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Warum die Digitalisierung unsere digitale Kompetenz braucht

Fotos: ChenPG / stock.adobe.com; chuckchee / creativemarket

„Digitale Kompetenz beinhaltet alle Fähigkeiten, die ein Individuum benötigt, um sich in einer digitalen Gesellschaft zurechtzufinden, in ihr zu lernen und zu arbeiten. Digitale Kompetenz schließt mehr als reine Computeranwendungskenntnisse ein und umfasst eine breite Palette von Verhaltensweisen, Strategien und Identitäten, die in einem bestimmten digitalen Umfeld wichtig sind.“ So die Definition laut Wikipedia.

Halt! Stopp! Ist das wirklich eine Definition von Wikipedia, die hier verwendet wird? Wie valide ist das denn? Darf man das? Frau Prof. Dr. Sura sagt: Ja! Als Expertin berät und begleitet die Medienpädagogin die TK bei verschiedenen Projekten und Studien. Wir haben sie (natürlich per Video-Call) getroffen und mit ihr über digitale Kompetenz, Medienpädagogik und eine digitalisierte Welt gesprochen.

Portrait von Frau Prof. Dr. Sura
Foto: Pressestelle Universität Greifswald

Frau Sura, jede:r benutzt Wikipedia, aber wenn es dann als Quelle oder Definition eingesetzt wird, hat es einen faden Beigeschmack. Es wirkt unprofessionell und nicht ganz valide. Wie gehen wir denn am besten mit Wikipedia um?

Na ja, es ist gerade bei der Thematik so schön passend. Natürlich können wir die Definitionen von Wikipedia für digitale Kompetenz nutzen. Denn Wikipedia richtig zu benutzen ist ja Teil einer digitalen Kompetenz.

Dazu gehört, kritisch zu hinterfragen: Wie funktioniert dieses digitale Angebot? Das heißt, wer steckt dahinter? Bei Wikipedia weiß inzwischen jede:r: Verschiedene Personen, die im schlimmsten Fall keine wissenschaftliche Ausbildung haben, sondern Laien sind.

Schüler:innen lernen inzwischen bereits im Unterricht: Das erste, was ich mache, wenn ich einen Wikipedia-Artikel analysiere: Ich schaue, welche Quellen die Autor:innen benutzt haben, oder auf welche Quellen verwiesen wird. Als Nächstes schaue ich mir die Diskussion im Hintergrund an. Sprich, was wurde entfernt, was ist erhalten geblieben und so weiter.

Bei der Einordnung von Wikipedia-Artikeln kann man folgendes beachten: Im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich ist Wikipedia sehr gut aufbereitet. Ich erinnere mich an eine Untersuchung, die verschiedene Wikipedia-Artikel analysiert und mit der gängigen Fachliteratur verglichen hat. Dabei wurde festgestellt, dass vor allem der naturwissenschaftliche Bereich gut recherchiert ist. Hingegen sollte alles aus dem Bereich der Geisteswissenschaften wirklich mit Vorsicht genossen werden. Und dazu gehört dann am Ende auch der Kompetenz-Artikel von Wikipedia zur digitalen Kompetenz.

Nun ist der Wikipedia-Artikel nicht furchtbar schlecht, zumindest definiert er multidimensional. Allerdings werden in den Quellen ganz wenige der „Gatekeeper“ der Medienpädagogik genannt und das finde ich schade. Was ich tatsächlich kritisch anmerken würde, wobei es nicht falsch ist: Der Artikel ist sehr auf die Berufskompetenzen bezogen. Also alle Fähigkeiten, die man benötigt, um sich in einer digitalen Gesellschaft zurechtzufinden, in ihr zu lernen und zu arbeiten. Er verweist zwar auch ein bisschen auf die Lebenskompetenz, ist schlussendlich aber doch sehr auf den Leistungsgedanken verkürzt.

Und wie würden Sie digitale Kompetenz denn selbst definieren?

Insgesamt wäre es sinnvoller von „Digitaler und Medienkompetenz“ zu sprechen oder von „digitalen Medienkompetenzen“. Digitalkompetenz ist politisch dann sehr schnell zum Thema geworden, aber die meisten Menschen wissen gar nicht, dass die Medienkompetenz oder der Medienkompetenzbegriff sehr viel älter ist. Die Historie, wie sich der Begriff immer weiterentwickelt hat, taucht im Wiki-Artikel nicht auf.

