weltverbesserer Wissen Hilfe! Mein Kind wird gemobbt

Hilfe! Mein Kind wird gemobbt

Foto: Pornpak Khunatorn / istock.com

Seit Beginn der Corona Pandemie ist Cybermobbing unter Schüler:innen um 36 Prozent gestiegen. Das Ergab die neueste Studie der Organisation „Bündnis gegen Cybermobbing“. Doch woran erkennen wir, dass unser Kind ebenfalls davon betroffen sein könnte und wie gehen wir damit um?

Wenn 95 Prozent der 10- bis 13-Jährigen in Deutschland das Internet nutzen und 93 Prozent der 14- bis 15-Jährigen ein eigenes Smartphone besitzen (Quelle: Statista), dann kann das nicht nur Vorteile haben. So sehr das World Wide Web verbindet, informiert und unser Leben bereichert, so schnell kann es passieren, dass man online schikaniert, diffamiert, gehänselt, bedroht, beleidigt oder lächerlich gemacht wird. Das ist Cybermobbing. Was uns früher nur offline passiert ist, breitet sich auch im Netz immer weiter aus. In manchen Fällen werden sogar intime oder peinliche Fotos oder Videoclips verbreitet, die für viele User einsehbar sind.

Cybermobbing findet auf Social-Media-Kanälen (Instagram, Snapchat, Facebook, google +), in Video-Portalen und in Chats (WhatsApp und Snapchat) statt. Oft handeln die Täter – auch „Bullys“ genannt – anonym, doch in vielen Fällen sind es Mitschüler, Freunde oder Bekannte, die dem Opfer online und nicht selten auch offline das Leben schwer machen. Meistens ist Mobbing und Cybermobbing nicht voneinander zu trennen. Kinder und Jugendlichen, denen das passiert, haben somit keine Rückzugsmöglichkeit, weil sie rund um die Uhr angreifbar sind. Dabei sind die Attacken nicht nur aktiv – auch der bewusste Ausschluss von sozialen Aktivitäten, Gruppen, Chats etc. gehört zum Cybermobbing dazu.

Alarmierende Zahlen

Cybermobbing betrifft zwar theoretisch nicht nur Kinder und Jugendliche betrifft. Laut der jüngsten Studie der Organisation „Bündnis gegen Cybermobbing“ besteht das höchste Risiko für Mobbing hierzulande aber in der Ausbildung bzw. Schule (39 Prozent bzw. 42 Prozent). Dass Sensibilisierungskampagnen erfolgreich sind, beweisen die Zahlen in der Schweiz – dort sind die Ergebnisse mit 12 Prozent bis 15 Prozent deutlich niedriger.

Aus der Studie geht darüber hinaus hervor, dass in Deutschland schon 20,8 Mio. Menschen einmal Opfer von Mobbingattacken gewesen sind. In der DACH-Region waren über 60 Prozent der Befragten bereits in Mobbing- oder Cybermobbingsituationen involviert. Die häufigsten Folgen daraus sind Depressionen, Persönlichkeitsveränderungen und Probleme mit dem Selbstvertrauen.

Bei Jugendlichen sind es Schlaf-, Lese- aber auch Essstörungen. Die Betroffenen können aber auch körperliche Schmerzen haben sowie Magen-Darm-Beschwerden. Circa 12 Prozent der Opfer stufen sich selbst als suizidgefährdet ein.

Cybermobbing macht Angst: Bild mit grimmigem Gesicht
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Andre Hunter

So schlimm kann Cybermobbing sein

Die häufigste Form von Cybermobbing sind Beleidigungen und Beschimpfungen (77 Prozent bei Mädchen und 60 Prozent bei Jungs) sowie Verbreitung von Lügen und Gerüchten (58 Prozent bei Mädchen und 32 Prozent bei Jungs). Wiederum 27 bzw. 21 Prozent wurden unter Druck gesetzt, erpresst oder bedroht. Seit der Corona-Krise wurde laut Uwe Leest, dem Vorsitzenden des Bündnisses gegen Cybermobbing ein Anstieg von 36 Prozent gemessen. Damit sind laut der Studie insgesamt 2 Mio. Schüler:innen von Cybermobbing betroffen.

„Das kann ganz schwerwiegende Folgen haben, wenn die Jugendlichen sich nicht öffnen und mit Vertrauenspersonen über dieses Thema sprechen“, sagt der Vorsitzende des Bündnisses gegen Cybermobbing Uwe Leest. Deshalb sei es sehr wichtig, sich Eltern oder Freunden anzuvertrauen. „Dann passiert nicht so viel“, so der Experte.

