weltverbesserer Leben Grüne Stadt der Zukunft: Nachhaltig Bauen und Leben

Grüne Stadt der Zukunft: Nachhaltig Bauen und Leben

Fotos: CC0 Public Domain / Unsplash - Kumiko Shimizu, Carlos Alfonso

Beim Begriff „Großstadt“ denken wir automatisch an Betonwüsten, vor Hitze flirrenden Asphalt der Straßen, an Smog-Wolken über der Stadt und unzählige Autos, die Stau verursachen. Doch die Städte der Zukunft werden ein anderes Bild bieten müssen, wollen sie für ihre Bewohner eine lebenswerte Umgebung bieten. Die grüne Stadt der Zukunft sieht anders aus: Weniger oder gar keine Autos mehr, Solarstrom auf den Dächern, Parks und Grünflächen, Bäume entlang der Straßen, begrünte Fassaden und nachhaltige Gebäude bestimmen das Stadtbild. Ein paar Ideen stellen wir euch vor.

Geschuldet ist diese Trendumkehr hauptsächlich dem Klimawandel. Die grüne Stadt der Zukunft heizt sich weniger auf und ist nicht so anfällig für Unwetterereignisse. Die Luft ist deutlich sauberer, Smog gehört der Vergangenheit an. Auch die Energieversorgung ist autarker, den Großteil des benötigten Stroms erzeugt die Stadt selbst. An fast jeder Ecke gibt es eine Naherholungsfläche, wertvolles Trinkwasser wird gespart und wo immer möglich durch Brauchwasser ersetzt. All das sind Faktoren, die uns heute dazu veranlassen, lieber außerhalb von Ballungsräumen leben zu wollen. Zukünftig werden wir dafür die City nicht verlassen müssen.

Grüne Parks in Städten
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Felipe Santana

Was ist „grüne Stadtentwicklung“ überhaupt?

Eine grüne Stadt ist weitaus mehr als nur ein paar Parks, Bäume in den Straßen, Rasenflächen und begrünte Dächer. Diese Punkte sind zwar zentrale Elemente bei der Begrünung ehemaliger Betonwüsten, doch nachhaltige Stadtentwicklungskonzepte umfassen deutlich mehr Aspekte, unter anderem:

  • Nachhaltiges Bauen: Grüne Städte setzen auf möglichst klimaschonende Neubauten, die wenig Energie verbrauchen. Sie bestehen aus nachhaltigen Materialien und sind zumindest teilweise begrünt. Pflanzen auf Dächern, Fassaden, Balkonen und ähnlichen Gebäudeteilen säubern und kühlen die Luft und bieten Lebensraum für Vögel und Kleintiere.
  • Grüne Verkehrskonzepte: Hohes Verkehrsaufkommen in der Stadt bedeutet mehr Hitze im Sommer, Lärm durch die Motoren, starke Luftverschmutzung durch die Abgase und Feinstaubbelastung sowie eine starke Versiegelung des Bodens durch den Bau von Straßen und Parkplätzen. Grüne Stadtentwicklung zielt daher darauf ab, den Individualverkehr möglichst zu reduzieren. Etwa durch den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs oder die Förderung des Umstiegs aufs Fahrrad für kurze Wege. Außerdem sollen Carsharing und Elektromobilität gefördert werden, sodass die grüne Stadt in Zukunft ohne Autos mit Verbrennungsmotor auskommt.
  • Entsiegelung des Bodens: Asphalt und Beton von Straßen, Parkplätzen und Gebäuden versiegeln den Boden, sodass dieser kein Wasser mehr aufnehmen kann. Zusätzlich heizt sich dieser Untergrund stärker auf als Rasen oder Erde. In einer grünen Stadt werden daher aufgelassene Fabrikgelände in Parks verwandelt oder Parkplätze mit wasserdurchlässigen Rasengittersteinen angelegt. Das hilft etwa im Falle von immer häufiger vorkommenden Unwettern, lokale Überflutung zu vermeiden.
  • Ressourcen schonen: Grüne Städte verbrauchen so wenig Energie wie möglich, etwa durch den Einsatz von Fernwärme, die bei der Müllverbrennung entsteht oder Fernkälte. Auch das Sammeln und Aufbereiten von Regenwasser ist in der Metropole der Zukunft bereits Standard, um die Trinkwasserreserven zu schonen.
  • Selbstverständlich ist auch der Ausbau, Erhalt und die Neuanlage von Parks und Naherholungsflächen Teil einer grünen Stadtentwicklung. Darüber hinaus finden auch immer mehr Konzepte wie Urban Gardening und Urban Farming Einzug in die grüne Stadt der Zukunft.
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Nabeel Syed

