weltverbesserer Wissen Drohnen: Hipper Trend oder doch nützliche Technologie?

Drohnen: Hipper Trend oder doch nützliche Technologie?

Foto: Connect world / stock.adobe.com

Ob als ferngesteuerte Spielzeuge oder als fliegende Kamerastationen für das perfekte Urlaubsvideo – in der privaten Freizeitnutzung werden Drohnen immer präsenter. Doch die Technologie kann noch viel mehr. Wir zeigen, wie zivile Drohnen zu einer besseren Welt beitragen können.

Luftaufnahmen waren mal was sehr Exklusives. Fotografen mussten dafür Flugzeuge samt Piloten chartern, was solche Bilder natürlich ziemlich teuer machte. Kein Wunder also, dass sie im privaten Bereich bis vor ein paar Jahren noch kaum vorkamen. Heute ist es für uns relativ einfach und bezahlbar geworden, Fotos aus 100 Meter Höhe zu schießen oder Videos mit rasanten Kamerafahrten aus der Vogelperspektive zu drehen. Alles was wir dafür benötigen, ist eine ferngesteuerte Drohne – und natürlich etwas Navigations-Geschick.

Dass Drohnen inzwischen das Zeug zum privaten Freizeittrend haben, liegt nicht zuletzt an der schnellen technologischen Entwicklung, die solche ferngesteuerten Fluggeräte in einfachen Ausführungen immer günstiger werden lässt. Längst gibt es Mainstream-Modelle für den Privatgebrauch, die wir zwischen TV-Geräten und Waschmaschinen im Technikmarkt kaufen und mit unseren Smartphones steuern können. Und wenn wir beim Spazierengehen jemanden sehen, der auf dem Feld gerade ein kleines Fluggerät in die Luft steigen lässt, ist das zwar immer noch kein alltäglicher Anblick, aber in der Regel ebenso wenig überraschend wie Instagram-Videos, in denen Menschen sich samt Urlaubsstrand von oben gefilmt haben.

Drohnen sind kein exotisches Thema mehr. Fast 385.000 Geräte soll es hierzulande in Privathaushalten geben. Das sind die optimistischen Schätzungen des von Wirtschaftsvertretern betriebenen „Verband Unbemannte Luftfahrt“ in einer Analyse des deutschen Drohnenmarktes. Während ein knappes Drittel davon Spielzeugdrohnen seien, sei der Rest technologisch schon im sogenannten Prosumer-Bereich. Sprich etwas anspruchsvoller ausgestattet – unter anderem mit einer kleinen Kamera. Im kommerziellen Bereich seien rund 45.000 der Fluggeräte in Einsatz, so die Analyse. Allerdings werde sich das Verhältnis in Zukunft verschieben: Zurzeit werde in Deutschland nur eine von neun Drohnen kommerziell betrieben, 2025 soll es bereits jede dritte sein.

Drohnen sind im privaten Einsatz sehr beliebt
Foto: CC0 Public Domain / Unspalsh – David Henrichs

Drohnenverordnung regelt die Nutzung

Angesichts solcher Zahlen wird schnell klar, dass Drohnen auch einige gesellschaftliche Reibungspunkte bieten. Und damit ist nicht nur gemeint, dass es ganz schön nerven kann, wenn beim Picknick in einem idyllischen Park plötzlich so eine Propellermaschine an uns vorbeifliegt. Die zunehmende gewerbliche und private Nutzung von Drohnen wirft vielmehr neue juristische Fragen auf. Wie und von wem darf der Luftraum genutzt werden? Wie sieht es mit dem Schutz und der Wahrung der Privatsphäre aus, wenn kamerabestückte Drohnen überall hinkommen? Und wer haftet eigentlich, wenn eine Drohne etwas beschädigt?

Tatsächlich ist das alles bereits seit einiger Zeit gesetzlich geregelt – 2021 setzte zudem eine neue Drohnenverordnung EU-Vorgaben um. So müssen zum Beispiel Drohnen mit Kameras oder datenerfassenden Sensoren inzwischen beim Luftfahrtbundesamt registriert werden. Andere erst ab einem Gewicht von 250 Gramm. Außerdem dürfen die ferngesteuerten Flugobjekte nur maximal 120 Meter hoch in die Luft und nur in Sichtweite fliegen. Orte wie etwa Flughäfen, Krankenhäuser, Naturschutzgebiete oder Wohnhäuser sind dabei Tabu. Wie beim Auto ist eine Haftpflichtversicherung für die Drohnenbesitzer verpflichtend. Und klar, einfach alles filmen, was der Drohne vor die Linse kommt, ist auch nicht erlaubt. Dafür sorgt schon allein das Persönlichkeitsrecht, das davor schützt, dass andere uns einfach ungefragt ablichten.

