weltverbesserer Leben Elisabeth Schwarzhaupt – Einzelkämpferin für Frauenrechte

Elisabeth Schwarzhaupt – Einzelkämpferin für Frauenrechte

Foto: iStock.com/Jaap2


Emma Sophie Elisabeth Schwarzhaupt – Elisabeth wer? Fragen sich jetzt wohl die meisten. Um es vorweg zu nehmen: Elisabeth Schwarzhaupt war die erste Frau, die 1961 ein deutsches Bundesministerium übernommen hat – nämlich das für Gesundheit. Warum sie damit die Welt der deutschen Politik mitbewegt hat? Lest selbst!

Aktuell sitzen sieben Ministerinnen im Bundeskabinett, damit besetzen Frauen fast die Hälfte der 16 Posten – so viel wie noch nie. Bevor Elisabeth Schwarzhaupt ihren Dienst antreten konnte, mussten erstmal CDU/CSU Frauen den Kabinettssaal blockieren, um endlich ein frauengeführtes Ministerium zu bekommen. Eine dieser Frauen war die damals achtzigjährige Abgeordnete Helene Weber, die Konrad Adenauer entgegnete: „Wir sind entschlossen hier nicht eher wegzugehen, bis wir eine Ministerin haben.“

Diese Forderung konnten die Frauen aus der Union durchsetzen. Und so wurde Elisabeth Schwarzhaupt „Frau Minister“. Ja, ihr hört richtig. Denn ihr Chef Konrad Adenauer, verweigerte ihr den Wunsch sie „Frau Ministerin“ zu nennen. Auf so einen neumodischen Firlefanz wollte sich der alternden Kanzler nicht mehr einstellen und so begrüßte er jeden Morgen seine Kabinettsrunde mit „Morjen meine Herren“. Als Elisabeth Schwarzhaupt auch dagegen protestierte, antwortete er nur lakonisch: „In diesem Kreis sind auch sie ein Herr“.

Elisabeth Schwarzhaupt, die Einzelkämpferin

So sah sie aus, die Frauen- und Männerwelt in der guten alten Bundesrepublik. Teilweise sogar hochoffiziell und gesetzlich verankert: Bis 1958 hatten Ehemänner zum Beispiel das Recht, den Arbeitsvertrag ihrer Frau fristlos und nach Belieben zu kündigen. (Bis 1977 mussten Frauen ihre Männer übrigens immer noch um Erlaubnis fragen, um einen neuen Job anzufangen). Ein eigenes Bankkonto durften Frauen bis 1962 ebenfalls nur mit Zustimmung ihres Mannes eröffnen und erst nach 1969 wurde eine Ehefrau rechtlich überhaupt erst als geschäftsfähig anerkannt.

Und wer weiß, wie lange diese unsäglichen Regelungen noch Bestand gehabt hätten, wenn nicht jene Elisabeth Schwarzhaupt ihnen den Kampf angesagt hätte. Schließlich sahen ihre männlichen Politikerkollegen diesbezüglich nicht wirklich dringenden Handlungsbedarf.

So war sie maßgeblich am Gleichstellungsgesetz beteiligt, dass die Rechte der Frauen ab 1958 schon mal deutlich verbesserte. Immer wieder legte sich Elisabeth Schwarzhaupt auch mit ihrer eigenen Fraktion an, um Frauen zu mehr Gleichberechtigung zu verhelfen. Zum Beispiel  beim „Gehorsamkeitsparagrafen“, der stand im BGB immer noch in der Fassung von 1900 und besagte, dass sich die Ehefrau bei allen Angelegenheiten der Ehe den Entscheidungen des Mannes zu unterwerfen habe.

Als dieser Paragraf geändert werden sollte, sprechen sich ihre männlichen Kabinettsmitglieder dagegen aus – sie wollten die alten Klauseln beibehalten. Also tritt Elisabeth Schwarzhaupt im Plenum vors Mikro und widerspricht öffentlich ihrer Fraktion. Am Ende sucht sie sich Verbündete aus anderen Fraktionen und sorgt dafür, dass die Unionsfraktion überstimmt und der Paragraf gekippt wird.

„Die Gesellschaft ändert sich – der Gesetzgeber reagiert – oft zu spät – und als Mann.“

Quelle: www.fembio.org

Errungenschaften in der Amtszeit

Auch in ihrer Zeit als Bundesgesundheitsministerin sorgt sie für einige Errungenschaften: Zum Beispiel für die Einführung der Polio-Schluckimpfung oder dafür, dass gesetzliche Krankenkassen die Krebsvorsorge für Frauen übernehmen.

Für uns ist Elisabeth Schwarzhaupt damit eine echte – wenn auch leider vergessene – Pionierin. Sie selbst sagte einmal über ihr Leben und Wirken:

„Ich selbst wollte diese Rolle, die meine Mutter vorlebte, nicht übernehmen. Zu einem Thema meines Lebens wurde die Frage, wie man die Rolle der Frau an neue Gesellschaftsformen so anpassen könnte, dass sie Kinder haben und doch mit gleichen Entwicklungschancen leben könnte wie der Mann.“

Quelle: Konrad Adenauer Stiftung

Eine Frage, mit der viele Frauen mit Job und Familie auch im Jahr 2020 noch konfrontiert sind.

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