weltverbesserer Leben So gewinnst du die Kontrolle zurück

So gewinnst du die Kontrolle zurück

Foto: Stefanie Degner / istock.com

„Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, hat bekanntlich Karl Lagerfeld gesagt. Im Jahr von Homeoffice und freiwilliger Selbstisolation haben wir nach dieser Definition wohl alle ab und zu die Kontrolle über unsere Leben verloren. Wir haben aber auch ein paar Ideen, wie du die Kontrolle zurückerlangst – und das sogar in Jogginghosen.

Dieses Jahr ist eine Herausforderung. Wer früher schon im Januar den Jahresurlaub minutiös durchplante und für die Finanzplanung einen ganzen Schwung Excel-Sheets hatte, kam dieses Jahr schnell an die Grenzen des Planbaren.

Auch vieles andere, was immer so selbstverständlich und planbar war, wurde uns durch ein winziges Virus aus der Hand genommen. Und wir müssen feststellen: Manches können wir einfach nicht kontrollieren. In der antiken Philosophie werden wir Menschen oft mit Booten vergleichen, die auf hoher See unterwegs sind.

Wind, Wellen und Wetter geben sich offenbar alle Mühe, dass wir nicht an unser Ziel kommen und resigniert die Segel einrollen. Doch die Philosophen wollten das nicht auf sich sitzen lassen. Sie wollten, dass wir die Kapitäne und Kapitäninnen unseres Lebens bleiben. Oder wie es Aristoteles sagte: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“

Und noch heute geben uns die Philosophie und die Psychologie Tipps, mit denen wir die Kontrolle über unser Leben behalten – auch wenn uns die Umstände „versuchen“ uns aus der Bahn zu werfen.

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Ausmisten für einen klaren Kopf

Hier ein Souvenir von deiner letzten Reise, dort eine Hose, die du nie trägst und dort noch ein Stapel Bücher, für den du vermutlich nie Zeit finden wirst: Manchmal wirkt es so, als hätten Dinge die Kontrolle über unser Leben und nicht umgekehrt. Durch bewusstes Ausmisten holst du dir die Macht über deine Wohnung und dein Leben zurück.

Mit unserem Zuhause sortieren wir auch unseren Kopf. Beim Ausmisten können wir ebenso in Erinnerungen schwelgen, wie auch Ballast loslassen. So schaffen wir Raum für mehr Klarheit. Zu viel herumfliegende Dinge in der Wohnung sehen Psycholog:innen als Symptom von mentalem Unwohlsein. Wer Ordnung in sein Zuhause bringt, bringt auch Ordnung in sein Gefühlsleben.

So gewinnst du die Kontrolle zurück: Aussortieren hilft den Kopf frei zu kriegen
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Es ist ok, dass es nicht ok ist

Blaise Pascal, ein französischer Mathematiker soll den schönen Satz gesagt haben: „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen.“ Den Satz hat wahrscheinlich jeder schon mal in seinem Leben unterstreichen können, die Frage ist nur wie du damit umgehst, wenn es mal anders läuft als gedacht.

Mach dir bewusst, dass es vollkommen ok ist, wenn es mal nicht ok ist – denn auch das geht irgendwann vorbei. Dazu raten auch die Glücksforscher von der Universität in Berkeley. Denn das Einzige, was sich ändern, wenn wir uns ärgern, ist unsere Laune.

Einfach mal locker bleiben

Der einfachste Weg, um die Kontrolle über dein Leben zu behalten? Älter werden. Denn ältere Menschen sind meist glücklichere als Junge. Das hat einen einfachen Grund: Sie wissen, dass auch die größte Krise, der schlimmste Liebeskummer und der schlechteste Job irgendwann vorüber sind. Ihre Lebenserfahrung sorgt für eine gesunde Gelassenheit.

Außerdem haben sie oft viele schöne Erinnerungen gesammelt, die ihnen Halt geben. Zwischen 50 und 60 Jahren scheinen Menschen am optimistischsten zu sein. Mit der Aussicht, dass es aufwärtsgehen wird, lässt sich so manche Durststrecke leichter überstehen.

