weltverbesserer Wissen Neues Arbeiten: „Wir müssen unsere Welt ganz anders denken.“

Neues Arbeiten: „Wir müssen unsere Welt ganz anders denken.“

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Ehimetalor Akhere Unuabona

Ein Interview mit TK-Vorstandsmitglied Karen Walkenhorst über das neue Arbeiten.

Morgens zur U-Bahn hechten, mittags mit dem Tablett in der Kantinenschlange stehen, im Nachmittagsmeeting zum Gebäckteller greifen. Für viele erscheint dieses Arbeiten mit allen Eigenheiten und ständig wiederkehrenden Ritualen wie aus einer anderen Zeit. Dabei ist das gerade mal ein Jahr her. Stattdessen wird jetzt oft zum Tablet statt zum Tablett gegriffen und wenn wir hechten, dann vom heimischen Schreibtisch ins Kinderzimmer.

Corona hat für viele die gewohnte Arbeitswelt urplötzlich und radikal verändert und wie ein Turbo das digitale Arbeiten beschleunigt. Das ist kein temporärer Ausnahmezustand von der Normalität – das ist die neue Normalität und für viele Unternehmen wird sie es auch zukünftig sein.

Doch wie wird sich dadurch die Arbeitskultur gerade in großen Unternehmen verändern, und welche Chancen und Herausforderungen ergeben sich daraus? Das wollten wir von Karen Walkenhorst, Mitglied des TK-Vorstands und verantwortlich für den Personalbereich, wissen.

Portrait Fotografie der TK Vorständin und Interview Partnerin Frau Walkenhorst
Foto: tk.de Mediathek Pressefoto Karen Walkenhorst

Frau Walkenhorst, gibt es etwas, das Sie vor einem Jahr noch für undenkbar gehalten hätten?

Ja, vor allem die Schnelligkeit und vor allem die Tiefe, mit der wir das Thema Homeoffice umsetzen. Damit hätte ich so auch nicht gerechnet. Wir haben zwar schon vor gut zwei Jahren das Pilotprojekt „FlexOffice“ ins Leben gerufen, um Homeoffice auch in der TK möglich zu machen, aber diese Testphase wurde durch Corona komplett überholt.

Und das ist ja nur ein kleines Beispiel aus unserer eigenen TK-Welt. Ich sehe das Thema „Transformationsgeschwindigkeit“ da weitaus größer. Wir müssen unsere Welt ganz anderes denken. Wir stellen fest, dass es so nicht mehr länger weitergehen kann und die Lehre aus Corona lautet: Wir können etwas ändern. Dabei läuft nicht immer alles rund und es gehören auch Rückschläge dazu, aber wir können in der Demokratie und in der Gesellschaft solche Entscheidungen treffen und Verantwortung füreinander und für unsere Gesundheit übernehmen.

Das sehen wir daran, wie schnell die Politik Entscheidungen getroffen hat und die meisten Menschen diese Entscheidungen auch mitgetragen haben. Was dort möglich ist, wenn es um Gesundheit geht. All das ist für mich auch ein positiver Effekt.

Was ist ihre persönlich wichtigste Erkenntnis aus dem letzten Jahr?

Mir ist nochmal sehr bewusst geworden, wie wichtig uns die menschlichen Kontakte sind. Das habe ich auch in den Gesprächen mit Kolleg:innen festgestellt.

Nicht den materiellen Konsum oder Reisen, sondern Familie und Freunde und auch den persönlichen Austausch im Büro brauchen wir eigentlich am meisten. Diesen Verlust gespürt zu haben und ihn dadurch gleichzeitig wertschätzen zu können, das ist für mich ein großer Gewinn.

Modernes Arbeiten Mann arbeiter an einem Tablet auf einem zusammensteckbarem Holztisch der auf einem roten Teppich steht
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Standsome Worklifestyle

Haben Sie ein paar konkrete Beispiele, wie sich die Arbeitswelt der Techniker Krankenkasse gerade verändert und wie sie sich weiter verändern wird?

