weltverbesserer Wissen Warum sich die Generation Z von den sozialen Medien abwendet

Warum sich die Generation Z von den sozialen Medien abwendet

Foto: chictype / istock.com

Sie gelten als die ersten Digital Natives und damit als die erste Generation, die, bereits in der Kindheit erste Kontakte mit den digitalen Medien hatten. Dennoch wenden sie sich von den sozialen Medien ab, die Gründe dafür haben wir uns mal genauer angeschaut.

Es ist die Rede von der Generation Z, also von den jungen Erwachsenen, die nach 1995 geboren wurden. Die Generation Z reiht sich zwischen die Generation Y, die bis zur Jugend noch weitestgehend ohne digitale Medien auskam, und die Generation Alpha, die praktisch mit dem Tablet auf die Welt kamen (oder noch kommen werden). Die auch als „Millennials“ bezeichneten Menschen, befinden sich also im Spagat zwischen Analog und Digital, was sich auch in ihrem Verhalten mit den digitalen Medien widerspiegelt. Bei welchen Themen sie anders ticken als die Generationen vor ihnen und warum sie sich von den sozialen Medien abwenden, hat überraschend unterschiedliche Gründe.

Noch nutzen über 90 Prozent der Generation Z die sozialen Medien mehrmals in der Woche. Dabei sind Instagram und YouTube mit jeweils um 65 Prozent die beliebtesten Netzwerke. Facebook hat sich im Vergleich dazu ausgeliked – lediglich 34 Prozent empfinden einen Account als spannend.

Junge Frau schaut auf ihr Smartphone
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Erik Mclean

Es heißt, ein Leben ohne Smartphone, Internet und Netflix sei für die Generation Z undenkbar, schließlich sind sie damit aufgewachsen. Die so genannten Digital Natives verwenden die Netzwerke jedoch oft als Ersatz für die persönliche Kommunikation. Sie sind gejagt von der „FOMO“ (Fear of missing out), also die Sorge, etwas zu verpassen und daher den ganzen Tag online. „Immer auf dem neuesten Stand sein“, laute ihre Devise.

Studien zeigen weltweit ähnliche Tendenzen

Deshalb ist es ein ziemlicher Paukenschlag, dass sich knapp ein Fünftel der Generation Z im vergangenen Jahr von sozialen Medien verabschiedete. Ein Drittel schränkte die Zeit auf ihrem Telefon ein. Das geht aus einer breit angelegten internationalen Studie des globalen Kommunikationsunternehmens dentsu hervor, die im Juli 2020 veröffentlicht wurde. Der dentsu Digital Society Index (DSI) wurde unter 32.000 Personen, darunter mehr als 5.000 Generation Z-ler, im März und April durchgeführt. Damit also zum Höhepunkt der Corona Pandemie.

Weitere interessante Fakten und Tendenzen, die auf diese Entwicklung hinweisen zeigt eine Deloitte Umfrage aus dem Jahr 2019 auf. Hier wurden die Jugendlichen nach ihrer Einstellung zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Situation befragt. Am Deloitte Millennial Survey haben 3.009 junge Frauen und Männer der Generation Z aus 10 Ländern teilgenommen. Die spannendsten Ergebnisse haben wir hier zusammengefasst:

Frau hält Hände in Entspannungshaltung gefaltet
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Conscious Design

Liebe-Hass Beziehung zu Online-Medien

Das Internet ist ein großartiges Medium und aus unserem Leben kaum mehr weg zu denken: Ob Business, Privat, Freizeit oder Entertainment – Digital ist alles jederzeit, immer und überall möglich. Der Umgang damit ist allerdings stets differenziert zu betrachten, denn es kann auch in böswilliger Absicht genutzt werden. Es liegt also auf der Hand, dass Millennials und vor allem die Generation Z eine zwiespältige Beziehung zu ihren digitalen Geräten und sozialen Medien haben. Sie hinterfragen ihre Online-Präsenz daher immer häufiger.

Laut der dentsu Umfrage misstrauen 58 Prozent der Befragten großen Tech-Unternehmen, weil sie sich Sorgen um ihre Datennutzung machen. Ganze 37 Prozent glauben sogar, dass soziale Medien einen negativen Einfluss auf die weltweiten politischen Diskurse haben.

Lebensqualität wird immer wichtiger

Die psychische Gesundheit ist den jungen Menschen ebenfalls ein großes Anliegen. Fast die Hälfte ist der Meinung, dass sich ihr persönlicher Gebrauch von Technik negativ auf ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden auswirkt. Besonders klar zeigt sich das in Spanien, Australien und Frankreich mit jeweils mehr als 50 Prozent aller Befragten.

Obwohl laut der Deloitte Studie 40 Prozent der Befragten besorgt sind, wenn sie länger als einen Tag nicht online sind, glaubt dennoch mehr als die Hälfte, dass sich ihre Lebensqualität ohne Social Media verbessern würde. Ähnlich viele gaben an, dass die sozialen Medien mehr schaden als nutzen würden. Deswegen können sich 44 Prozent sogar vorstellen, komplett darauf zu verzichten.