Im Kontext der Weltverbesserer empfinde ich die Definition von Stefan Aufenanger sehr plausibel: „Digitale Bildung als Befähigung in einer digital geprägten Welt souverän und sozialverantwortlich handeln zu können, sowie dafür einzutreten zu können, dass alle Menschen in einer digitalisierten Gesellschaft in Würde leben können.“

Eine Definition sollte allerdings nicht immer nur beinhalten, was man im Umgang mit Medien lernen und beherrschen muss, sondern auch, wie man eigentlich zu dieser Kompetenz kommt. Wir wissen immer ganz viel über die Lernziele, zum Beispiel: Ich muss souverän recherchieren können, meine Daten schützen, gesund mit den Medien umgehen, ich muss auf mich aufpassen können usw. Soweit sind sich alle einig. Aber wie komme ich eigentlich da hin? Und wann habe ich welches „Niveau“ erreicht? Da stecken wir gerade auch fachlich noch mitten in der Diskussion.   

Wie stehen Sie ganz persönlich zum Thema Digitalisierung?

Ich war ja als „eigentümliche Zwischengeneration“ dabei, als es mit Facebook losging, gerade mitten im Studium, hatte meinen ersten Laptop bekommen und habe gehofft, dass jetzt eine Revolution einsetzt. Wie toll, dachte ich, wenn wir alle miteinander verbunden sind und unser Wissen miteinander teilen können. Auf einmal waren alte Freunde und die Familie wieder ganz nah.

Erst als ich wirklich angefangen habe, mich damit wissenschaftlich zu befassen und die Medienentwicklung weiter vorangeschritten war, wurde mir klar, welche Schatten die Digitalisierung wirft. Grundsätzlich bin ich aber immer noch Befürworterin der Digitalisierung – solange man eben damit kritisch umgeht und wohl wissend, dass das mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist.

Die Medienpädagogik oder die Menschen, die sich Medienpädagog:innen nennen, haben das Problem, dass sie so allwissend sein sollen: ob Algorithmen, Deep Fakes, Coding, Hate Speech, Sexting, Datenschutz usw. Das ist eigentlich gar nicht möglich, dass wir uns in all diesen Bereichen gleichermaßen umfassend auskennen. Ich selbst beispielsweise wüsste auch nicht genügend über künstliche Intelligenz, um einen Algorithmus zu programmieren. Zwar kann ich eine Diskussion über die Ethik der Algorithmen anleiten, allerdings denke ich, dass wir an einem Punkt sind, wo die einzelnen Themenbereiche auch ihre Spezialist:innen bräuchten. Wir Medienpädagog:innen können keine Allgemeinbildenden mehr sein.

Love to learn Schild
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Tim Mossholder

Sie sind Professorin für Medienpädagogik und Medienbildung. Wie bringen Sie Menschen den Umgang mit digitalen Medien bei?

Als Juniorprofessorin bin ich natürlich an der Uni tätig, aber wir brauchen und unterrichten Medienbildung entlang der ganzen Bildungskette – also als lebenslanges Lernen.

Lebenslanges Lernen & Bildungsgerechtigkeit

Wir fangen früh an. Schon in der Kita kann man Medienbildung betreiben und natürlich nehmen wir alle bis hin zu den Senior:innen mit. Das haben Medienpädagogi:nnen schon gemacht, bevor das Thema Einzug in die Lehrer:innenbildung erhalten hat. Damals ging es noch sehr darum, Barrieren zwischen den Generationen abzubauen. Vor allen Dingen in den Bereichen sozialer Netzwerke und bei Computerspielen wollten wir zwischen den Generationen vermitteln. Beispielsweise zwischen Eltern und Kindern: Die Beschäftigung ist nicht nur unsinniger Zeitvertreib, sondern trägt auch zum informellen Lernen bei, fördert Sozialkompetenz, weil es Menschen miteinander ins Gespräch bringt. Die Gaming-Kultur bringt eigene Kunstwerke hervor und so weiter.