Warum wir die grüne Stadt brauchen

Schon jetzt leben mehr als drei Viertel der Deutschen in Städten, in anderen Ländern ist diese sogenannte Urbanisierungsrate sogar noch höher. Auch wenn es im Zuge der Corona-Pandemie kurzfristig zu einer Art „Stadtflucht“ kam und die Menschen Erholung im ländlichen Raum suchten. Langfristig wird sich der Trend zur Verstädterung fortsetzen.

Um Wohnraum für die vielen Menschen zu schaffen, wird im städtischen Gebiet zunehmend Boden versiegelt, also undurchlässig für Wasser gemacht. Welch fatalen Folgen das aufgrund des Klimawandels und der Zunahme von extremen Wetterereignissen haben kann, ließ sich in etlichen Städten in Mitteleuropa im Sommer 2021 beobachten. Zudem speichern Asphalt und Beton die Hitze des Tages und kühlen nachts kaum ab. Dadurch werden Städte zu Hitzeinseln, deren Tiefsttemperatur immer einige Grad über der des Umlands liegt. In der Innenstadt nochmal mehr als am oft grüneren Stadtrand.

Viele Menschen bedeuten auch viel Verkehr, damit viel Luftverschmutzung und hoher CO2-Ausstoß, beispielsweise für den Transport von Nahrungsmitteln und anderen Gütern. Letzterer ist bekanntlich ein Treiber für Klimawandel und Erderwärmung. Sprich, herkömmliche Städte verursachen zumindest zum Teil die Probleme, unter denen wir alle leiden. Eine grüne Stadt ist daher nicht nur ein „nice to have“, sondern zwingend notwendig, wenn wir die Erderwärmung begrenzen wollen.

Grüne Hausfasaden sehen schön aus und sind gesund
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Lily Banse

Grüne Stadt, gesunde Stadt

Eine grüne Stadt ist aber nicht nur gut für Klima und Umwelt, sondern auch gesünder für ihre Bewohner. So erkranken beispielsweise im Stadt-Land-Vergleich die Menschen in den Städten um 25 Prozent häufiger an Asthma als in ländlicher Umgebung. Die Ursachen dafür sind leicht auszumachen. Neben den Abgasen der Autos auch jene der Industriebetriebe, Müllverbrennungsanlagen oder die der Kraftwerke für die Energieversorgung einer Stadt. Grüne Städte setzen hier auf Elektromobilität, öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad – reduzieren so die Luftverschmutzung. Mehr Bäume und Rasenflächen in der Stadt helfen, die Luftqualität weiter zu verbessern und somit das Asthmarisiko zu senken.

Bäume und Gras leisten ihren Beitrag beim zweiten großen Gesundheitsrisiko in der Stadt: der Hitze. Bepflanzte Fassaden, Balkone und Dächer verhindern, dass sich Gebäude zu stark aufheizen. Sie unterbrechen so die Entstehung von Hitzeinseln. Angesichts steigender Temperaturen und häufiger auftretender Hitzewellen ein nicht unerheblicher Pluspunkt einer grünen Stadt. Ab etwa der Größe eine Fußballfelds kühlt eine Wiese auch die Luft in den umliegenden Straßen ab, je größer die Grünfläche, desto weiter reicht diese Wirkung. Bäume erzeugen Schatten und die Verdunstung über die Blätter kühlt die Umgebung ebenfalls ab. Je grüner also eine Metropole ist, desto geringer ist die Hitzebelastung und damit auch die gesundheitlichen Folgen der Erderwärmung.

