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Heißer Sommer: Phänomen oder Zukunft?

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Während der tristen, grauen, kalten Tage sehnen wir ihn herbei: den heißen Sommer. Doch ist er einmal da, stöhnt ganz Deutschland unter der Hitze, die immer öfter rekordverdächtige Ausmaße annimmt. Ein richtig heißer Sommer in Deutschland könnte also in Zukunft die Regel sein und nicht mehr die Ausnahme, sagen Klimaforscher.

Gab es früher im Durchschnitt eine Hitzewelle mit vier oder mehr heißen Tagen, sind es heute zwei oder drei – Tendenz steigend. Nicht so schlimm, die Hochsommertage lassen sich ja gut an einem Badeteich verbringen, oder? Das stimmt leider nicht. Heiße Sommer sind keine bloße Unannehmlichkeit, sie haben schwerwiegende Auswirkungen auf die Natur und auf unsere Gesundheit.

Durch die Hitze und Trockenheit steigt die Gefahr für großflächige Brände, wie die Buschfeuer in Australien oder Waldbrände in den USA und Kanada oder im Süden Europas bereits jetzt zeigen. Viele Menschen, vor allem solche mit gesundheitlichen Problemen, in höherem Alter oder kleine Kinder, leiden stark unter der Hitze. Das gilt auch für Haus- und Wildtiere sowie Insekten.

Wir wollen in diesem Artikel die Hintergründe und Ursachen für die zunehmende Zahl an Hitzewellen beleuchten und Tipps geben, wie man gut durch die heißeste Zeit des Jahres kommt.

Symbolbild fuer heißer Sommer See ueber dem die Sonne am Himmel steht
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Jeremy Zero

Heißer Sommer: Fakten über Hitzewellen

Ein heißer Sommer ist noch keine Hitzewelle und umgekehrt macht eine einzige Hitzewelle auch keinen Sommer aus. Von einer Hitzewelle spricht man immer dann, wenn vier oder mehr heiße Tage hintereinander auftreten. Als „heiße Tage“ definieren Meteorologen alle Tage, deren Höchsttemperatur 30° C Grad oder mehr beträgt. Oft werden diese Tage begleitet von sogenannten „Tropennächten“, in denen die Temperatur nicht unter 20° C Grad absinkt.

Heiße Tage gab es in Mitteleuropa schon immer, doch seit etwa Mitte des 20. Jahrhunderts steigt ihre Zahl merklich an. Große Hitzewellen sind erst in den letzten 50 Jahren zu beobachten, zum Problem wurden die heißen Sommer nach der Jahrtausendwende. Den Anfang machte der Jahrhundertsommer 2003, als ganz Mitteleuropa über eine wochenlange Hitzewelle stöhnte. Statistiken zeigen, dass ähnlich heiße Sommer in Zukunft eher die Regel als die Ausnahme sein werden. 2018 beispielsweise gab es in Deutschland sogar mehr Hitzetage als im Jahrhundertsommer 2003.

Symboldbild heißer sommer viele menschen sitzen im park und grillen bei hoher außentemperatur
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Robert Bye

Warum unsere Sommer immer heißer werden

Die Hauptursache für die stetig steigende Anzahl der heißen Tage im Sommer vermuten Forscher im Klimawandel und der damit einhergehenden Erderwärmung. Das führt, vereinfacht gesagt, zu Veränderungen in den Luftströmungen, sodass tropische Luftmassen nach Deutschland gelangen können.

Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen in Städten leben und immer mehr Bodenfläche durch Asphalt oder Beton versiegelt wird. Gebäude, Straßen und Plätze heizen sich viel stärker auf als Wiesen, Erdboden oder Wälder und speichern die Hitze auch länger. Weil Bäume fehlen oder selten sind, gibt es kaum natürlichen Schatten, der dies dämpfen könnte. Deswegen ist es in Großstädten immer wärmer als in der Umgebung, was die Zahl der heißen Tage und Tropennächte steigert.

Apropos Bäume: die zunehmende Abholzung der Wälder trägt ebenfalls dazu bei, dass ein heißer Sommer zur Gewohnheit wird. Zum einen, weil Bäume für Schatten sorgen und damit ein Aufheizen des Bodens verhindern können. Zum anderen, weil über die Blätter und Nadeln Wasser verdunstet und so die Umgebungsluft kühlt.

Symboldbild heißer Sommer brennende Natur Bergen und Waelder stehen in Flammen
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Matt Palmer

Welche Folgen hat ein heißer Sommer?

Die Auswirkungen eines heißen Sommers sind vielfältig. Die hohen Temperaturen und längeren Trockenperioden führen zu Dürren und Ernteausfällen, in weiterer Folge steigen auch die Lebensmittelpreise an.