Die größte Veränderung aktuell ist das Thema Homeoffice, also die Flexibilität in Bezug auf den Arbeitsort. Ein Großteil der TK-Mitarbeiter:innen arbeitet aktuell im Corona-Homeoffice, das verändert die Zusammenarbeit. Es ist einfach nicht dasselbe, wie gemeinsam im Büro zu sitzen.

Und wenn Corona vorbei ist, werden wir auch nicht mehr alle immer im Büro sein. Wir führen dann in der TK das „FlexOffice“ ein. Die Erfahrung aus dem Pilotprojekt zeigt, dass circa 70 Prozent der Kollegen im Homeoffice arbeiten werden. Das heißt, wir werden wahrscheinlich die Situation haben, dass nicht mehr alle gleichzeitig da sind. Wenn, dann finden Treffen künftig eher auf Verabredung statt.

Das ist das, was die Arbeitswelt mit Corona heute schon massiv verändert, was aber auch nach der Pandemie bleiben wird. Das ist die neue Normalität, denn es wird kein Zurück geben.  

Lies dazu auch: Wie du stressfreier durch die neue Arbeitswelt kommst

Wo liegen aktuell die größten Hürden und wo die größten Chancen einer veränderten Arbeitswelt?

Ich definiere das eher als Herausforderung. Dadurch, dass ein Teil der Kolleg:innen im Homeoffice ist, verändern wir ja die Arbeitsbedingungen und die Arbeitsorganisation. Die Herausforderung, die wir dabei alle gemeinsam vor uns haben, ist, die gute Arbeitskultur in die neue Arbeitswelt zu transformieren.

Dafür brauchen wir auf jeden Fall neue Spielregeln. Die Abstimmung untereinander wird dabei enorm wichtig sein, um einen Alltag zu erschaffen und die gute Arbeitskultur mit in die neue Arbeitsweise zu übernehmen. Einen ausgewogenen Umgang zwischen virtueller Kommunikation und persönlichem Austausch zu finden ist eines unserer Ziele.

TK Leistung Anti-Stresscoaching Arbeiten Stress

Welche Herausforderungen und Skills sind dafür bei Mitarbeiter:innen und Führungskräften gefragt?

Da würde ich gerne zwei Antworten geben. Einmal verändert sich durch Homeoffice ganz viel in der Zusammenarbeit. Und damit ändert sich auch ganz viel für die Führungskräfte. Führen in Remote beinhaltet ja noch mal ganz andere Anforderungen. Nämlich die Schwingungen, die Vibrations mitzubekommen. Das ist gerade in der Führung wichtig.

Fragen wie „Wie geht es einem eigentlich jetzt gerade?“, „Vereinsamt jemand Zuhause, der gerade zu hundert Prozent Homeoffice macht?“ – das virtuell mitzubekommen ist eine Kunst. All die Dinge, die man sonst so auf dem Flur oder zwischen Tür und Angel mitbekommt, fallen ja jetzt weg. Da brauchen wir eine neue Form der Achtsamkeit.

Die zweite fundamentale Herausforderung steckt in der Digitalisierung selber: alles wird komplexer und schnelllebiger. Wir sprechen hier ja über die sogenannte VUCA World (steht für: volatility (Unbeständigkeit), uncertainty  (Unsicherheit), complexity (Komplexität) und ambiguity (Mehrdeutigkeit)). Da brauchen wir ein neues Denken im Unternehmen und keine starren Strukturen und Hierarchien. Darum haben wir schon vor Corona ein neues Führungsleitbild definiert. Führen auf Augenhöhe. Vertrauen und Zutrauen sind hier die Stichworte, um die es geht. Das verändert natürlich die Skills, die die Führungskräfte jetzt brauchen.

Beispielsweise das „loslassen können“. Daran arbeiten wir bei der TK zum Glück schon seit Jahren und gehen jetzt noch einen Schritt weiter. Sprich, wir gehen über zu mehr Eigenverantwortung der einzelnen Teammitglieder und zu mehr Selbstorganisation.

Schwarzes Plakat mit rotem Schriftzug Change is coming, wether you like it or not
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Markus Spiske

Stichwort Purpose – welche Rolle spielt die Frage nach dem Sinn bei der Arbeit?

