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Menstruation geht uns alle etwas an

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Monika Kozub

Erdbeerwoche. Tante Rosa. Periode. Die Tage haben. Warum es so viele Euphemismen für die Menstruation gibt? Das lässt sich wohl nicht abschließend beantworten. Aber wir können uns dafür einsetzen, einen weiteren Schritt Richtung Normalität zu gehen, um das Tabu Thema Menstruation zu brechen. Dazu haben wir mit Autorin und Menstruationsaktivistin Franka Frei gesprochen. Und festgestellt, die Euphemismen sind erst der Anfang.

„Es scheint niemanden zu interessieren, dass der ganze Menstruationszyklus beispielsweise bei Medikamententests großflächig ausgeklammert wird. Was ich damit sagen will: Das Tabu ist sehr viel mehr als nur ein paar Euphemismen oder das wir uns was darüber zuflüstern. Aber dieses Tabu hat negative Konsequenzen auf einer strukturellen politischen Ebene und deswegen ist es so wichtig, darauf aufmerksam zu machen“ so Franka.

Portrait der Menstruations Aktivistin Franka Frei
Foto: CC0 / Random House – Tibor Bozi

Franka, du bist „Menstruationsaktivistin“. Was heißt das?

Ich setze mich für ein verändertes Bewusstsein in Bezug auf das Thema Menstruation ein. Ich setze mich dafür ein, dass es nicht als Tabu gilt. Und dabei ist ein Tabu ja sehr viel komplexer, als das vielleicht erstmal klingen mag. Ich setze mich dafür ein, dass wir mehr Bewusstsein für die Probleme haben, die mit Menstruation in Verbindung stehen. Dass nicht die Menstruation das Problem ist, sondern der Umgang damit. Und dass es viele Aspekte gibt, wo wir Menstruierende wirklich auf politischer, struktureller Ebene unterstützen können. Neben der Aufklärungsarbeit auf Instagram, als Autorin mit meinem Buch „Periode ist Politisch“ oder in Science Slams, bin ich auch Mitglied im Verein „Periodensystem„, der sich gegen Periodenarmut stark macht.

Wir setzen uns für kostenfreie Menstruationsprodukte für bedürftige, mittellose oder obdachlose Menstruierende ein, gehen aber auch in Schulen und machen Workshops zum Thema Menstruation. Wir versuchen, mehr Wissen über Menstruation in die Welt zu tragen, gerade an menstruierende Menschen.

Halbierte Paprika im Schritt einer Frau als Zeichen für die Tabuuisierung von Menstruation
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Ava Sol

Menstruation ist oft noch ein Tabu Thema. Es gibt unzählige Euphemismen und das ganze Bild scheint überall falsch gezeichnet zu werden: Ob Politik, Beruf, Medien oder der Medizin. Aber auch daheim. Von Mutter zu Tochter. Warum? Hast du Ansätze, das zu ändern?

Vorab: Auch fehlende Kommunikation ist Kommunikation, also ist auch Tabuisierung Kommunikation. Und diese ganzen Umschreibungen zeigen das eigentlich ziemlich deutlich: Es gibt dieses Thema, aber wir können es nicht wirklich beim Namen nennen. Wir verwenden lieber unschuldige Bezeichnungen wie „Erdbeerwoche“ oder „Besuch der roten Tante“. Aber selbst sowas wie „die Tage“ und „die Periode“ sind ja nichts anderes als eine uneindeutige Umschreibung für „die Menstruation“. Das Wort alleine erweckt Fluchtreflexe bei vielen Menschen, eben weil wir uns fast schon erschrecken, wenn wir damit konfrontiert werden.

Öffentliche und mediale Tabuisierung

Da ist vor allem die visuelle Tabuisierung, die wir gerade in der Werbung sehen: Ob die von der Binde aufgesaugte blaue Flüssigkeit, die blumige Darstellung oder wenn nur angedeutet wird, worum es geht. Das zeigt eigentlich, wie wir lernen die Menstruation zu betrachten und zu kommunizieren: als etwas, was man nicht in seiner wahren Begebenheit, also in seinem wirklichen realitätsnahen Ausdruck, kommunizieren könnte.

