weltverbesserer Machen Komplimente machen – Warum wir uns mehr wertschätzen sollten

Komplimente machen – Warum wir uns mehr wertschätzen sollten

Grafik: Weltverbesserer

„Mit bösen Worten, die man ungesagt hinunterschluckt, hat sich noch niemand den Magen verdorben“, fand der britische Staatsmann Winston Churchill. Damit wollte er die Sprache etwas friedlicher machen. Und es zeigt, wie mächtig Worte sein können, wenn man sie ausspricht oder eben nicht. In der Kommunikation können vor allem Komplimente so richtig guttun. So schreibt Mark Twain: „Von einem richtig guten Kompliment kann ich zwei Monate leben.“

Wenn wir mit Feedback rechnen, dann denken wir als erstes an die Kritik, die uns blüht. Egal ob Job, Privat oder Partnerschaft. Wir rechnen mit dem Schlechten, weil wir uns das Gute zu selten sagen. Auch online ein Phänomen: Glaubt man Rezensionen ist das Negative immer größer als das Positive. Gemeckert wird viel, gelobt eher weniger. Als Weltverbesserer meinen wir: Das muss sich ändern. Ein Plädoyer auf eine neue Kultur der Komplimente. Denn Komplimente tun gut. Jedem einzelnen und dem Miteinander.

Die Angst vor negativer Kritik liegt in unserer Natur, denn als Menschen wollen wir dazu gehören und von den anderen akzeptiert werden. Bei negativen Reaktionen nagt das ungute Gefühl an uns, dass die anderen uns ausgrenzen könnten. Ein Kompliment löst dagegen das Gegenteil: Wir fühlen uns angenommen und als wertvoller Teil der Gesellschaft.

Symbolbild für Kompliment junge Frau legt ihre linke Hand auf ihr rechtes Schlüsselbein
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Darius Bashar

Kultur der Komplimente

Forschende untersuchen seit Jahrzehnten, wie sich Komplimente von Kultur zu Kultur unterscheiden. Besonders unterscheiden sich westliche Kulturen. Hier ist Individualität ein hoher Wert. In den kollektivistischen Kulturen Asiens, zählt eher die Gemeinschaft: Im Westen scheinen Komplimente wichtiger zu sein als in Asien, wo die Menschen sich eher nach dem Wohlbefinden ihres Gegenübers erkundigen und fragen, ob er oder sie schon gegessen hat, statt ihm Komplimente zu machen.

Und in manchen Kulturen klingen Komplimente wie etwas, das hier eher eine Beleidigung wäre. So ist es in Japan beispielsweise ein gängiges Kompliment, einer Frau zu sagen, dass sie ein kleines Gesicht hat. Was für unsere Ohren gar nicht mal so nett klingt, bedeutet für eine Japanerin, dass ihr Gegenüber ihre Gesichtszüge ebenmäßig und angenehm findet. Und wenn dir jemand in Kamerun sagt, du seist ein alter Pott, sag „Danke!“, denn dann hält man dich für einen guten Koch. Ein Kompliment zu bekommen und es zu verstehen ist also auch eine Frage der Kultur.

TK Leistung Meditation Achtsamkeit Coach

Warum wir Komplimente lieben

Wenn uns jemand von Herzen ein Kompliment macht, dann freut sich unser Gehirn. Gleich mehrere Hormone sorgen für ein gutes Gefühl: Oxytocin, Opioide, und Dopamin – ein Cocktail, der für gute Gefühle sorgt. Komplimente bringen unser Gehirn an den richtigen Stellen zum Leuchten. Für unser Gehirn sind Komplimente echte Geschenke: Vor einigen Jahren scannten Forscher:innen Gehirne mit einem MRT. Dabei zeigte sich, dass Komplimente zu einer ähnlichen Aktivierung im Belohnungszentrum führen wie materielle Geschenke.

Das deutet auf zweierlei hin: dass soziale und monetäre Belohnungen auf ähnliche Weise verarbeitet werden, und das sich soziale Belohnungen genauso gut anfühlen können, wie ein materielles Geschenk. Dies könnte erklären, warum Menschen manchmal auf finanzielle Vorteile verzichten, um anderen Menschen zu helfen.