Bäume und ganze Wälder verdorren, das trockene Holz ist extrem empfänglich für Funkenflug oder Blitzschlag, die Waldbrandgefahr steigt enorm. Warnendes Beispiel dafür sind die Brände in Griechenland und Süditalien, die während einer extremen Hitzewelle Anfang August 2021 ausgebrochen sind. Die Feuer sind zwar derzeit unter Kontrolle, können aber bei der nächsten Hitzewelle jederzeit wieder aufflackern.

Doch die Hitze wirkt sich nicht nur auf unsere Umwelt, sondern auch direkt auf unsere Gesundheit aus. Unser Körper ist durchaus in der Lage, mit heißen Tagen umzugehen. Um die Körpertemperatur stabil zu halten, erweitern sich die Blutgefäße und wir beginnen zu schwitzen. Während eines sehr heißen Sommers läuft dieser Mechanismus auf Hochtouren, wir schwitzen stark und verlieren dadurch viel Flüssigkeit und Mineralsalze, der Blutdruck sinkt. Darunter leidet besonders der Kreislauf – die Folgen reichen von Ödemen in Beinen und Füßen, Schwindelanfällen, schmerzhaften Krämpfe in der Muskulatur oder Hautausschlägen durch Schweiß bis hin zu Hitzschlag, Kreislaufkollaps und im schlimmsten Fall dem Tod. Eine Studie aus dem Jahr 2020 legt nahe, dass im heißen Sommer 2018 in Deutschland mehr als 20.000 Menschen in Zusammenhang mit der Hitze verstorben sind. Das ist mehr als das Doppelte der Hitzetoten im Durchschnitt der Jahre 2000 bis 2004, in die auch der Jahrhundertsommer fällt.

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Tipps gegen die Hitze: das verschafft Abkühlung

Da die Thermoregulation unseres Körpers in einem heißen Sommer ohnehin auf Hochtouren läuft, sollten wir ihn bestmöglich dabei unterstützen.

  • Besonders wichtig ist viel trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Dabei sollten möglichst ungesüßte, nicht zu kalte Getränke bevorzugt werden, zum Beispiel Wasser, Kräutertee oder verdünnte Fruchtsäfte. Manche Kräuter, wie Pfefferminze, wirken zusätzlich kühlend und erfrischen.
  • Auch die Ernährung sollte an die Temperaturen angepasst werden. Üppige, fette Mahlzeiten belasten den Körper, besser sind Obst, Gemüse und Salate in mehreren kleinen Portionen über den Tag verteilt.
  • Helle, luftige Kleidung lässt die Haut atmen und ermöglichen eine Abkühlung durch Schwitzen. Enge Kleidung kann darüber hinaus den Blutfluss hemmen und den Kreislauf dadurch noch zusätzlich belasten.
  • Sportliche Aktivitäten sollten an die Temperaturen angepasst werden und in die Morgen- oder Abendstunden verlegt werden.
  • Eine (lau-)warme Dusche oder auch nur ein Fußbad können helfen, die Körpertemperatur zu senken und die Durchblutung anzuregen, sodass Ödeme verschwinden und der Kreislauf entlastet wird.

Ein wichtiger, aber oft übersehener Punkt bei Hitze ist ein erholsamer Schlaf. Unser Körper ist darauf ausgelegt, sich in den kühleren Nächten von den Anstrengungen des Tages zu erholen. Sinkt die Temperatur, etwa in einer Tropennacht, nicht weit genug ab, schlafen wir schlecht und unser Körper leidet. Deswegen sollte unbedingt darauf geachtet werden, die Rollläden oder Vorhänge im Schlafraum tagsüber geschlossen zu halten und Fenster nur nachts zum Lüften zu öffnen. Zugluft sollte dennoch vermieden werden, da dies zu Verspannungen, speziell im Nacken, führen kann. Und die bereits erwähnte warme Dusche vor dem Schlafengehen hilft, die Hitze aus dem Körper zu ziehen und erleichtert damit das Einschlafen.

Salatschuessel mit schafskaese, obst, gemuese und dressing in einem weißen teller auf dem tisch
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Taylor Kiser

Heißer Sommer: Wir werden uns an ihn gewöhnen müssen

Ein heißer Sommer, so erstrebenswert er uns für den Badeurlaub auch erscheint, ist nicht unbedingt eine gute Sache. Menschen, Tiere und Natur leiden unter der Hitze, die oft auch Unwetter nach sich zieht. Kühlere Zeiten sind nicht in Sicht, der Klimawandel sorgt dafür, dass Hitzewellen in Zukunft eher häufiger und die Temperaturen extremer werden. Wir werden uns also an die heißen Sommer gewöhnen müssen und können mit Tipps und dem sorgsamen Umgang mit uns und der Natur lernen, damit umzugehen, damit möglichst alle gesund durch die Hitze kommen.