Das zeugt auch von einem Bild, in dem Sexualität und vor allem weibliche Sexualität und Reproduktionsfragen tabuisiert werden. Und das wiederum hat auch mit Machtverhältnissen zu tun: gerade die Menstruation, die eigentlich Zeichen für Reproduktionsfähigkeit, für Fertilität und für Potenz ist, wird in die „Ekel-Schublade“ gesteckt. Das hat mit patriarchalen Mustern zu tun, aber es hat auch eine marktwirtschaftliche kapitalistische Komponente, die davon profitiert.

Wenn Menstruation ein Tabu bleibt, und wenn es unsere Aufgabe ist, möglichst „clean“ zu sein und uns ja nicht als Menstruierende zu outen, wird uns damit auch suggeriert, dass unsere Körper ekelhaft und beschämenswert seien – und wer damit beschäftigt ist, sich zu schämen, hinterfragt vielleicht auch die gekauften Produkte viel weniger. Solange es unser Wunsch ist, Menstruation möglichst unsichtbar zu machen, aus der Angst heraus, zu riechen, irgendwie komisch aufzufallen, gar öffentlich zu bluten, kaufen wir Produkte mit Duftessenzen und Klebestreifen und all das. Von diesem Tabu, das einen sexistischen Ursprung hat, profitiert eine ganze Industrie, deren größtes Werbeversprechen es ist, uns an dieses Tabu bestmöglich zu halten. Natürlich hängt das alles zusammen: Die mediale Repräsentanz spiegelt auch immer eine Gesellschaft, die sich wiederum natürlich auch im beruflichen Leben und im politischen Leben widerspiegelt.

Lies dazu auch: Sciene Slam: „Periode ist politisch“ – Franka Frei

Private Tabuisierung mit weitreichenden Folgen

Und es gibt das Tabu, das wir privat kommunizieren: zum Beispiel zwischen Freundinnen, die sich flüsternd nach einem Tampon fragen, weil es ihnen peinlich ist. Das Tabu trägt sich weiter von der Erziehung, über die persönlichen Kontakte, bis auf eine politische Ebene, wo man im Bundestag nicht über Menstruation sprechen kann, weil man denkt: das ist doch ein privates Thema. Warum sollten wir das ansprechen?

Und das führt dazu, dass es auch auf medizinischer Ebene wenig Forschung gibt, wie zu Krankheiten, die vor allem mit der Menstruation in Verbindung stehen. Das sind beispielsweise Endometriose, PCOS aber auch sowas wie Vaginismus. Es scheint beispielsweise niemanden zu interessieren, dass der ganze Menstruationszyklus bei Medikamententests großflächig ausgeklammert wird. Was ich damit sagen will: Das Tabu ist sehr viel mehr als nur ein paar Euphemismen oder das wir uns was darüber zuflüstern. Das Menstruationstabu hat negative Konsequenzen auf einer strukturellen politischen Ebene und deswegen ist es so wichtig darauf aufmerksam zu machen.

Die Konsequenzen sind vielschichtig

Ökologisch

Das alles hat auch ökologische Konsequenzen, weil wir zum Beispiel überwiegend Einmal-Produkte verwenden und dadurch sehr viel überflüssigen Müll produzieren. Menstruationstassen und waschbare Perioden-Panties gibt es schon genauso lange, wie es Tampons gibt. Wenn die Politik die Möglichkeit geben würde, diese Produkte besser zugänglich und kostengünstiger zu machen, dann wäre damit ökologisch schon ein großer Schritt getan. Schließlich gehören Menstruationsprodukte zu Plastikartikeln, die am meisten, mitunter an den Stränden angeschwemmt werden. Die Hälfte der Weltbevölkerung menstruiert. Das macht Tonnen und Tonnen von Menstruations-Müll: einzeln verpackte Tampons und Binden, die zu 90 Prozent aus Kunststoff bestehen.

