschäftigung wahr.

Was ist eigentlich aus dem netten Menschen geworden, den du mal im Bus bei kennengelernt hast? Schreib ihm doch einfach mal über Instagram. Oder frag bei deiner alten Schulfreundin nach, wie es ihr geht. Sicher freut sie sich auch, nach Jahren der Funkstille mal wieder von dir zu hören. 

Kreativ sein hält den Geist fit

Malen trainiert die linke, als kreativ geltende, Gehirnhälfte. So hilft es dabei, das Hirn fit zu halten und vertreibt gehörig die Langeweile. Vor der Pandemie gab es Kurse und Workshops, in denen die Teilnehmer zusammen malen, oder malen lernen, konnten. Das geht inzwischen natürlich auch online: Zum Beispiel mit Artnight. Bei diesen Events geht es vor allem um das soziale Miteinander. 

Frau steht im Wald
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Kristopher Roller

Spaziergänge im Wald als kreativer Zeitvertreib

Corona hat uns praktisch zur Naturverbundenheit gezwungen. Lange Spaziergänge gehören zu den Favoriten. Und das hat nicht nur einen positiven Effekt während des Spaziergangs, der uns rein physisch vor der Langeweile rettet.

Der Wald gilt als kreativer Raum. Die Stille, die besonderen Geräusche, frische Luft und der Duft regen unser Gehirn besonders an. Wir haben zwar das Gefühl, nichts zu tun, aber unser Gehirn läuft auf Hochtouren, wenn es den nötigen Raum dafür bekommt. Und das war schon immer so. So entstanden Newtons erste Erkenntnisse der Gravitationsgesetze beispielsweise beim Ruhen unter einem Apfelbaum. Auch Beethoven und Dickens integrierten häufig längere Spaziergänge in ihr Leben und heute nutzen erfolgreiche Manager:Innen die Ruhe der Natur, um neues Gedankengut zu entfalten. 

Müßiggang lernen

Beim Müßiggang geht es eigentlich darum, zu tun, wonach uns gerade ist. Dem Treiben auf der Straße zuschauen, an die Decke zu starren, Regentropfen am Fenster zu beobachten, auf einer Parkbank zu sitzen oder Sterne zu zählen. Oder einfach Dinge von A nach B und wieder zurück räumen etc. Wir tun also faktisch etwas, was ganz ohne Leistungs- oder Erfolgsdruck auskommt. Und genau darin liegt auch das Geheimnis. Sich einem Impuls, einem Wunsch oder einer Idee ohne konkreten Sinn und Zweck, ohne Anfang und Ende, einfach mal hinzugeben.

Den ersten Schritt gegen Langeweile machen wir bereits, indem wir uns von der (gesellschaftlichen) Idee lösen, dass nur erfolgsorientiertes Handeln auch wertvolles Handeln ist. Akzeptiertes Nichtstun ist Balsam für Körper, Geist und Seele und damit unendlich wertvoll. Am besten lernt man das, indem man die „Me Time“ bewusst in den Alltag integriert, sich extra Zeit für den Müßiggang nimmt und die positive Wirkung am eigenen Leben erfährt. 

Gesundheitsleistung der Techniker Krankenkasse zu einem Kurs für Meditation und Achtsamkeit

Gut zu wissen: Langeweile als Chance

Auch wenn viele von uns kaum etwas so sehr fürchten wie Langeweile, kann sie doch zu einem guten Freund werden. So erzählt Manoush Zomorodi, wie sie die Langeweile in ihrer Karriere weitergebracht hat: Sie hat sich so sehr gelangweilt, dass ihr Gehirn gar nicht anders konnte als kreativ zu werden. 

So scheint es vielen Menschen zu gehen, denn auch wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass Langeweile kreativ machen kann. Schließlich will unser Kopf kaum etwas mehr, also beschäftigt zu werden – und im Zweifelsfall sucht es sich selbst etwas zu tun. Wenn wir die Langeweile als Chance sehen, dann verschwindet sie schnell und von ganz allein.

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