weltverbesserer Leben Raus aus der Komfortzone − so stellst du dich Neuerungen

Raus aus der Komfortzone − so stellst du dich Neuerungen

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Im Moment sind wir mit unangenehmen Neuerungen konfrontiert, die wir uns selbst nicht ausgesucht haben. Sars-CoV-2 und die Folgen zwingen uns dazu, ganz neue Wege im Zusammenleben und im gesamten Alltag zu gehen. Aber was wäre, wenn wir uns aus freier Entscheidung heraus Schritt für Schritt aus unserer Komfortzone hinausbewegen? Wenn wir gezielt wählen, was wir ändern wollen?

Hand auf’s Herz. Einen großen Teil unseres Lebens verbringen wir innerhalb unserer Komfortzone. Das ist der Bereich im Privatleben, in dem man sich sicher fühlt, sich frei von Zwängen bewegen und ohne ein Risiko zu befürchten agieren kann. Daran ist erst einmal nichts verkehrt, schließlich erlaubt uns das, uns auf die Dinge zu fokussieren, die vom Gewohnten abweichen und unsere Aufmerksamkeit verlangen.

Innerhalb unserer Komfortzone liegt das, womit wir uns wohl fühlen; außerhalb liegt all das, was uns unangenehm ist, was uns Angst macht, was wir vermeiden wollen. Und deshalb bewegen wir uns (fast) ausschließlich innerhalb unserer Komfortzone. Für jeden Menschen ist diese Komfortzone anders. Aber, ob wir uns dessen bewusst sind oder nicht: Unsere Komfortzone beeinflusst, was wir tun und was wir nicht tun.

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Die Vorteile der Komfortzone

Sobald wir die angenehme Zone verlassen, steigt unser Stresspegel. Der Boden, auf dem wir uns bewegen, wird sprichwörtlich unsicher − wir wissen nicht, ob er trägt. Deshalb machen wir häufig schon deutlich vor den Grenzen unserer Komfortzone Halt.

Solange wir im Bereich des Gewohnten bleiben, gibt es wenig Überraschungen. Das hat durchaus Vorteile: Wer will schon unangenehme Überraschungen erleben? Andererseits gibt es so auch weniger positive Überraschungen. Unser Leben bleibt, wie es ist, wir gehen kein Risiko ein. Letztlich entwickeln wir uns auf diese Weise aber auch nicht weiter.

So erweiterst du deine Komfortzone

Wenn du deine Komfortzone erweitern willst, musst du sie und ihre Vorteile nicht aufgeben. Schon mit kleinen, regelmäßigen Schritten kannst du die Grenzen dessen, was dir angenehm ist, immer wieder nach außen verschieben. Wie das geht? Indem du einige Zeit lang täglich eine Sache tust, die deine Komfortzone ein wenig ausdehnt.

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Übung: 30 Tage über sich hinauswachsen

Unsere Anregung: Nimm dir vor, die nächsten 30 Tage jeden Tag eine Sache zu tun, die du ungern machst, die du normalerweise vermeidest. Nach drei Wochen kannst du dich auch an Tätigkeiten wagen, vor denen du dich eigentlich fürchtest. Hier einige Beispiele:

  • Wenn du bei deinem Lieblingsitaliener immer das gleiche Gericht isst, bestell beim nächsten Mal etwas ganz anderes.
  • Mach einen unangenehmen Anruf, den du schon lange hinausgeschoben hast.
  • Bitte jemanden um Hilfe.
  • Leiste dir etwas, was du dir normalerweise nicht leisten würdest.
  • Sprich bei einem Kollegen oder Freund etwas an, was dich schon lange stört.
  • Sag einmal Nein, wenn dich jemand um einen Gefallen bittet.
  • Such dir eine Gelegenheit und sprich vor einer größeren Menge Menschen (falls du in Meetings selten etwas sagst, bereite dich aufs nächste vor und bringe eine Idee ein, gib Feedback oder mach einen anderen Redebeitrag).
  • Nimm einmal einen anderen Weg zur Arbeit (wenn du normalerweise mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln fährst, geh einmal zu Fuß).
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Am besten machst du dir gleich eine Liste mit fünf bis zehn Aktivitäten, die dir wichtig sind, die du gern tun würdest, die dir aber unangenehm sind oder an die du dich nicht herantraust. Dann entscheidest du dich jeden Abend, welche der Aktivitäten du am nächsten Tag anpacken willst. Und dann tust du’s einfach.