Lies hierzu auch: So kämpft das Projekt der Beratungsstelle Gewaltprävention der Behörde für Schule und Berufsbildung Hamburg und der Techniker Krankenkasse „Gemeinsam Klasse sein“ und dem „Anti-Mobbing-Koffer“ gegen Mobbing.

Was Eltern tun können

Cybermobbing sollte in jedem Fall ein Thema in der Schule sein, doch auch wir Erwachsene stehen in der Pflicht, Augen und Ohren offen zu halten. Rechtzeitige Aufklärung kann unnötiges Leid verhindern.

  • Sprich deshalb offen mit deinem Kind über die möglichen Gefahren im Internet, erkläre ihm, welche Grenzen es zu beachten gilt und wie wichtig der gegenseitige Respekt ist.
  • Begleite es bei seinen ersten Schritten im Netz und zeige ihm, wie es private Postings veröffentlichen, sowie Personen blockieren kann.

Es ist nicht immer einfach, zu bemerken, dass Kinder und Jugendliche Opfer von Mobbing sind, weil sie sich oft schämen, darüber zu reden. Anzeichen dafür könnten sein, dass sie von der Schule und bestimmten Freund:innen weniger erzählen, unter Schlafstörungen und Kopfschmerzen leiden oder plötzlich ungern in die Schule gehen.

Wenn du das Gefühl hast, dass dein Kind etwas bedrückt, dann suche das Gespräch mit ihm und höre ihm aufmerksam zu. Berichtet es tatsächlich von Online-Attacken, gilt es zuerst die Ruhe zu bewahren.

  • Versuche so viel wie möglich zu erfahren, zum Beispiel findet ihr bei klicksafe einen Ratgeber zu Cyber-Mobbing. Dann könnt ihr zusammen überlegen, wie ihr vorgeht.
  • Nimm das Problem auf alle Fälle ernst und werde sofort aktiv. Es ist entscheidend, „Bullys“ vehement Paroli zu bieten. Mobbing kann nämlich nur dann funktionieren, wenn man das Verhalten duldet oder es sogar bewundert. Ohne Zuschauer sind Täter machtlos.
  • Dein Kind soll wissen, dass du hinter ihm stehst und es mit dem Problem nicht alleine fertig werden muss. Kontraproduktiv wäre, mit einem Handy- oder Internetverbot zu reagieren, weil Internet und Handy für dein Kind meist noch immer eine wichtige Rolle in der Freizeit und Schule spielt.
  • Sichere das belastende Material, mach z.B. Screenshots und versuche, den „Bully“ auf sein Verhalten anzusprechen. Fordere ihn oder sie auf, die jeweiligen Inhalte unverzüglich zu entfernen und melde den Vorfall in der Schule oder am Ausbildungsplatz.
  • In schwerwiegenden Fällen könntest du dich an die Polizei wenden.
  • Bespreche jeden Schritt zunächst mit deinem Kind – schließlich willst du ihm helfen und ihm die Situation nicht noch schwerer machen.
  • Bleibe auch nach dem Vorfall im Gespräch mit ihm und versichere ihm, dass es sich keine Vorwürfe zu machen braucht – (Cyber)Mobbing kann wirklich jedem passieren. Es hat nichts falsch gemacht und ist okay, so wie es ist. All das erfordert einiges an Zeit und Mut, doch es lohnt sich, nicht zu verzweifeln.

Was ihr noch zusammen machen könnt, wird ganz gut in der Cybermobbing Erste Hilfe App erklärt. Dort findest du weitere Tipps, wie du es vor Cybermobbing schützen kannst.

Gilt bei Cybermobbing: Person hält Schild mit Aufschrift Share Love not Hate in die Kamera
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Dan Edge

Das Präventionsprogramm „Wir alle gegen Cybermobbing“ des Vereins Bündnis gegen Cybermobbing bietet ebenfalls ganzheitliche Lösungen an. Wenn dein Kind von Cybermobbing betroffen ist, kannst du dich auch an das Bündnis wenden, wenn dein Kind das Gespräch mit dir verweigert.

Weitere Anlaufstellen sind die EU-Initiative klicksafe sowie die Plattformen juuuport oder handysektor, um nur einige Beispiele zu nennen. Vergiss nicht: Du bist nicht alleine, darfst und sollst Hilfe in Anspruch nehmen.

Die gute Nachricht ist, dass der persönliche Umgang im Netz inzwischen ein gesellschaftliches Thema geworden ist. Das war vor einigen Jahren noch nicht der Fall. Diese Entwicklung macht Mut, auch wenn viele noch nicht wissen, wie sie mit manchen Cybermobbing-Fällen umgeht. Ändern kann sich das nur dann, indem wir geschlossen vorgehen und was dafür tun, dass Übeltätern im Netz das Handwerk gelegt wird.

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