Ökonomisch

Ökonomisch kann man es so betrachten, dass auf der ganzen Welt mittlerweile die Menstruation auch mit fehlender gesellschaftlicher Teilhabe von menstruierenden Frauen und Mädchen in Verbindung gebracht wird. Viele gehen während der Menstruation, beziehungsweise wegen des Umgangs mit der Menstruation, nicht zur Schule oder zur Arbeit. Das hat oft was mit Schmerzen zu tun, von denen wir wiederum gelernt haben, sie seien normal. Das sind sie nicht! Aber es hat auch viel mit gesellschaftlicher Scham zu tun. Die Menstruierenden haben Angst, dass es jemand bemerken könnte. Und das schränkt das Potenzial von Menstruierenden ein. Studien zufolge fühlt sich die Hälfte der Menstruierenden in sozialen Situationen unwohl. Scham ist ein sehr intensives und negativ Gefühl. Es kann davon abhalten, eine wichtige Präsentation zu halten oder selbstbewusst zu sein, zu sagen, was man denkt. Wer sich schämt, der oder die, ist oft in sich gekehrt.

Infrastrukturell

Das andere sind infrastrukturelle Faktoren, die auch dazu führen, dass Menstruierende weniger am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Zum Beispiel fehlender Zugang zu Menstruationsprodukten. Die Schülerin einer Schule, an der es bald kostenfreie Menstruationsprodukte gibt, hat mir erzählt, dass sich Mädchen früher sogar von ihren Eltern haben abholen lassen, wenn sie sich nicht getraut haben, nach einem Tampon zu fragen, oder keines bekommen konnten. Das muss doch nicht sein! Es ist doch nichts dabei, so ein paar Tampons und Binden zur Verfügung zu stellen. Wir brauchen Menstruationsprodukte genauso wie Klopapier und sie erleichtern das Leben total. Oder sowas wie Mülleimer auf Toiletten. All das sind infrastrukturelle Faktoren. Übrigens: Es gibt weniger Toiletten im öffentlichen Raum für Frauen als für Männer, obwohl Frauen tendenziell öfter auf die Toilette gehen, eine kleinere Blase haben, sie öfter Blasenentzündung und Harnwegsinfektionen bekommen und sie menstruieren.

Solche Sachen muss man ansprechen, weil das die gesellschaftliche Teilhabe von Frauen und Mädchen und aller Menstruierenden betrifft. Das hat natürlich Auswirkungen auch auf ihre Leistung, auf die Präsenz in der Arbeitswelt, es hindert sie daran, ihr volles Potenzial auszuschöpfen und deswegen ist es so mega wichtig, dieses Thema auch politisch zu betrachten!

Franka Frei mit Tampon in der Hand gegen das Tabu Menstruation
Foto: CC0 / Random House – Tibor Bozi

Zum Thema Hygiene selbst: Menstruierende gelten oft als „unrein“. Heute ist Menstrual Hygiene Day – Was für Probleme haben wir mit dem Thema? Und wie beenden wir sie?

Im Rahmen vom Menstrual Hygiene Day geht es vor allem darum, darauf aufmerksam zu machen, wie das Menstruations-Tabu menstruierenden Menschen schadet. Wie es eben dazu führt, dass Menschen aus der Gesellschaft ausgeschlossen und in ihren Chancen beschränkt werden. Das hat viel mit einer kulturellen Sichtweise auf Menstruation zu tun, eben dass Menstruation als unrein gilt oder auch als ekelhaft.

Binden verschenken bricht das Tabu nicht auf

Und dieses Unreinheitsbild wird auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts fortgeführt: nämlich in so einem Bild, dass die Situation etwas ist, was uns im Weg steht, gar ein „Fehler“ ist. Aber nicht die Menstruation ist der Fehler oder der biologische Nachteil, sondern der Umgang damit, der uns als Nachteil ausgelegt wird. Dabei wäre es doch total gut und wichtig zu schauen, wie man Menstruierende unterstützen kann.

Genau deswegen finde ich es auch schwierig, wenn sich gerade viele westliche Unternehmen versuchen, als Retter der Welt zu inszenieren. Sie schicken Millionen von Binden in afrikanische Länder und sagen, dass sie damit Frauen und Mädchen ihr in der Pubertät verlorenes Selbstbewusstsein zurückzugeben, sind aber dieselben Unternehmen, die ihre Binden „whisper“ nennen, mit blauer Flüssigkeit in der Werbung ankommen und dieses Tabu überhaupt erst reproduzieren, sprich diese Scham erst in die Köpfe der Menschen setzen. Ich finde, es muss auf jeden Fall kritisch betrachtet werden, dass beim Menstrual Hygiene Day oft nach ganz einfachen Lösungen gesucht wird – nämlich im materiellen. Aber das Menstruationstabu ist sehr viel größer als „Hier wir geben euch Binden und jetzt ist alles gut.“ Es sitzt in den Köpfen der Menschen, dass Menstruation etwas Ekelhaftes ist und da hilft nur langfristige Bildung, Wissen und Aufklärung. Es braucht eine Bewusstseinsveränderung und die geht einher mit einer Enttabuisierung.