Und wenn du es einen Tag mal vergessen hast oder der Schritt doch zu groß war, dann gib nicht auf, sondern mach am nächsten Tag weiter.

Unsere Empfehlung: Mach dir am Ende der Woche eine Liste für die nächsten sieben Tage, damit du gar nicht mehr erst überlegen musst, was du am jeweiligen Tag angehen willst.

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Zusammen geht es leichter

Hol dir auch Unterstützung von außen. Wie wäre es, wenn du zwei, drei Freunde animierst, mit dir diesen Monat die Komfortzone zu erweitern. Dann könnt ihr euch täglich oder alle paar Tage erzählen, was ihr euch getraut habt.

Achtet aber darauf, dass daraus kein Wettbewerb entsteht, wer das Verrückteste oder Gefährlichste wagt. Es geht darum, dass du deine Komfortzone erweiterst − die Komfortzone deiner Freunde ist wahrscheinlich ganz anders als deine eigene.

Wahrnehmung ist individuell

Vor allem geht es nicht um eine Mutprobe. Sondern darum, Dinge zu tun, die du – eigentlich – gerne tun würdest, die du aber – noch – lieber vermeidest, weil sie dir unangenehm sind.

Aufgaben, die sich gut für den Anfang eignen, liegen auf der Vermeidungsskala zwischen 2 und 5. Die Skala reicht von 0 (= Ist kein Problem, mach ich sofort) bis hin zur 10 (= Da kriege ich einen Herzinfarkt“). Eine 2 bedeutet „kann das nicht jemand anderes machen?“, die 5 steht für „nein, auf keinen Fall“.

Grafik: Franz Grieser

Von der Wachstums- und der Panikzone

Nach den erfolgreichen Schritten, die sich zum Erweitern der Komfortzone gut eignen, kommst du in die Wachstumszone. In dieser Zone lernst du dazu, hier dehnst du dich aus. Wenn du den Schritt, als das was dir unangenehm ist, zu groß wählst, landest du in oder kurz wieder vor der Panikzone. Dann ist die natürliche Reaktion die Flucht zurück in die für dich sichere Komfortzone. Das Resultat ist nicht Wachstum, sondern Stress, Ärger, Unzufriedenheit.

Deshalb: Wähle die Schritte, um deine Komfortzone zu erweitern so aus, dass du in der Wachstumszone landest. Also bestelle bei deinem Lieblingsrestaurant zum Beispiel etwas Unbekanntes und lerne, wie viel Spaß es macht neue Dinge zu testen.

Du wirst feststellen, dass du die Komfortzone auf diese Weise immer mehr erweiterst, ebenso erweiterst du die Wachstumszone. Und schließlich werden die Aufgaben, die am Anfang noch in der Panikzone lagen (also jenseits der 5 auf der Vermeidungsskala), an Bedrohlichkeit verlieren – und nur noch einen kleinen Schritt erfordern.

Grafik: Franz Grieser

Wahrnehmen und handeln

Doch auch wenn die Versuchung groß ist: Die Regel „Augen zu und durch“ − das ist keine gute Idee. Bevor du tust, was du dir für diesen Tag vorgenommen hast, atme durch und spür in dich hinein. Wie fühlt es sich gerade an? Nimm das wahr. Atme noch einmal durch …

Und dann tu, was immer du dir vorgenommen hast. Wenn es dir hilft, zähle von 5 rückwärts bis 0 herunter, und dann tu es. Auf diese Weise ist es eine bewusste Entscheidung. Eine bewusste Entscheidung, das zu tun, was du dir vorgenommen hast. Und eine bewusste Entscheidung für dich und dein inneres Wachstum.

Und hinterher nimmst du dir wieder Zeit, um nachzuspüren, wie es dir jetzt geht. Genieß das Gefühl, und nimm es mit in den Rest des Tages.

Dadurch, dass du dir Zeit nimmst, wahrzunehmen, wie es sich anfühlt, vertiefst du die Erfahrung. So wirkt das Ganze besser und beim nächsten Versuch geht es schon leichter. Den meisten geht es bei dieser Übung in den ersten Tagen übrigens so, dass sie sich schon lange nicht mehr so lebendig gefühlt haben wie nach den ersten Schritten in ihrer Wachstumszone.

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