In der Medienpädagogik gibt es schon immer einen ganz besonderen Spirit, was die Bildungsgerechtigkeit betrifft. Es soll und darf niemand zurückgelassen werden. Wir gehen davon aus, dass heute die Teilhabe an der Gesellschaft ohne Medienkompetenz überhaupt nicht mehr möglich ist. Damit alle partizipieren können, bedarf es einer solchen demokratischen Bildung. Die Medienpädagogik fördert daher den Bereich der OER (Open Education Ressources) also kostenlose Bildungsressourcen.

Und so versuche auch ich zu unterrichten beziehungsweise zu arbeiten. Dazu zählt beispielsweise auch die Vermittlung mit ganz einfachen Mitteln, ohne besonders teure Technik. Zum anderen hat es viel mit ausprobieren und entdecken, also mit experimentellem Lernen, zu tun.

Den älteren Generationen muss man immer wieder klarmachen, dass man das Internet nicht kaputt machen kann. Hier muss auch eine Bildungsungerechtigkeit geheilt werden. Daher ist lebenslanges Lernen so wichtig. Corona zeigt es: Senior:innen, die nicht mit dem Internet umgehen können, bekommen kaum einen Impftermin, wenn ihnen niemand hilft. Es geht ja nur online.

Instrumente & Portale für digitale Kompetenz

Darüber hinaus ist es so, dass wir am Lehrstuhl verschiedene Instrumente entwickelt haben, die dann wiederum die Studierenden später in den Schulen einsetzen können oder die Lehrer:innen jetzt schon einsetzen können.

Da gibt es das Lehrer:innenportal für Medienbildung in der Grundschule. Wir fangen im Kindergarten an, dann geht es in der Grundschule und im Hort weiter. Mit dem „Digitalpakt“ ist bereits viel passiert in den weiterführenden Schulen, sprich je nach Bundesland in den Realschulen, Regionalschulen und Gymnasien usw. Aber im Bereich der Grundschule ist das Thema noch sehr unterbeleuchtet und deswegen haben wir dieses Portal entwickelt. Lehrerinnen und Lehrer finden dort Unterrichtsideen, sowie fertiges interaktives Material, das sie sofort im Unterricht einsetzen können.

Das Portal „Medienuniversum“ wird von der Techniker Krankenkasse freundlicherweise unterstützt. Teil des Medienuniversums sind verschiedene Filme aber auch eine App, die sich direkt an Kinder richtet. Die App heißt „Medienplanet“ und steht kostenlos in den beiden Stores zur Verfügung. Da haben wir wieder den Spirit der Medienpädagogik.

Auch für die Initiative #awarenetz hat sich die TK an uns gewandt. Mit dem Kollegen Roland Rosenstock bin ich dabei in kurzen YouTube-Videos zu sehen. Diese richten sich an 12-30-Jährige Internetnutzer:innen. Dabei geht es auch um die Fragen gesundheitsrelevanter Medienerfahrungen, wie beispielsweise Bodyshaming oder Online-Dating, Hatespeech und auch Gaming waren dabei. Für mich sehr interessant: wie die Leute sich dann in der Kommentarspalte verhalten. Den meisten „Hate“ haben wir nämlich für die Folge zu Hatespeech bekommen.

Kind lernt und spielt am Tablet
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Was macht Ihrer Ansicht nach eine hohe digitale Kompetenz aus?

Ursprünglich sprachen wir mal von Medienkompetenzförderung und das hat sich dann im Zuge der Digitalisierung verändert. Es ist übergegangen zu digitalen Kompetenzen und sicherlich ist auch mittlerweile gemeinhin bekannt, dass es dabei um mehr geht, als nur um Medienwissen oder um die Nutzung. Also wie installiere ich eine Software, wie benutze ich diese oder jene App. Das sind sicherlich wichtige Punkte, aber dazu gehört eben auch zu reflektieren. Wie gehe ich mit den digitalen Medien um? Benutzen die digitalen Medien mich oder benutze ich sie? Das wäre für mich durchaus eine hohe digitale Kompetenz, wenn jemand in der Lage ist das zu durchschauen.

