weltverbesserer Leben Familie in Zahlen: Was die Statistik verrät

Familie in Zahlen: Was die Statistik verrät

Foto: CCO Public Domain / Unsplash - Sandy Millar

Familje, familia, familie, family, famille, famiglia – in so vielen Sprachen hat das Wort Familie die gleiche Wurzel – nicht nur etymologisch, sondern auch inhaltlich. Was bleibt, was geht und was kommt in einer Zeit, in der sich so viel ändert.

„Die Familie ist wie ein Baum. Die Zweige mögen in unterschiedliche Richtungen wachsen, doch die Wurzeln halten alles zusammen.“ Was ein unbekannter Autor so bildhaft formuliert hat, spiegelt sich wunderschön in der deutschen Statistik wider. 2019 ist die Familie für ganze 77 Prozent der Bevölkerung nach wie vor der wichtigste Lebensbereich. Erst mit einem großen Abstand folgen Beruf (10 Prozent), Freundeskreis (6 Prozent) und Hobbys (5 Prozent). Somit ist die Wertschätzung der Familie seit 2006 konstant hoch geblieben und ist nahezu unverändert.

Was sich verändert hat, sind manche Details. So entstehen Alleinerziehende- und Stieffamilien heute überwiegend aufgrund von Trennung und Scheidung. Und nicht wie vor hundert Jahren, weil ein Elternteil verstorben ist. Während es noch 1996 über 13 Millionen Familien mit mindestens einem Kind gab, ist die Zahl 2019 auf rund 11,56 Millionen geschrumpft. Das stimmt nachdenklich, zumal die Kinderwünsche der 16- bis 29-Jährigen nach wie vor hoch und im Vergleich zu 2003 gestiegen sind – nämlich von 49 auf 63 Prozent.

Frau hält Tasse "Like a boss"
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Brooke Lark

Drei von vier Müttern waren 2019 erwerbstätig

Was hätten wohl unsere Omas zu diesen Zahlen gesagt? Seit 2006 ist die Erwerbstätigenquote von Müttern kontinuierlich gestiegen – von 60 auf stolze 69 Prozent. Einerseits ist das ein gutes Zeichen, denn dadurch sind Frauen von den Männern tendenziell finanziell etwas unabhängiger. Wenn man sich allerdings anschaut, wie viel Mütter in Teilzeit arbeiten, sieht es mit der Absicherung im Rentenalter wieder weniger gut aus. Laut Angaben des Statistischen Bundesamts lag die Teilzeitquote bei Müttern in Deutschland 2018 bei 66,2 Prozent. Bei Vätern betrug sie hingegen nur 5,8 Prozent. Gleichzeitig widersprachen jedoch fast zwei Drittel (62 Prozent) der Deutschen der Auffassung, dass es die wichtigste Aufgabe eines Mannes sei, Geld zu verdienen.

Hier ist also bei der Verteilung der Arbeitskräfte in der Familie noch Luft nach oben. Warum und wie viel Mütter arbeiten, hängt von vielen komplexen Faktoren ab. Daher wäre es unfair, Frauen, die arbeiten oder eine Karriere aufbauen wollen, als Rabenmütter zu bezeichnen. Dasselbe gilt für die Super Moms – wir leben im 21. Jahrhundert und jede Mutter darf ihre Prioritäten setzen, wo sie möchte. Vorausgesetzt natürlich, die Familienverhältnisse und die finanzielle Situation erlauben das.

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Vater mit Tochter am See auf dem Steg
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Caleb Jones

Mehr als 40 Prozent der Väter gehen in Elternzeit

Der Wunsch nach einer gleichberechtigteren Aufgabenteilung zwischen Frauen und Männern wird hierzulande immer stärker. So lehnten knapp drei Viertel der Deutschen 2017 die Aussage ab, dass es die wichtigste Aufgabe einer Frau sei, sich um Haushalt und Familie zu kümmern. Damit lag Deutschland deutlich über dem EU-Durchschnitt (54 Prozent Ablehnung).

Dieses Ergebnis hat sicherlich mit einem Umdenken in der Gesellschaft zu tun. Doch ohne politische Strukturen, die dem ganzen eine stabile Basis bieten, würde es vermutlich anders aussehen. Dass Mütter und Väter sich Familien- und Arbeitszeit inzwischen vielfach anders untereinander aufteilen – dazu hat die Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 beigetragen. Bereits ein Jahr später machte jeder fünfte anspruchsberechtigte Vater (21 Prozent) davon Gebrauch. Seitdem hat sich diese Zahl sogar verdoppelt. Und seit der Einführung des ElterngeldPlus im Jahr 2015 ist die Inanspruchnahme noch mal kontinuierlich angestiegen. Immer mehr Väter reduzieren für einen befristeten Zeitraum ihre Arbeitsstunden. Oder sie steigen eine Zeit lang ganz aus der Erwerbstätigkeit aus, um Zeit mit ihrem Kind und für die Familie zu haben.

