weltverbesserer Leben Mobilitätswende: Muss man das Rad neu erfinden?

Mobilitätswende: Muss man das Rad neu erfinden?

Foto: Swapfiets

Kopenhagen? Münster? Freiburg? Na, klingelt das was? Richtig: Das Fahrrad! In diesen Städten setzen Verkehrsplaner schon lange auf die Leichtigkeit des Leerlaufs satt auf träge Blechlawinen, um die Innenstädte lebenswerter zu machen. Auch in anderen Städten gehört der gute alte Drahtesel mittlerweile ins Zentrum – eines jeden visionären Verkehrskonzeptes. Und dafür gibt es gute Gründe. Das Rad neu erfinden, muss man dafür nicht. Wir haben mit André Illmer, dem Geschäftsführer von Swapfiets Deutschland über das neue alte Fortbewegungsmittel der Zukunft gesprochen.

In Ballungsgebieten könnten rund 30 Prozent aller Autofahrten durch das Rad ersetzt werden – schätzen Experten (Quelle: Umweltbundesamt). Dass es auch funktionieren könnte, zeigte das letzte Jahr, als in Hamburg und Berlin plötzlich jede Menge Pop-up Radwege auf den Hauptverkehrsachsen sprießten.

Was der Wechsel vom Auto zum Rad für Mensch und Umwelt bringt, belegen eindrucksvolle Zahlen. So ergab eine Langzeitstudie der Cambridge University, dass Menschen, die täglich mit dem Auto zur Arbeit fahren eine 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit auf einen frühen Tod haben, als jene, die per Pedale pendeln. Forscher mehrerer Universitäten fanden in einer gemeinsamen Studie außerdem heraus, dass Radfahrer auf dem Weg zur Arbeit 10 Mal mehr CO2 Emissionen einsparen – als Fahrer von E-Autos.

Für die Gesundheit und die Umwelt scheint es also kein besseres Fortbewegungsmittel zu geben. Doch wie sieht die Fahrradbegeisterung bei den Deutschen denn im Jahr 2021 aus? Die gute Nachricht: So groß wie noch nie. 44 Prozent benutzen das Fahrrad regelmäßig. Und in einer aktuellen Umfrage des „Corona-Befragung des Fahrrad-Monitors 2020“ gaben 25 Prozent der Menschen in Deutschland an, aktuell deutlich bzw. etwas häufiger Rad zu fahren.

Wer braucht in der Stadt heute also noch Motoren um von A nach B zu kommen? Reichen nicht zwei Räder und ein Lenker Herr Illmer?

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Das Rad neu erfinden - haben die  drei Gründer von Swapfiets in einer Lagerhalle und Werkstatt des Leihradanbieters nicht, aber eine gute Idee ist leihen statt kaufen
Die Gründer von Swapfiets: Dirk de Bruijn, Martijn Obers & Richard Burger. Foto: Swapfiets

Was verbirgt sich hinter dem Namen „Swapfiets“?

Genau das was Swapfiets ausmacht, nämlich die Kombination aus dem englischen Wort „Swap“ (dt. tauschen) und dem holländischen Wort „fiets“ (dt. Fahrrad). Das ‘Tauschrad’ wird ausgetauscht, sollte es nicht innerhalb von 10 Minuten reparierbar sein. Dieser Service ist die Grundidee des weltweit ersten Fahrrad-Abos, bei dem jedes Mitglied sein eigenes, sozusagen „immer funktionierendes Fahrrad“ erhält.

Mehr Menschen aufs Rad zu bringen bedeutet auch weniger Autos in den Innenstädten, ist das euer Beitrag gegen den Klimawandel?

Genau. Doch ist das nicht direkt unser Beitrag gegen den Klimawandel, sondern in der Tat der Beitrag unserer Swapfiets-Mitglieder und so ziemlich aller Fahrradfahrer, die ganz bewusst auf eine Autofahrt verzichten. Das unterstützen wir.

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Ihr schreibt auf eurer Webseite: „Es geht vielmehr darum, sich einer Gruppe Gleichgesinnter anzuschließen, die an das Gute glauben.“ Fahren in der Swapfiets Vision künftig in Deutschlands Städten alle mit dem Rad?

Das wäre natürlich wunderbar, aber scheint selbst uns etwas unrealistisch. Vielmehr glauben wir, dass die Mobilität in Zukunft vielfältiger wird und das in Privatbesitz befindliche Auto in den Hintergrund rückt. Es gibt so viele tolle Alternativen. Wir halten auch schlaue Lösungen in Form von Mikromobilität für sinnvolle Alternativen, vor allem wenn es um E-Mobilität geht, die auch die Randgebiete von Großstädten zum Beispiel durch kraftvolle E-Bikes oder E-Scooter mit der Innenstadt verbinden. Deshalb bieten wir mittlerweile auch E-Mobilität im Monatsabo.

Wie sieht die Stadt der Zukunft für Euch aus?

Die Stadt der Zukunft ist eine lebenswertere Stadt, die grüner, gesünder, sicherer und sozialer ist als die heutigen Städte. Wir stellen uns Städte vor, in denen Technologie nicht um ihrer selbst willen dominiert, sondern Menschen befähigt, im Alltag unterstützt und allen Menschen Chancen bietet. Wir glauben die Städte der Zukunft müssen grüner und gesünder werden, um für Mensch und Umwelt gleichermaßen zu funktionieren.

Das Konzept von Swapfiets gründet auf einer klassischen Geschichte. Ein paar Freunde sitzen zusammen und haben eine gute Idee. Für einen festen Betrag pro Monat erhält man ein Swapfiets-Fahrrad. Der Anbieter sorgt gleichzeitig dafür, dass das Swapfiets immer funktioniert.

Als Erkennungsmerkmal fungiert das blaue Vorderrad. Damit sieht man, welche Fahrräder von Swapfiets sind. Mehr unter:
www.swapfiets.de