Im Bereich der Berufskompetenz gibt es ganz unterschiedliche Niveaus, die angemessen sein müssen an das, was ich eigentlich brauche. Das gilt auch im Beruf. Hier ist der Vergleich zwischen Berufsgruppen gut: Die Journalist:innen brauchen natürlich andere Kompetenzen als Zirkusdirektor:innen.

Schwieriger wird es mit dem Maß an Digitalkompetenz im Lebensbereich. Wer sagt, wie hoch welches Maß an Digitalkompetenz sein muss? Was passiert, wenn das nicht erreicht wird? Ist derjenige dann weniger wert? Da wird es schon schwieriger.

Grafik zur Studie: 76% Aller Befragten sind fast immer online

Sie haben die Digitalkompetenz-Studie der TK „Schalt mal ab, Deutschland!“ begleitet. Welche Ergebnisse haben Sie dabei besonders überrascht?

Das werde ich sehr oft gefragt und es gibt zwei Aspekte, die doch sehr erstaunlich sind. Beziehungsweise ist der eine erstaunlich und der andere bedenklich.

Erstaunlich ist zum einen, dass man gerade bei den beruflichen Vielnutzer:innen (es gab eine Unterscheidung in berufliche und freizeitliche Vielnutzer:innen) einen eindeutigen Zusammenhang zu gesundheitlichen Einschränkungen gerade nicht finden kann. Man muss aber wissen, dass das eben Selbstaussagen sind, das heißt, die Befragten haben sich selbst eingeschätzt. Und seltsamerweise ist es eben so, dass sowas wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, depressive Symptome vor allen Dingen in der Gruppe der Wenignutzer am höchsten sind. Als Wenignutzer wurden die Personen kategorisiert, die unter 60 Minuten am Tag digitale Medien konsumieren.

Der andere – bedenkliche Aspekt – ist eigentlich der von den 5 Prozent der Befragten, die selten oder nie online sind. Wer ist davon betroffen in einer so durch und durch digitalisierten Gesellschaft? Wie bestreiten sie ihr Leben? Bedenklich ist das, weil wir wieder bei der Chancengleichheit sind. Ich bezweifle, dass diese Menschen überhaupt noch an der Gesellschaft demokratisch teilhaben können, wenn ihnen der Zugang dazu völlig verwehrt bleibt. Aber auch hier ist das Spekulation: Es wird natürlich überhaupt nicht deutlich, warum diese Menschen wenig online oder gar nicht online sind. Möglicherwiese sind sie das auch völlig freiwillig.

Lies hierzu auch: Schalt mal ab, Deutschland!

Grafik zur Studie: Mehr als die Hälfte der befragten sind länger online, als sie es wollen

Was sollte man Ihrer Meinung nach machen, um das folgende Dilemma aufzulösen: Wir sind ständig online, wollen das aber gar nicht. Wie schaffen wir das?

Ich glaube, es geht um die Definition von „online sein“. Wir haben natürlich ein Problem in dem Moment, wo wir keine Wahl haben und online sein müssen, wie im Beruf. Das ist was anderes als privat. Ich selbst muss beruflich zurzeit sehr viel online sein, dass geht überhaupt nicht anders. Ich müsste schon mit meinen Vorgesetzten reden, wenn ich daran was ändern möchte. Und mal ganz ohne Spaß: Vielleicht ist das wirklich mal eine Sache, die wir angehen sollten: in der Pandemie-Zeit einzufordern, dass es auch wieder einen anderen Weg geben müsste, um die Arbeit zu erledigen.

Das andere, was in der Studie glaube ich, auch gemeint war, sind solche zeitfressenden Aktionen des Medienverhaltens. Beispiel: Studierende prokrastinieren und sitzen in der Bibliothek und wollen nur mal kurz die Mails checken, oder nur mal kurz irgendwas bei YouTube nachschauen. Und schon setzt der Flow ein und man kann nicht mehr aufhören. Man denkt immer: „Naja die 5 Minuten YouTube oder die 2 Minuten Instagram oder ja nur 30 Sekunden TikTok.“ Und zack, plötzlich sind zwei Stunden rum, draußen ist es schon dunkel und man hat nichts von dem geschafft, was man eigentlich schaffen wollte.

