weltverbesserer Machen Rassismus in der Schule beenden: Mit „Respekt Coaches“ zu einem gesunden Miteinander

Rassismus in der Schule beenden: Mit „Respekt Coaches“ zu einem gesunden Miteinander

Foto: jacoblund / istock.com

Laut der PISA-Studie 2018 sind sechs Prozent der 15-Jährigen in Deutschland regelmäßig Opfer von Mobbing an der Schule. Das mag auch daran liegen, dass es an vielen Schule hierzulande Probleme mit Ausgrenzung und sogar Rassismus gibt. Dort setzen die Respekt Coaches an. Sie wollen Rassismus in der Schule beenden.

Gesellschaftliche Themen spiegeln sich im Klassenzimmer wider, und wenn sie nicht früh angesprochen werden, könnten sie später im Erwachsenenalter zu Problemen führen. Diese gibt es bereits: Im Jahr 2020 belief sich der Anteil der Befragten, die ausländerfeindlichen Aussagen zustimmten, auf 16,5 Prozent. Laut Angaben des BMI gab es in Deutschland im Jahr 2019 rund 32.000 Rechtsextremisten, davon waren mehr die Hälfte gewaltorientierte Personen. Bei einem Ausländeranteil von 12,7 Prozent im Jahr 2020 sind das nicht zu unterschätzende Zahlen.

Um nachhaltig in der Gesellschaft etwas zu bewirken und der negativen Spirale entgegenzusteuern, beginnt man am besten bei den Jüngsten. Deshalb hat die Bundesregierung ein Präventionsprogramm ins Leben gerufen und finanziert bundesweit 260 „Respekt Coaches“. Anfang 2021 waren sie an rund 190 Standorte und an 351 Kooperationsschulen tätig. Ihre Aufgabe besteht darin, das Bewusstsein der Schüler:innen für Themen wie Extremismus, Rassismus in der Schule und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit zu schärfen. Darüber hinaus unterstützen die Anti-Mobbing-Profis Schulen dabei, Hass und Gewalt gegenüber Andersgläubigen einzudämmen.

Symboldbild für Rassismus in der Schule beenden Mann trägt schwarzes Shirt mit RESPECT Aufschrift vor Blätterwand
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Tiago Felipe Ferreira

Reden bringt Respekt

Das Bundesmodellprogramm „Respekt Coaches/ Anti-Mobbing-Profis“ wird durch pädagogische Fachkräfte der Jugendmigrationsdienste (JMD) an allgemeinbildenden und beruflichen Schulen umgesetzt. Der Startschuss für ihre Arbeit war 2018, als die ersten 60 Sozialarbeiter:innen geschult wurden. Seither haben sie mit ihrer Arbeit mehr als 126.000 Schüler:innen erreicht. Unter dem Motto „Lass uns reden! Reden bringt Respekt“ helfen sie Teenagern, unterschiedliche Lebensweisen, Weltanschauungen oder Religionen besser zu verstehen und zeigen ihnen, wie man Räume für einen offenen Dialog schaffen kann. Die bereits bestehende jährliche Förderung für das Projekt beläuft sich auf 21 Millionen Euro. Bis 2024 stehen zusätzliche Fördermittel in Höhe von 15 Millionen Euro pro Jahr bereit. Es ist eine Investition in die Jugend, die lebensverändernd sein kann, weiß Bundesjugendministerin Dr. Franziska Giffey: „Mobbing geht an niemandem spurlos vorbei und kann schlimme Folgen haben: von der Schulverweigerung bis hin zum Selbstmord.“

Symbolbild Rassismus in der Schule beenden vier Hände, die aufeinanderliegen als Symbol für ein gemeinsames Miteinander
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Schüler:innen stärken heißt die Gemeinschaft stärken

Die Respekt Coaches sollen eingreifen, aber vor allem präventiv arbeiten. Bei so vielen Identitäten und kulturelle Hintergründe an den Schulen haben sie genug zu tun. Wertschätzung und Respekt wollen gelernt sein. Für den Erfolg Ihrer Arbeit ist es wichtig, auf die Lebensrealität der Jugendlichen einzugehen, zu schauen, wo der Schuh drückt. Dafür ist im normalen Unterricht keine Zeit.