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Gesünder und glücklicher durch weniger Social Media

Fast zwei Drittel gaben an, dass sie körperlich gesünder wären, wenn sie ihre Zeit in sozialen Medien reduzieren würden. Fast 60 Prozent glauben, dadurch glücklicher zu werden. Weltweit wünschen sich 38 Prozent, sie könnten ganz damit aufhören, in Deutschland sind es sogar 44 Prozent.

Als Ergebnis dieser Einsichten haben ein Drittel der Befragten ihre Online-Zeit begrenzt. Fast die Hälfte hat Maßnahmen ergriffen, um die Menge der Daten, die sie online austauschen, zu reduzieren. International haben 17 Prozent der Generation Z ihre Social Media-Konten in den letzten 12 Monaten deaktiviert.

Die Umfrage des DSI zeigt deutlich, dass in Deutschland 78 Prozent der Befragten der Ansicht sind, dass die physische Gesundheit der wichtigste Einflussfaktor für das eigene Wohlbefinden ist. Damit hat die deutsche Gesellschaft im globalen Vergleich eines der stärksten Meinungsbilder was die Bedeutung von Gesundheit auf das eigene Wohlbefinden hat. Damit liegen sie deutlich über dem globalen Durchschnitt von 69 Prozent. So erwarten auch über die Hälfte in Deutschland, dass Produkte und Services innerhalb der nächsten fünf bis zehn Jahre mehr auf Gesundheit und Wohlbefinden eingehen.

Mensch balanciert auf handbreitem Ast über laubbedecktem Boden
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Filippo Ruffini

Trends und Sorgen für die Zukunft

Aus der Deloitte Studie 2019 geht auch hervor, dass sich die Einschätzungen bezüglich Wirtschaft sowie der politischen und sozialen Situation der jungen Generationen im Vergleich zur letzten Umfrage vor zwei Jahren erheblich verschlechtert haben. Das bezieht sich auch auf den Zustand hinsichtlich Institutionen wie Regierung, Medien und Wirtschaft in ihren Ländern. Rund ein Drittel der Generation Z gaben an, am meisten um den Klimawandel besorgt zu sein. Auf Platz zwei rangieren Terrorismus und Arbeitslosigkeit.

Besorgniserregend ist, dass sich nur knapp ein Viertel zu ihrem Leben wie es ist, zufrieden äußern. Wahrscheinlich sind ihnen deshalb Familie, Partner:innen und Freund:innen besonders wichtig, weil sie Rückhalt und Unterstützung bieten. In Deutschland hegt die Hälfte den Wunsch nach Familie und liegen damit im internationalen Vergleich vorn. Für materielle Aspekte wie Vermögensaufbau oder Eigenheim interessiert sich die deutsche Generation Z-ler hingegen deutlich weniger. 

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Ein weiterer Trend, der sich verstärkt zeigt, ist der Wunsch nach natürlicher Schönheit. In der QVC Zukunftsstudie „Living 2038: Wie lebt Deutschland übermorgen?“ meinen 69 Prozent, natürliche Schönheit sei immer wichtiger. Somit scheint nicht nur der überstilisierte Körperkult ausgedient zu haben – mit der Body Diversity wächst die Akzeptanz für die Vielfalt von Körperformen, religiösen Ausrichtungen und sexuelle Orientierungen und geht somit über die Body Positivity weit hinaus.

Mensch begrüßt mit ausgebreiteten Armen den Sonnenaufgang in den Berge
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Zac-Durant

Vorteile von Online-Detox

Die Akzeptanz von äußeren Umständen geht bekanntlich mit innerer Ruhe und Selbstakzeptanz einher. In Zeiten von Lockdowns, wirtschaftlicher und sozialer Unsicherheit wird noch einmal deutlich, wie wichtig es ist, sich seine eigenen Ruheoasen zu schaffen. Dazu gehören auch Social Media-Auszeiten. Bereits vor dem Ausbruch von Covid-19 ist die Studie des Online-Kiosks Readly zu eben jenem Ergebnis gekommen: 60 Prozent der Befragten haben bereits sehr positive Erfahrungen mit Online-Detox gemacht.

„Dank“ der Pandemie fühlt sich die Generation Z um 8 Prozent weniger gestresst als davor, so die Deloitte Studie 2020. Ganze 75 Prozent sagen von sich, die Pandemie habe sie dazu inspiriert, positive Maßnahmen zu ergreifen, um ihr eigenes Leben zu verbessern.

Achtsamkeit im Umgang mit dem Internet ist gefragt, das kommt auch durch die Netflix-Dokumentation The Social dilemma. Dort erklären Silicon Valley-Experten, welche negativen Einflüsse soziale Medien auf die moderne Gesellschaft haben können. Dazu zählen u.a. ein sinkendes Selbstwertgefühl, häufigere Panikattacken und steigende Suizidraten unter US-Teenagern.

Trotz Bedenken: Vertrauen in die Zukunft

Trotz all ihren Befürchtungen scheinen die jungen Menschen von heute aber zuversichtlich zu sein, dass Technologie in Zukunft mehr Gutes als Schlechtes bewirken wird. Fast zwei Drittel der densu Studie sind optimistisch, digitale Technologien würden zur Lösung der dringlichsten Herausforderungen der Welt beitragen. Bleibt zu hoffen, dass ihre positive Einschätzung Wirklichkeit wird.