Und genau bei der Formulierung kann man vielleicht auch ansetzen: Also zum einen würde ich fragen: „Naja sind sie nicht ein bisschen zu hart mit sich selbst? Geht es immer nur darum, alles zu schaffen?“ Also sicherlich sind das „Zeitfresser“ aber wir werten das ja negativ, nur weil es am Ende wieder darum ging, irgendetwas anderes nicht abgearbeitet zu haben. Die volle To-do-Liste ist wieder nicht fertig geworden und ich habe meine Zeit im Internet „verschwendet“. Dabei wird oft vergessen, dass das auch der Entspannung nützt. Schließlich setzen wir die Medienangebote auch ein, um „mal abzuschalten“.

Medienkonsum reflektieren ist digitale Kompetenz

Wenn Sie das aber wirklich so einschätzen und Sie das Gefühl haben, ihre Lebenszeit wäre jetzt wertvoller verwendet worden, wenn Sie draußen mit ihren Freunden spazieren gegangen wäre, anstatt sich das tausendste Katzenvideo anzusschauen, dann sollten Sie an ihrem Verhalten etwas ändern. Und genau das ist ja gemeint mit Reflexion des eigenen Medienkonsums. Auf sich selbst schauen und sich ehrlich fragen: Wozu benutze ich die Medien? Was davon könnte ich streichen und was gewinne ich dadurch? Was verpasse ich wirklich, wenn ich nicht alle fünf Minuten auf Instagram schaue?

Frau sitzt im Dunkeln am Laptop im Bett
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Victoria Heath

Rhythmisierung des Alltags erleichtert die Mediennutzung

Das Zweite, was man tun kann, ist der Klassiker unter den Tipps aus der Medienpädagogik: die Rhythmisierung des Alltags. Also sich selbst ganz klare Zeiten zu setzen: Wann ist eben (Arbeits-) digitale Zeit, wann ist Freizeit? Aber trotzdem bin ich ja ständig online: Alleine das Smartphone dabei zu haben, „macht mich online“.

Worum es mir außerdem geht ist, dass auch diese Studie, um sie auch kritisch zu betrachten, wieder nur den Normalverbraucher, den vermeintlichen Durchschnittsmenschen im Blick hat. Und wenn man sich anschaut, was zum Beispiel Menschen mit Einschränkungen an Vorteilen haben, wenn Medien ihre Defizite ausgleichen – dann ist deren kleinstes Problem, dass wir alle irgendwie ständig online sind. Untersuchungen, die sich mit anderen gesellschaftlichen Gruppen befassen, gibt es immer noch viel zu wenige.

Wie können wir Ihrer Meinung nach mit digitaler Kompetenz die Welt verbessern?

Innerhalb der Medienbildung dreht sich auch einiges um Innovation und Gestaltungsfähigkeiten. Wir wollen es Kindern und Jugendlichen ermöglichen, kreativ zu sein und sich damit selbst auszudrücken. All die digitalen Kompetenzen zielen am Ende darauf ab, die Welt aktiv mitgestalten zu können.

Es gibt in diesem Zusammenhang Initiativen wie zum Beispiel Hackerthons oder Makerspaces. Ein Hackerthon hat immer zum Ziel, dass Kinder und Jugendliche oder auch Erwachsene, zusammenkommen und Lösungen für unsere momentanen globalen Probleme finden. Im Kleinen oder im Großen – völlig egal! Wichtig ist, dass da Menschen zusammenkommen, die ihre eigenen digitalen Kompetenzen fördern und zusammenarbeiten. Und genau dafür ist Digitalisierung gut – Wir können uns alle miteinander vernetzen. Kollaboratives Lernen und Arbeiten wird ganz großgeschrieben und am Ende versuchen sie gemeinsam die Welt besser zu machen. Ich glaube, „digital kompetent“ zu sein heißt eben auch, bereit zu sein, die Zukunft mitzugestalten. Insofern braucht die Digitalisierung unsere digitale Kompetenz.

Vielen Dank Frau Sura, für das spannende Gespräch, den Einblick in ihre Tätigkeit und die neuen Perspektiven.

Frau Prof. Dr. Ines Sura von der Universität Greifswald spielt selbst mit Vorliebe Computerspiele und ist Optimistin im Hinblick auf die Digitalisierung.