Als Hauptthemenfelder haben sich bei der Arbeit der Respect Coaches gegen Rassismus an der Schule, religiöses Mobbing, der Abbau von Vorurteilen sowie die Stärkung von Toleranz und Demokratieverständnis herauskristallisiert. Gefördert wird ebenfalls der Ausbau der sozialen Kompetenz und der Selbstwirksamkeit. Im Präventionsprogramm geht es darum, zu lernen, unterschiedliche Meinungen zu akzeptieren, Position zu beziehen sowie gewaltfrei zu argumentieren. Respektvoll miteinander umzugehen und unterschiedliche Auffassungen auszuhalten sind Eigenschaften, die ihnen später auch im Berufsleben zugutekommen. Das gilt auch für die Entwicklung interkultureller und interreligiöser Kompetenzen.

Das Angebot wird von den Jugendlichen gut angenommen, auch weil die Coaches Impulse von außen bringen. Nicht nur das Klassenklima wird verbessert – das Aufzeigen von Lebensperspektiven stabilisiert die jungen Menschen und ist damit ein wichtiger Schutz vor Radikalisierung. Sicherlich ist es von Vorteil, dass beim Bekämpfen von Rassismus in der Schule ganz unterschiedliche, spannende Methoden angewendet werden. Unter anderem entstehen kreative Theaterprojekte, RAP-AGs oder sogar Filmworkshops.

Symbolbild für Rassismus an der Schule beenden - aus Blüten und Pflanzenelementen zusammengelegtes Wort PEACE auf einer Fläche
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Disha Sheta

Rassismus in der Schule – mit Respekt Coaches keine Chance

Maryam Tiouri, eine der der Anti-Mobbing-Profis, hat Erfolgsmomente, wenn sie merkt, dass sie bestimmte Vorstellungen irritieren kann – sowohl bei den Schüler:innen als auch bei den Projektpartner:innen.

Für den Erfolg sprechen auch die Ergebnisse der zweijährigen wissenschaftlichen Begleitung durch das Institut für berufliche Bildung, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik und das Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung. Sie zeigen, dass das Programm wirkt und sich mehr als 80 Prozent der Schulen solche Fachleute als feste Einrichtungen wünschen. Je länger die Coaches in einer Schule aktiv sind, umso größer ist ihr Einfluss auf das respektvolle Miteinander der Schülerinnen und Schüler untereinander.

Symbolbild Rassismus in der Schule beenden Mädchen schreibt am Sitzpult in der Schule mit rotem Filzstift "Stop bullying" auf einen Schreibblock
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„Gemeinsam Klasse sein!“

Gegen Rassismus in der Schule setzt sich auch die Techniker Krankenkasse (TK) ein. Seit 2010 hat sie sich zur Aufgabe gemacht, gezielt gegen schulisches Mobbing vorzugehen. Mit dem Präventionsprogramm „Gemeinsam Klasse sein“, welches nun auch digital verfügbar ist, sollen Jugendliche sowie Eltern und Lehrende mittels Erklär-Videos, Filmclips, Rollenspielen und Interaktionsübungen für die besonderen Merkmale von Mobbing sensibilisiert werden und ein Handlungsrepertoire entwickeln. Seit dem Start der Initiative in Rheinland-Pfalz wurden 900 Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter für die Durchführung des TK-Präventionsprogrammes ausgebildet. Somit führt die TK ihre langjährige, erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Partner:innen des Vorgängerprogramms „Mobbingfreie Schule – gemeinsam Klasse sein!“ fort. Bei dessen Umsetzung wurden rund 1.000 sogenannte „Anti-Mobbing-Koffer“ mit Lehrmaterial zum Thema in Verbindung mit Fortbildungen an Schulen verteilt.

Ein gesundes Miteinander stärkt die Persönlichkeit

Eine nachhaltige Gesellschaft basiert auf Respekt, Akzeptanz und ein Gefühl des Miteinanders. Das Präventionsprogramm Respekt Coaches macht demokratische Werte für junge Menschen erlebbar, stärkt sie in ihrer Persönlichkeit und schafft gleichzeitig die Grundlage für eine tolerante Gesellschaft von morgen. Zusammen kann man eben immer was Neues lernen.