weltverbesserer Wissen Stille Nacht, heilige Nacht – Was Stille mit uns macht

Stille Nacht, heilige Nacht – Was Stille mit uns macht

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Tim Foster


Stille Nacht – hörst du was? Nein? Kein Wunder, denn Stille können wir nicht hören – vor allem, weil sie so selten geworden ist. Dabei kann sie uns so richtig guttun. Das Jahresende achtsam zu begehen, kann dabei helfen, achtsam und mit aufgeladenen Akkus ins neue Jahr zu starten. Wir haben ein paar Tipps, wie das funktionieren kann.

New York gilt als die Stadt, die niemals schläft. Doch auch hierzulande scheinen die Städte keine Stille Nacht oder Ruhe zu finden. Denn wirklich still wird es auf vielen Straße kaum. Das Umweltbundesamt hat berechnet, dass 2017 mindesten 4,6 Millionen Menschen von nächtlichem Lärm betroffen waren: Autos, LKW, Güterzüge oder Flugzeuge sorgten für eine dauerhafte Lärmkulisse von über 55 Dezibel.

Das ist in etwa die Lautstärke eines Kühlschranks oder von Regen. Das klingt erstmal nicht besonders laut. Und dennoch kann es uns krank machen, keine Nacht eine wirklich stille Nacht zu haben. Betroffene wachen dadurch immer wieder auf. Damit befindet sich ihr Körper die ganze Nacht in einem leicht alarmierten Zustand – und produziert fleißig Stresshormone. Das kann im schlimmsten Fall sogar krank machen.

Dauerstress kann das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht und sogar Diabetes erhöhen. Deshalb empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO, dass wir nachts maximal mit 40 Dezibel beschallt werden sollten, also etwa der Lautstärke eines Flüsterns.

Lärm stresst unser Gehirn, Frau geht im Winter alleine spazieren
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Nazym Jumadilova

Die Lärmquelle im eigenen Bett

Schon 2011 warnte die Weltgesundheitsorganisation WHO vor einer neuen Art der Umweltverschmutzung: dem Lärm. Und dennoch wachsen manche Lärmquellen weiter. So sagen 75 Prozent der befragten Deutschen in einer Studie des Umweltbundesamtes, dass sie sich durch Straßenlärm belastet fühlen. Stolze 60 Prozent empfinden ihre Nachbarschaft als zu laut und immerhin 35 Prozent fühlen sich durch den Schienenverkehr gestört.

Doch auch jenseits von viel befahrenen Straßen lauert der nächtliche Lärm – denn manchmal schlummert die Lärmquelle auf dem Kopfkissen direkt neben uns: Denn ein schnarchender Mensch kann bis zu 80 Dezibel erreichen. Etwa diese Lautstärke bekommen wir auf die Ohren, wenn wir an einer Hauptverkehrsstraße stehen. So verwandelt sich sogar eine entlegene Kleinstadt in eine Stadt, die niemals schläft.

Schock statt Stille

Dabei scheint es fast, als hätten wir das Interesse an der Stille verloren: Mitte 2014 stellten Forschende der University of Virginia ihren Proband:innen eine vermeintlich einfache Aufgabe: Sie sollten ihre Smartphones abgeben und 15 Minuten in einem Raum schweigend auf einem Stuhl sitzen. Nicht mehr und nicht weniger. Was einfach klingt, war für die Teilnehmenden an der Studie eine echte Herausforderung.

Denn heute sind wir nur noch selten allein mit unseren Gedanken. Wenn wir es nicht aktiv vermeiden, sind wir einer dauernden Medienbeschallung ausgesetzt. 10 Stunden und 20 Minuten lässt sich der Durchschnittsdeute schon Medienangeboten berieseln (Quelle: horizont.net). Stille ist da kaum möglich.

In einer Folgestudie konnten die Forschenden sogar zeigen, dass sich die Testpersonen lieber selbst einen Elektroschock verpassen, als schutzlos auf ihre eigenen Gedanken zurückgeworfen zu sein: zwei Drittel der Männer und ein Viertel der Frauen zogen es vor, sich mit Strom Schmerzen zuzufügen, statt die Reizarmut auszuhalten. Es scheint, als hätten viele von uns die Stille und die innere Ruhe verloren.

Unser Gehirn liebt die Stille

Unser Gehirn würde sich dagegen freuen, wenn wir die Stille wiederentdecken. Schon zwei Stunden Ruhe hatte auf dauerbelärmte Mäuse in einer Studie einen positiven Effekt: Ihr Hippocampus, eine Hirnregion, die auch bei uns Menschen an der Verarbeitung von Erinnerungen beteiligt ist, erholte sich (Quelle: researchgate.net).