Das Schöne ist aber auch, dass bestimmte Aktionen wie zum Beispiel kostenfreie Menstruationsprodukte eben auch Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Ich bin also nicht dagegen, dass es solche Projekte gibt, aber wir sollten Abstand davon nehmen, dass sie die Lösung ist.

Mit komplexen Lösungen auf dem Weg zur Enttabuisierung

Die eigentliche Lösung ist in vielen verschiedenen Teilen der Gesellschaft oder des gesellschaftlichen Lebens anzusetzen. Einige Ansätze:

  • In der Schule für mehr Bildung und Aufklärung sorgen: Meiner Meinung nach könnte Sexualkunde ein ganz eigenes Schulfach sein. Wir müssen anfangen, den Zyklus zu lesen und wissen, wie die Menstruation eigentlich funktioniert. Es um so viel mehr als nur Blut. Es geht um verschiedene Zyklusphasen, die wir für uns nutzen können, um sexuelle Selbstbestimmung und um das Thema Verhütung. All das ist so viel Stoff und dafür brauchen wir auch Lehrer:innen, die genau dafür ausgebildet sind.
  • Auf ökologischer Ebene: hier kann man schauen, wie man nachhaltige Periodenprodukte besser zugänglich macht.
  • Auf der gesundheitspolitischen Ebene: hier kann mehr in die Forschung des Menstruationszyklus investiert werden. Der gilt bis heute als zu kompliziert, als Sonderform. Das hat aber etwas mit einem Androzentrismus zu tun, also das das männliche immer noch als Norm für alles steht. So auch in der Gesundheit: der Norm-Patient ist männlich und menstruiert nicht.

Also: Es gibt nicht DIE eine Lösung, aber es gibt viele verschiedene Lösungsansätze, die alle miteinander verbunden sind. Indem wir Menstruation mehr beachten und nicht als Problem sehen. Der kulturell gewachsene Umgang damit ist das Problem. Das hat etwas mit einer Machthierarchie zu tun, die patriarchisch ist und die kapitalistisch ausgeschlachtet wird. Der Umgang mit der Menstruation ist Teil und Beweis dieses Systems und muss daher auch in dieser Struktur verstanden werden. Man kann das nicht einfach nur als abgegrenztes Nischenthema betrachten.

Alles ok Geste mit den Händen gehalten, wo die Eierstücke sitzen
Foto: CC0 / Random House – Tibor Bozi

Als Aktivistin nimmst du es selbst in die Hand. Was ist dein Tipp für all die Frauen, die nicht so offen (aufgewachsen) sind? Was kann jede einzelne Weltverbesserin tun? 

Ich denke, es ist total wichtig, dass wir niemals jemanden dazu zwingen, offen über Menstruation zu sprechen. Ich würde mir niemals anmaßen zu sagen, alle sollten jetzt hier laut nach einem Tampon fragen, oder sowas. Es ist nur wichtig, dass es die Möglichkeit gibt, über die Menstruation zu sprechen.

Schmerzen ernst nehmen

Beispielsweise, wenn es Probleme damit gibt, an Menstruationsprodukte zu kommen. Oder – noch viel krasser ­– wenn es um Schmerzen geht. Denn wahnsinnig viele Menstruierende haben jeden Monat starke Schmerzen und das wird oft nicht ernst genommen. Das wird vom Umfeld nicht ernst genommen und das wird auch von Ärzt:innen nicht immer ernst genommen. So betrifft Endometriose ungefähr eine von 10 Menstruierenden und ist so schlecht erforscht und es herrscht so wenig Bewusstsein dafür. Deswegen wäre mein allererster Tipp: Menstruierende, die Schmerzen haben, ernst zu nehmen.

