weltverbesserer Leben Endlich Urlaub: Wie werden wir nach Corona reisen?

Endlich Urlaub: Wie werden wir nach Corona reisen?

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Meritt Thomas

Endlich Urlaub! Für viele von uns sind die Urlaubsreisen die schönste Zeit des Jahres. Den Alltag hinter sich lassen und für einige Zeit in eine andere Umgebung, vielleicht sogar eine andere Welt eintauchen. Das ist Balsam für die Seele. Wir lieben das Reisen, doch der Ausbruch der Corona-Pandemie hat uns im Frühjahr 2020 einen dicken Strich durch unsere Urlaubspläne gezogen. Statt Fernreisen, Sonne, Strand und Meer waren eher Balkonien und Baggersee angesagt. Aber hat das Auswirkungen darauf, wie wir zukünftig reisen? Wir denken schon.

Die unvermutete Einschränkung unserer gewohnten Reisefreiheit mag auf den ersten Blick ziemlich frustrierend erscheinen. Auf den zweiten Blick hat das Virus aber eigentlich eine positive Entwicklung beschleunigt, die sich längst abgezeichnet hatte. Weg vom Massentourismus und hin zu mehr Achtsamkeit, Entschleunigung und Individualität im Urlaub. Wir genießen das Reisen bewusster und stellen fest, wie viele schöne Flecken es in Deutschland und den Nachbarländern gibt.

Voller Stand mit vielen Menschen und türkisfarbenem Meer
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Emma Pailelex

Reisen 2019: Weiter, mehr und günstiger

2019 war ein Jahr der Superlative für die Reisebranche. Der Tourismus verzeichnete Rekorde, 2019 wurde so viel gereist wie nie zuvor. Rund 55 Millionen Deutsche unternahmen eine Reise, die fünf Tage oder länger dauerte. Für die mehr als 70 Millionen Urlaubsreisen im Jahr vor der Pandemie haben wir durchaus tief in die Tasche gegriffen: Im Durchschnitt wurden über 1.000 Euro pro Person und Urlaub ausgegeben.

Das Motto für den Urlaub 2019 könnte „Ab in den Süden!“ gewesen sein, denn mehr als die Hälfte der Deutschen suchte Erholung und Entspannung am Strand in der Sonne. Flüge nach Spanien, Griechenland oder Fernost waren vergleichsweise billig. Oft lockten Last-Minute-Angebote an exotische, tropische Ziele. Am besten All-Inclusive in Clubs und zu Schnäppchenpreisen, um möglichst viel Urlaub fürs Geld zu bekommen. Aber auch Städtereisen, Aktivurlaube oder Kreuzfahrten standen hoch im Kurs. Wir waren gerne und viel unterwegs und nutzten unsere Reisefreiheit aus – leider manchmal durchaus auf Kosten der Umwelt.

Wandern im hohen Gebirge auf Pfad mit schneebedeckten Bergen im Hintergrund
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Mats Hagwall

Die Pandemie und ihre Folgen

Den beinahe unendlichen Reisemöglichkeiten setzte die Corona-Pandemie ein jähes Ende. Reisebeschränkungen und Reisewarnungen waren die Folge, der Flugverkehr kam für ein paar Wochen sogar fast ganz zum Erliegen. Clubs, Hotels und Pensionen wurden geschlossen, Kreuzfahrten abgesagt – während des Lockdowns galten Ausgangsbeschränkungen, die Urlaubsreisen sogar völlig unmöglich machten.

Diese Einschnitte in unsere Freiheit waren ein Schock, bewirkten jedoch auch ein Umdenken. Die Prioritäten der Urlauber haben sich verschoben. Heute sind uns andere Kriterien für den perfekten Urlaub wichtiger als noch vor zwei Jahren. Der erzwungene Verzicht auf Billigflüge und schnelle Kurztrips rückte die Nachhaltigkeit stärker in den Fokus. Bei all den Unwägbarkeiten durch das Corona-Virus, sind Flexibilität in der Buchung und Sicherheit am Urlaubsort wichtige Aspekte geworden.