Lies dazu auch: Purpose Unternehmen: Warum es gerade jetzt so wichtig ist, nach dem Sinn zu fragen

Symbolbild für Komplimente Schriftzug YOU LOOK GOOD
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Charisse Kenion

Lernen, Komplimente zu machen

Außerdem verbessern Komplimente unsere Leistungen: Eine Studie zeigte, dass wenn wir neue Dinge ausprobieren wie Tanzen, Laufen oder Klarinette spielen, ein Lob unserem Gehirn hilft, diese Fähigkeit abzuspeichern und zu wiederholen.

In der Studie wurde 48 Erwachsenen eine bestimmte Aufgabe des Finger-Tippens beigebracht. Ein Drittel der Teilnehmer erhielt Lob für die eigene Leistung, ein Drittel erhielt Lob für die Leistung eines anderen Teilnehmers und die anderen erhielten kein Lob. Am nächsten Tag zeigte die Gruppe, die für ihre eigene Leistung gelobt wurde, eine bessere Leistung bei der Aufgabe als die anderen. Lob aktiviert das Striatum, eines der Belohnungsareale im Gehirn. Die Forscher glauben, dass Lob durch die Aktivierung dieses Areals das Lernen verbessert. Lernen findet während des Schlafs statt – ein Prozess, der als Gedächtniskonsolidierung bezeichnet wird. Mit anderen Worten: Indem wir anderen ein Kompliment machen, helfen wir ihnen zu lernen und bessere Leistungen zu erbringen. Das ist vor allem für Menschen in einer Führungsposition eine wichtige Erkenntnis.

Und wenn wir unserem Gegenüber das Kompliment ins linke Ohr säuseln, bringt es sogar noch mehr: dann können wir es uns zu 70 Prozent merken, bei der rechten Seite sind es nur 58 Prozent. Das liegt daran, dass unser linkes Ohr und die rechte Gehirnhälfte eng miteinander verbunden sind und unser Gehirn so intensiver auf emotionale Reize reagieren kann.

Symboldbild für Kompliment junge Frau lächelt mit geschlossenen Augen freudig
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Olga Serjantu

Komplimente verbessern das soziale Umfeld

Und manche Komplimente merken wir uns besonders gut – denn manchmal können sie Großes auslösen. Wenn jemand an uns glaubt und unsere verborgenen Talente sieht, und sie lobt, kann das unser Leben manchmal stärker beeinflussen als gute Noten oder ein gutes Gehalt. So kann ein Kompliment gute Verhaltensweise verstärken. Und es motiviert uns, noch besser zu werden: Für eine Studie lobten Forscher:innen 30 Prozent der Studienteilnehmer:innen, ohne dass die Studierenden davon vorher wussten. Vor allem weil das Lob vor allen anderen Studienteilnehmer:innen geäußert wurde, strengten sich im Anschluss alle Studierenden, die beim öffentlichen Lob anwesend waren, mehr an – egal, ob sie selbst gelobt wurden oder nicht. Der Wunsch, selbst gelobt und anerkannt zu werden, beflügelte die Versuchsteilnehmer:innen.

Symboldbild für Komplimente Wort Danke, Thank you, Merci, Grazie, Gracias, Dank Je Wel
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Wilhelm Gunkel

Zeit, mehr Komplimente zu machen

Auch wenn wir selbst Komplimente lieben, unterschätzen wir oft deren Wirkung auf andere. Einer Studie zufolge, glauben fast 90 Prozent der Menschen, dass sie anderen öfter Komplimente machen sollten. Und doch machen wir in der Praxis weniger Komplimente als wir es eigentlich gerne würden. Tatsächlich schickten nur 50 Prozent der Personen, die in einem Experiment ein Kompliment für einen Freund aufgeschrieben hatten, das Kompliment auch tatsächlich ab. Dabei hatten sie den schwierigsten Teil schon hinter sich: nachzudenken und ein wirklich nettes, ernstgemeintes und einzigartiges Kompliment zu formulieren.

Deshalb sollten wir nochmal an Churchill denken: Vielleicht können wir uns nicht den Magen an einem runtergeschluckten bösen Wort verderben – aber wieso sollten wir die netten Worte auch gleich mit runterschlucken? Komplimente können unsere Stimmung verbessern, sie helfen uns beim Lernen und Arbeiten. Und während wir uns noch daran gewöhnen, häufiger Lob und Dankbarkeit auszudrücken, können wir uns schon mal auf die Belohnung freuen: Denn wer anderen dankt und ihnen Komplimente macht, ist selbst auch glücklicher.

Wenn wir lernen, gute Komplimente zu machen, macht das uns und andere glücklich – und damit die Welt zu einem besseren Ort.