Für Meditationen, die ebenfalls überwiegend im Schweigen geübt werden, konnte dieser Effekt auch bei Menschen nachgewiesen werden. Offenbar braucht unser Gehirn die Stille, um sich von den Reizen und Eindrücken des Tages zu erholen.

Stiller Spaziergänger im verschneiten Wald
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Sven Vee


Wie es mit der stillen Nacht doch noch was wird? Dazu vier Fakten:

Das Smartphone schweigt zur Weihnachtszeit

2013 stellten Forscher der der Technischen Universität Darmstadt und der Humboldt-Universität Berlin 600 Facebook-Usern, wie sie sich nach dem Nutzen der App fühlen. Ein Drittel der Befragten gab schon damals an, dass sie sich frustriert, einsam und unglücklich fühlen. Dieses Phänomen stellen Forschende immer wieder fest, vor allem für Apps, bei denen wir durch einen Wust aus Bildern scrollen. Facebook-Depression nennen sie das Phänomen, dass sich auch bei Instagram-Nutzenden feststellen lässt.

Gerade zu diesem Weihnachtsfest könnten wir schnell neidisch werden, wenn wir auf Social Distancing setzen – und andere bei Instagram ein Hochglanzweihnachten im Kreis der Großfamilie feiern. Deshalb kann dieses Jahr ein guter Zeitpunkt für etwas Social Media Detox und stille Nächte sein. Apps wie „Forrest“ helfen dir, die Motivation für das Digital-Fasten zu behalten.

Frau freut sich über Stille und den fallenden Schnee
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Kelly Sikkema

Leise rieselt der Schnee…

Die Schneedecke scheint aber noch eine Wirkung auf uns zu haben: Wenn frischer Schnee gefallen ist, fühlt sich nämlich plötzlich alles ganz ruhig und leise an. Schuld daran ist nicht unser Gefühl, sondern Physik, meint Schmidt. Schnee ist eine sehr lockere Substanz und schluckt deshalb den Schall. Deshalb werde er relativ wenig reflektiert, was dazu führe, dass sich in einer schneebedeckten Landschaft der Schall nicht so weit und so stark ausbreite wie etwa in einer schneefreien Stadt. Na, träumst du jetzt auch von einer weißen Weihnacht?

Lies hierzu auch: 10 Gründe, warum du nicht perfekt sein musst

„Besinnliche Festtage“? Was damit gemeint ist

„Besinnlich“ ist ein Wort, dass meist nur zu Weihnachten wieder aus der Wortschatzkiste ausgekramt und großflächig über Weihnachtsgrußkarten verteilt oder unter E-Mails getippt wird.

Aber was ist damit überhaupt gemeint? Laut Duden bedeutet Besinnlichkeit so viel wie Besonnenheit, Gleichmut und Bedächtigkeit – und liefert damit gleich einen weiteren Schwung aus der Mode geratener Wörter.

Alternativ ließe sich Besinnlichkeit auch mit „Coolness“ übersetzen, findet der Duden. Doch warum sollten wir jemandem „coole Feiertage“ wünschen? Eben weil die Idee der Besinnlichkeit gerade in der heutigen Zeit so wertvoll ist: Es umfasst eine Stimmung, die sich irgendwo zwischen nachdenklich, ruhig und feierlich befindet. Sich zu besinnen heißt, nachdenken und sich selbst über etwas bewusst zu werden – und das soll auch an den Feiertagen passieren. Wer „besinnliche Festtage“ wünscht, wünscht seinem Gegenüber also Zeit und Ruhe, um über sein Leben nachzudenken. Und das ist schon irgendwie recht cool.

Stille Schneelandschaft mit Bäumen und Bergen
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – James Wheeler

Still, stiller… alles still

Wir wollen immer mehr, optimieren uns, wo wir nur können und werden durch Apps und Tools immer effizienter. Aber eines scheinen wir mehr und mehr zu verlernen: das Schweigen. Dabei hat Schweigen so viele Vorteile: Es senkt den Blutdruck und das Stresslevel, stärkt das Immunsystem und hilf bei der Hormonregulation (Quelle: webforum.org).

Schweigemeditationen können unseren Schlaf verbessern und haben einen positiven Effekt auf unsere Stimmung. Eine stille Nacht tut damit richtig gut. Vielleicht kommt deshalb in so vielen Weihnachtslieder das Wort „still“ vor…

Das Jahresende achtsam zu begehen, kann dir helfen, mit wieder aufgeladenen Akkus ins nächste Jahr zu starten. So kann etwas Stille das schönste Geschenk sein, dass du dir selbst machen kannst.

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