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Den eigenen Zyklus kennen- und reflektieren lernen

Der zweite Tipp ist, dass man sich als Menstruierende selbst auch mal fragen kann, ob man überhaupt einen Zyklus hat. Für viele ist das völlig selbstverständlich, dass sie menstruieren, dabei menstruieren sie vielleicht gar nicht. Zum Beispiel, weil sie hormonell verhüten. Und das wissen auch die wenigsten. Aber sich selbst mal zu fragen: „Hab ich einen Zyklus?“ und „in welcher Zyklusphase könnte ich sein?“ und sich selbst dabei zu beobachten, kann für viele große Vorteile haben. Man bekommt die Möglichkeit, den Zyklus selbst für sich zu nutzen – nicht nur, um die Leistung zu erhöhen, sondern sich selbst einfach besser kennenzulernen.

Einfach normal mit Menstruation umgehen

Als drittes rate ich, normal mit dem Thema umgehen und kein großes Ding draus zu machen. Ich habe inzwischen auch von vielen Müttern gehört, die für ihre Tochter eine Perioden Party machen wollen. Aber ich weiß auch nicht, ob das der richtige Weg ist. Das beschämt wiederum vielleicht auch andere? Ich würde sagen, niemandem etwas aufdrängen aber mit einer Selbstverständlichkeit damit umgehen.

Und allen, die sagen „Ach, das geht mich ja gar nichts“, sage ich: „Menstruation geht uns alle etwas an“ und ich kann versprechen, gerade für die, die sich wenig damit beschäftigen, dass Momente kommen, in denen man sich damit beschäftigen muss.

Und die Männer? Was können sie tun? 

Was nicht menstruierende Männer, oder cis Männer, tun können, ist vor allem sich verständnisvoll zu zeigen. Menstruation nicht relativieren und nicht etwa mit Bartwuchs vergleichen. Menstruation ist auch nicht mit Stuhlgang, Schweiß oder Erbrochenem vergleichbar. Es gibt kein Äquivalent für Menstruation auf der cis männlichen Seite und es macht keinen Sinn, zu versuchen einen Vergleich zu finden.

Eben nicht zu denken oder zu sagen „aber die hat doch ihre Tage“. Menstruierenden darf nicht die Kompetenz abgesprochen werden, dass sie gerade wirklich das meinen, was sie sagen.

Und man kann auch Tampons und Binden zur Verfügung stellen. Gerade wer alleine lebt, könnte auch einen Mülleimer auf der Toilette haben. Vielleicht hat man selbst noch nie einen Mülleimer auf dem Klo gebraucht, aber viele Menschen brauchen ihn. Und damit kann man auch signalisieren „Ich hab mir mal zwei Sekunden drüber Gedanken gemacht und ich möchte, dass ihr euch hier wohlfühlt.“ Ich glaube, es ist cool, wenn man offen und normal damit umgeht, aber sich dann auch nicht zu sehr damit aufdrängt.

Und man kann auch mal schauen, warum man sich eigentlich noch nie damit auseinandergesetzt hat. Was sind die eigenen internalisierten Bilder? Habe ich da vielleicht auch etwas internalisiert, was ich gerne reflektieren möchte?

Franka Frei, 1995 in Köln geboren und im österreichischen Salzburg aufgewachsen, wurde quasi aus Versehen zur Expertin auf einem Gebiet, das sie seitdem nicht mehr loslässt. Seit ihrem Bachelor-Abschluss im Fach Angewandte Medien und dem plötzlichen Viralgehen in den sozialen Medien ist sie Menstruationsaktivistin – ein Vollzeitjob, der selbst bei Partys im hippen Berlin Fragezeichen in die Gesichter zeichnet. Wenn sie nicht gerade in der Gender Studies-Vorlesung sitzt, wird Franka nicht müde zu erklären »was man damit später mal anfangen will« (die Revolution, natürlich), hält Vorträge im In- und Ausland und arbeitet als Journalistin für die Deutsche Welle. Artikel und Interviews mit ihr erschienen unter anderem in der Huffington Post, Zeit Campus, im Deutschlandfunk, WDR und in Vice. Im März 2020 erschien ihr Sachbuch »Periode ist politisch« bei Heyne Hardcore, im Frühjahr 2021 folgte ihr Roman Krötensex.