Die grüne Stadt als Sportplatz und Erholungszone

Grüne Städte tun aber noch mehr für unsere Gesundheit. Nachhaltige Stadtentwicklung sorgt für mehr Bewegung bei ihren Einwohnern. Etwa, indem das Radwegenetz ausgebaut wird, um die Menschen zum Umstieg auf den Drahtesel zu bewegen, wenn schnell kürzere Strecken zurückgelegt werden sollen. Teilweise gibt es auch Projekte zum Einsatz von E-Bikes als Lastenfahrräder oder einen leicht zugänglichen Fahrradverleih an verschiedenen Orten in der Stadt.

Ausgedehnte Parks und Naherholungsgebiete laden zum Spazierengehen, Laufen oder sogar Wandern ein, wenn sie nah beieinander liegen. An einigen Orten gibt es Angebote wie Klettertürme oder Slacklines im Sommer, andere legen im Winter Langlaufloipen an.

Wem das zu langweilig ist, kann in der grünen Stadt der Zukunft auch einmal die Trendsportart Parkour ausprobieren. Springen, laufen, klettern, die Stadt wird zum Sportplatz und die Fortbewegung zum Abenteuer. Natürlich sollten die waghalsigen Manöver erst in sicherer Umgebung trainiert werden, ehe man sich an Treppen, Wände und Zäune wagt.

Da sich Gegensätze sprichwörtlich anziehen, kann eine grüne (Klein-)Stadt auch zur Ruheoase werden. Kleinstädte haben den Charme und Vorteil, viele Dinge in fußläufiger Entfernung zueinander angeordnet zu haben. Worum sich Megacities mit aufwendigen Maßnahmen bemühen müssen, ist in der Kleinstadt selbstverständlich: mit dem Fahrrad oder zu Fuß einkaufen, zum Frisör oder ins Restaurant. Bäume, Blumen und Grünflächen findet man in den Städtchen deutlich häufiger als in den Metropolen. In gewisser Weise sind also die als „langweilig“ verschrienen Kleinstädte so etwas wie Modelle für die Stadt der Zukunft.

Grüne Städte sind unsere gesunde Zukunft
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Patricia Jekki

Wir sind Teil der grünen Stadt

Eine Stadt kann allerdings immer nur so grün sein wie ihre Bewohner das zulassen. Das bedeutet, wir alle, die wir in größeren und kleineren Städten leben, müssen und sollen uns an der grünen Stadt der Zukunft beteiligen. Das beginnt beispielsweise damit, auf ein eigenes Auto zu verzichten, Carsharing zu nutzen oder, wo immer möglich, auf den öffentlichen Nahverkehr oder das Fahrrad umzusteigen.

Eine andere Möglichkeit, mit wenig Aufwand etwas für grünere Städte zu tun, wäre, Balkone und Fassaden zu begrünen oder sich Initiativen zum Urban Gardening anzuschließen. Auf diese Weise trägt man nicht nur zur Verbesserung der Luftqualität bei, sondern kann auch sein eigenes, gesundes Obst und Gemüse ernten.

Etwas mehr Aufwand erfordert die Installation einer Solaranlage auf dem Dach, um einen Teil der benötigten Energie selbst zu erzeugen oder darauf zu achten, dass beim Bauen und Renovieren eines Hauses nur nachhaltige Materialien zum Einsatz kommen. Nur selten kann man als Mieter über solche Dinge entscheiden, doch je mehr danach gefragt wird, desto öfter wird das Kriterium „Nachhaltigkeit“ auch bei Wohngebäude berücksichtigt werden.

Betonwüsten müssen zu grünen Oasen werden

Soll das Leben in der Großstadt nicht zur Belastung für unsere Gesundheit und Umwelt werden, müssen sich die Betonwüsten in grüne Oasen verwandeln. Nur dann können wir auch in der Stadt saubere Luft atmen und Zuflucht vor der Hitze des Sommers finden. Die grüne Stadt der Zukunft ist aber nicht nur einfach ein Konzept der Stadtentwickler, sondern wir alle können einen Beitrag dazu leisten, Ballungszentren lebenswerter und nachhaltiger zu gestalten.