Hochzeitspaar mit Closup auf das Anlegen der Ringe
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Jeremy Wong Weddings

Durchschnittliches Heiratsalter steigt steil nach oben

Wir Deutsche heiraten gerne und das hat sich mit den Jahren nicht wesentlich geändert. Ganz im Gegenteil: Nach einer Flaute am Anfang des Jahrhunderts geben sich immer mehr Menschen das Jawort. Knapp zwei Drittel der jungen Menschen unter 40 Jahren empfinden die Ehe nicht für überholt. Auffällig ist jedoch, dass sowohl bei den Frauen als auch bei den Männern das durchschnittliche Heiratsalter im Zeitraum von 1991 bis 2018 um 6 Jahre nach oben gestiegen ist. 2018 betrug das Alter bei der Erst-Ehe für Männer 34,6 Jahre, für Frauen 32,1 Jahre. Das könnte zum einen daran liegen, dass die jungen Erwachsenen von heute sich zuerst auf ihre Ausbildung konzentrieren möchten, bevor sie den Hafen der Ehe ansteuern. Oder sie wollen vor der Familiengründung gerne die ersten Stufen der Karriereleiter erklimmen. 2016 waren vor dem „Ernst des Lebens“ ganze 61 Prozent mit Freunden als Gruppe auf Reisen unterwegs, 55 Prozent mit dem besten Freund /bester Freundin.

Hinzukommt, dass immer weniger junge Menschen sich „blind“ für eine Berufsausbildung oder Studium entscheiden, nur weil diese ihnen von Eltern oder Freunden nahegelegt wird. Lieber setzen sich zuerst mit ihrer eigenen Persönlichkeitsentwicklung auseinander und lernen sich so besser kennen. Dass sich das positiv auf Beziehungen auswirkt, dürfte sich bereits herumgesprochen haben.

Junge Deutsche aufgeschlossen gegenüber Social Freezing

Viele wollen Kinder, keine Frage, aber immer mehr nicht in ganz so jungen Jahren. Die Lösung, die sich laut einer Forsa-Studie einer steigenden Nachfrage erfreut, heißt Social Freezing. Darunter versteht man das Einfrieren von Ei- oder Samenzellen aus nicht medizinischen Gründen. Menschliche Zellen werden bereits seit den 1980er-Jahren mit steigendem Erfolg zur Konservierung tiefgefroren. Dank Social Freezing kann man sich zum „richtigen Zeitpunkt“ für eine Schwangerschaft entscheiden. Und somit selbstbestimmt bleiben und die eigenen Prioritäten setzen, heißt es in Werbeprospekten. Tatsächlich können sich immer mehr junge Menschen vorstellen, sich den Kinderwunsch erst später zu erfüllen. Generell verschiebt sich der Zeitpunkt laut der Studie immer weiter nach hinten. In 20 Jahren sei es nichts Ungewöhnliches mehr, wenn eine Frau im Alter von 50 Jahren ihr erstes Kind bekommt, gaben 37 Prozent der Befragten an. Noch gibt es jedoch keine aussagekräftigen Studien, wie viele tatsächlich Social Freezing machen.

Junge Familie in modischer Kleidung tanzt händchenhaltend auf dem Feld
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Claire Chang

Influencer Familien werden zum Trend

Perfekt inszenierte Insta-Familien, Influencer Mamas und sogar Kidfluencer sorgen für immer mehr Gesprächsstoff. Ob Babys und Kinder auf Social Media gezeigt werden sollten, sei dahingestellt. Fakt ist, dass sich in den letzten Jahren auf Instagram dieser Trend abzeichnet, der durchaus Beachtung verdient. Warum dieser Hunger, sein eigenes (nicht so perfektes) Leben mit Unbekannten zu vergleichen, die teilweise am anderen Ende der Welt leben? Ganz einfach: Die Influencer-Familien dienen als Inspirations- und Ideenquelle für (werdende) Mütter und Väter, weil sie in ihrem Leben mit ähnlichen Problemen fertig werden müssen: After-Baby-Body, Spielzeuge, Schwangerschaft, Kindererziehung, Familienalltag, Ernährung, Organisation usw. Zwischen den Influencern und ihren Communitys herrscht ein reger Austausch, es werden großzügig Tipps und Ratschläge geteilt. Interessant daran bleibt wohl, warum der eigene Freundeskreis oder die Familie dazu nicht mehr ausreicht, wie es mal früher war?

In den letzten Jahren sind viele Aspekte, was das Familienleben betrifft, gleichgeblieben. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass sich hier und da Trends bemerkbar machen. Und vielleicht sind einige davon bald die neue Normalität? Bleibt abzuwarten, welche diese sein werden.