Auch Outdoor-Aktivitäten, etwa Radfahren oder Wandern, bekamen durch die Pandemie einen anderen Stellenwert. Wir suchen die Erholung jetzt wieder mehr in der Natur. In der Individualität und Ruhe, statt Party und Überdruss in lauten Clubs, Bars und riesigen Hotelanlagen zu feiern und Urlaub vom Urlaub zu brauchen.

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Neue Reisetrends

Einige der Veränderungen werden wahrscheinlich bleiben. Wir haben uns die wichtigsten Trends, die sich gerade abzeichnen, einmal genauer angeschaut:

Abkehr von Massentourismus und Flugreisen

Eine der deutlichsten Veränderungen in unserem Reiseverhalten ist das „Wie“ des Verreisens. Waren wir vor Corona noch gerne mit dem Flugzeug und in Gruppen unterwegs, zeichnet sich jetzt ein anderer Trend ab. Rund 17 Prozent der Deutschen wollen weniger fliegen, 11 Prozent Gruppenreisen und 12 Prozent Kreuzfahrten vermeiden. Camping, Radreisen und verreisen mit dem eigenen Auto stehen dagegen seit 2020 wieder hoch im Kurs.

Deutschland und Nachbarländer statt Fernreisen

Die Unsicherheit durch die Verbreitung des Virus’ macht uns auch „bodenständiger“. Zog es Urlauber noch bis vor zwei Jahren noch weit in die Ferne, etwa nach Asien, in die Karibik oder nach Afrika, wollen die Deutschen ihren Urlaub 2021 am liebsten Zuhause verbringen. Wenn es ins Ausland geht, dann am ehesten in Nachbarländer, die mit dem Auto, dem Zug oder dem Rad zu erreichen sind. Von dort kann man schnell wieder zurückkehren, sollte es die Situation erfordern.

Outdoor-Aktivitäten statt Strand und Städtetrip

Neben dem „Wie“ und „Wo“ unserer Reiseaktivitäten hat sich aber auch das „Was“ verändert. Stand vor Corona das Bedürfnis nach Erholung am Strand und die Erkundung von Städten bei aufregenden Kurztrips an vorderster Stelle, hat die Pandemie für eine neue Form von Naturverbundenheit gesorgt. Spaziergänge in Parks und Wäldern, Wanderungen in menschenleeren Regionen oder Ausflüge mit dem Rad haben uns daran erinnert, wie erholsam und wertvoll Zeit in der Natur sein kann. Entsprechend wollen wir das auch in unserem Urlaub genießen, Outdoor-Aktivitäten spielen in der Urlaubsplanung nach Corona eine wichtige Rolle.

Buchungsverhalten: spontaner und sorgfältiger

Eines ist klar: solange wir die Verbreitung des Virus’ nicht unter Kontrolle haben, müssen wir von Frühbucher-Rabatten Abstand nehmen. Zu unsicher ist die Prognose, ob und wo Reisebeschränkungen gelten werden, ob neue Mutationen auftreten oder Lockerungen später als geplant stattfinden können. Das beeinflusst auch unser Buchungsverhalten maßgeblich. Wir werden spontaner buchen und unsere Urlaubsreisen antreten, dabei aber viel sorgfältiger als bisher bei der Wahl unseres Urlaubsortes sein. Allein schon, um den Urlaub dann nicht plötzlich im Hotelzimmer eingesperrt verbringen zu müssen.

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Reisen nach Corona: Qualität statt Quantität

So bitter die Einschnitte in unsere Reisefreiheit durch die Corona-Pandemie auch gewesen sein mögen, sie haben doch auch etwas Positives mit sich gebracht. Wir haben wieder gelernt, das Reisen als etwas Besonderes zu begreifen und zu schätzen. Deutschland und seine Nachbarn haben als Urlaubsländer an Bedeutung gewonnen und uns gezeigt, dass auch in unserer Nähe sehr viele schöne Orte zu entdecken sind.

Mehr Naturverbundenheit führt dazu, dass wir auch im Urlaub auf die Nachhaltigkeit achten, statt für unser Vergnügen die Umwelt zu zerstören. Sanfter Tourismus, der individuelle Erlebnisse und Ruhe abseits der Massenhotspots verspricht, ist dank Corona auf dem Vormarsch. Das wird hoffentlich der bestimmende Trend der nächsten Jahre bleiben, auch ohne Bedrohung durch eine Pandemie.