Die Frage nach dem Sinn dahinter heißt auch, Dinge zu hinterfragen, zu verändern, zu verbessern und innovativ zu sein. Diese ständige Suche nach der besseren Lösung und das ständige Lernen, das sind ja alles Dinge, die in der DNA der TK bereits angelegt sind.

Heute gehört es ja für jedes Unternehmen dazu, sich einen Purpose, also einen Sinn, als Aushängeschild zu suchen. Teilweise sehe ich das schon als Marketing-Maßnahme.

Dabei glaube ich aber auch, dass jeder Mensch – auch in der TK – einen Sinn in dem sehen sollte, was er tut. Dazu gehört natürlich im ersten Schritt die Reflektion, also, dass ich mich selber frage: warum bin ich hier, wo ich bin? Warum tue ich das, was ich tue?

Die TK hat aber noch einen grundsätzlichen, höheren Purpose, nämlich den gesellschaftlichen. Wir sind ein Teil von Deutschlands Sozialpolitik. Damit stehen wir für eine gute, bezahlbare Krankenversorgung und dafür, dass alle Menschen gut versorgt werden, unabhängig von Einkommen oder Status. Das gibt unserem Unternehmen einen immens hohen Sinn.

Weißer Pfeil auf Betonboden mit den Füßen eines Mannes am Anfang des Pfeils
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Smart

Gibt es etwas, worauf Sie sich in der neuen Arbeitswelt freuen, was fasziniert Sie an den kommenden Veränderungen?

Ich bin grundsätzlich ein offener und neugieriger Mensch. Und ich bin gespannt, wie sich unsere Gesellschaft dadurch verändern wird.

Ich sehe aber auch Risiken, wie beispielsweise das Risiko einer „Zweiteilung“ der Gesellschaft. Denn fast alle Bürotätigkeiten funktionieren aus dem Homeoffice, aber in den Handwerksberufen, im Einzelhandel oder in der Pflege, wo man einfach nicht von Zuhause aus arbeiten kann, da sieht die Welt ganz anders aus.

Dennoch finde ich die Frage, wie sich die Gesellschaft entwickeln wird, hochspannend. Wie wird sich beispielsweise die Architektur verändern, wie werden Bürogebäude künftig aussehen? Das sind auch Fragen, an denen wir in der TK mit Hochdruck arbeiten. Zum Beispiel, indem wir unsere Büroräume gerade komplett neu denken und gestalten. 

Aber auch solche Fragen: Wie werden sich Städte verändern? Wird das Thema Wohnen anders werden? Werden die Menschen wieder mehr auf dem Land leben, einfach weil man von Zuhause aus arbeiten kann?

Auf all diese Fragen gibt es noch keine klaren Antworten, aber ich bin sehr neugierig auf sie.

Arbeiten im Home Office Junger Mann mit Earphones und Cap sitzt zu Hause am Schreibtisch und arbeitet am Laptop
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Bojitha Wimalasiri

Eine letzte Frage: Wenn Sie ein Bewerber fragen würde: „Warum sollte ich zur TK kommen?“, was wäre ihre Antwort?

Neben der einfachen Tatsache bei der Sozialversicherung und dem Marktführer zu arbeiten, ist die Arbeit bei der TK vor allem deshalb so spannend und großartig, weil hier so viele hochkompetente und sehr engagierte Kolleg:innen arbeiten. Und das in einer wirklich sehr guten Arbeitskultur. Dass macht einfach Spaß. Es entsteht ständig etwas Neues, es gibt immer neue Ideen, es wird einfach nie langweilig. Und wenn ich eine Frage habe, dann finde ich bei der TK immer jemanden, der mir eine Antwort geben kann. Das genieße ich seit mehr als 20 Jahren, die ich bei der TK arbeite.

Vielen Dank für das Gespräch Frau Walkenhorst

Karen Walkenhorst, 55, ist Mitglied des Vorstands der Techniker Krankenkasse (TK). Sie verantwortet die Bereiche Personal, Mitgliedschaft und Beiträge sowie Markt und Kunde.