Aus der Kajüte auf die Kommandobrücke

Manche Menschen glauben, dass ihre Handlungen nichts bewirken. Psycholog:innen nennen das erlernte Hilflosigkeit. Was du dagegen tun kannst? Mach dir deine Erfolge und Talente bewusst.

Wenn du magst, kannst du auch stattdessen oder zusätzlich zu deiner To-do-Liste eine Done-Liste führen. Auf ihr stehen all die Aufgaben und Erfolge, die du in einem bestimmten Zeitraum gemeistert hast. Sie führen dir vor Augen, was du in deinem Leben aus eigener Kraft erreicht hast, und wie deine Taten den Verlauf der Dinge beeinflusst haben. Dieses Gefühl, etwas bewegen zu können, nennen Psycholog:innen Selbstwirksamkeit. Sie kann dir dabei helfen, auf der Kommandobrücke zu stehen, statt alles in der „inneren Kajüte“ zu verschlafen.

Bye bye, Multitasking

Wenn wir uns zwischen verschiedenen Aufgaben hin und her treiben lassen, fehlt uns manchmal das Gefühl, die Lage im Griff zu haben. Wenn du achtsam eine Aufgabe nach der anderen  bearbeitest, wirst du dich schneller wieder als Herr:in der Situation fühlen.

Studierende, die viele Aufgaben gleichzeitig machen und beispielsweise YouTube-Videos während des Lernens schauen, sind einer Studie nach unzufriedener als ihre Kommiliton:innen, die sich auf eine Sache konzentrierten. Denn wenn du deine Aufmerksamkeit von Aufgabe zu Aufgabe treiben lässt, dann bist nicht du der Boss – sondern die Aufgaben sagen, wo es lang geht. Gönn´ dir Zeiten, in denen das Mail-Postfach abgeschaltet ist und du dich wirklich ganz bewusst auf eine einzige Aufgabe konzentrierst. So wirst du nicht nur schneller damit fertig, sondern fühlst dich auch schon währenddessen viel besser.

So gewinnst du die Kontrolle zurück: Statt Multitasking tut es gut, sich nur auf eine Sache zu konzentriert
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Nathan Dumlao

Futter für ein glückliches Gehirn

Eine Fortbildung, ein gutes Buch oder ein Kurs, in dem Du neue Dinge lernst, sind Investitionen in Dein zukünftiges Ich. Stelle Dir die Fragen: „Was will ich können?“, „Welche Fähigkeit könnten mir beim Lösen meiner Probleme helfen?“ Lernen verbessert sofort unsere Laune und auf lange Sicht auch insgesamt unsere Lebenszufriedenheit. Schließlich kann uns eine gute Ausbildung ebenso wie auf anderem Weg erworbene Fähigkeiten im Leben weiterbringe.

Routinen für produktive Tage

Falls du von zuhause aus arbeitest, kennst du das Problem: Wenn du quasi in deinem Büro wohnst, verschwimmen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit schnell. Den einen oder die andere könnte das dazu verleiten, statt zum Job zu Pendeln, länger zu schlafen und mit dem Laptop im Bett zu arbeiten. Für ein paar Tage ist das sicher kein Problem, doch auf Dauer schadet das deiner Motivation und deiner Produktivität.

Wer sich morgens ganz normal fertig macht, als würde es gleich ins Büro gehen, startet bewusster in seinen Arbeitstag. Doch genauso wichtig, wie der gute Start in den Tag ist das Ende des Tags. Denn Studien zufolge arbeiten viele Menschen im Homeoffice mehr als im Büro. So dauert ein durchschnittlicher Arbeitstag unter Pandemiebedingungen den Forschenden zufolge 48,5 Minuten länger. Damit deine Freizeit und deine Erholung nicht leiden, kannst du denselben Trick anwenden wie morgens: Stell dir einen Wecker – und Feierabend. Und dann darf auch die Jogginghose wieder aus dem Schrank krabbeln.

Das Leben ist nicht immer rosarot. Da kann man schon mal das Gefühl bekommen, dass einem die Kontrolle entgleitet. Das passiert uns allen immer mal wieder. Zu akzeptieren, dass es nicht immer rund laufen muss, ist der erste Schritt zurück zur Kontrolle. Also: Auf geht’s.

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