TK Leistung Erste Hilfe

Drohnen können mehr als fliegen

Was für Hobby-Drohnenbesitzer ziemlich regulierend klingen dürfte, ist aber eine wichtige Grundlage für die Integration von Drohnen in unser Lebensumfeld. Und die wird sicherlich mehr werden, je stärker sich der professionelle Einsatz der Fluggeräte etabliert. Denn gerade in diesem Bereich können Drohnen ihr Potenzial für unsere Gesellschaft erst richtig ausspielen. Etwa beim Umweltschutz, im Einsatz bei Katastrophen und natürlich auch bei der medizinischen Versorgung von Menschen.

Tatsächlich gibt es bereits zahlreiche Projekte, die klarmachen, dass Drohnen richtig praktische Werkzeuge sind oder es zumindest irgendwann sein können. Vorausgesetzt sie sind technisch noch ausgereifter und autonomer. Und es ist kaum verwunderlich, dass Logistikunternehmen wie Amazon, DHL oder UPS, aber auch Technologie-Unternehmen wie Google die Möglichkeiten von Drohnen für ihre Zwecke erproben und teilweise auch deren Weiterentwicklung technologisch vorantreiben. Warenauslieferung per Drohne – vielleicht wird das irgendwann mal ganz normal.

Aber natürlich geht es dabei nicht nur um unseren persönlichen Komfort. Was Drohnen für unsere Gesellschaft leisten können, zeigt sich vor allem in Situationen, in denen wir vor besonderen Herausforderungen stehen.

Drohnen liefern Live-Bilder für den Rettungseinsatz
Foto: CC0 Public Domain / Unspalsh – John Such

Live-Bilder für den Rettungseinsatz

Zum Beispiel, wenn Rettungskräfte bei Katastrophen ihre Einsätze koordinieren. Mehrere wissenschaftliche Projekte arbeiten daran, möglichst autonome Fluggeräte für solche Zwecke zu entwickeln. Etwa an Drohnen mit Wärmebildkameras, die bei Erdbeben oder Hochwasser in unzugänglichen Gegenden nach Verletzten suchen könnten. Oder das Multicopter-Projekt CopKa an der Technischen Universität München, mit dem sich die Feuerwehr künftig an Unfallorten mit satellitenübertragenen Live-Bildern einen Gesamtüberblick für ihren Einsatz verschaffen soll.

Solche Projekte sind sicherlich erst der Anfang, aber auch die Politik sieht die neuen Möglichkeiten. „Wir wollen diese Fluggeräte in der nächsten Zeit zu einem Standardeinsatzmittel im Katastrophenschutz machen“, sagte 2017 der damalige Bundesinnenminister Thomas de Maizière.

Drohnen im Einsatz für medizinische Zwecke
Foto: CC0 Public Domain / Unspalsh – Kal Visuals

Medikamente, Defibrillatoren und Laborproben per Drohne

Im Bereich der medizinischen Versorgung können Drohnen wiederum ihr Potenzial als fliegende Transportgeräte richtig ausspielen. Gerade in Gegenden mit schlecht ausgebauter Infrastruktur können sie dabei helfen, medizinische Hilfsgüter auszuliefern. So startete das US-Robotik-Unternehmen Zipline bereits 2016 einen Dienst, der erst in Ruanda, später auch in Ghana mit autonom fliegenden Drohnen Blutkonserven und medizinische Hilfsgüter an abgelegene Krankenhäuser lieferte. Im Zuge der Corona-Pandemie diente die so aufgebaute Technologie auch dazu, um Covid-Testproben aus ländlichen Einrichtungen zur Analyse in die Städte zu transportieren.

In eine ähnliche Richtung geht Matternet, ebenfalls ein Pionierunternehmen in Sachen Medizintransport per Drohne. Das Unternehmen probiert inzwischen sogar in Deutschland aus, wie medizinische Drohnenlogistik in einer Großstadt funktionieren könnte. Gemeinsam mit dem zur Berliner Krankenhausgesellschaft Charité gehörenden Labor Berlin wird seit 2020 erprobt, wie der innerstädtische Transport von Testproben per Drohne funktionieren kann.

Und dann sind da medizinische Notfälle, bei denen es auf Minuten ankommt. Eine US-Studie hat ergeben, dass Drohnen in solchen Momenten bis zu drei Minuten schneller einen Defibrillator anliefern können, als wenn vor Ort nach einem stationär aufbewahrten Gerät gesucht werden muss. Auch in Deutschland prüft ein Pilotprojekt der Universitätsmedizin Greifswald und der DRF Luftrettung, ob solche „Defi-Drohnen“ wertvolle Minuten einsparen können, wenn Ersthelfende bei einem Herzstillstand vor Ort keinen Zugriff auf einen Defibrillator haben. Und in Schweden entwickelt ein Unternehmen sogar ein Programm, das alle Menschen in der Stadt Göteburg in solchen Fällen mit Defibrillatoren versorgen soll – geliefert von autonomen Drohnen.

Gletscher Aerials für die Beobachtung von Gletschern und zur Forschung
Foto: CC0 Public Domain / Unspalsh – Annie Spratt

Gletscherbeobachtung und autonome Aufforstung

Selbst beim Umwelt- und Klimaschutz könnten Drohnen künftig eine unterstützende Rolle spielen. Beispielsweise bei der Dokumentation von Veränderungen an Gletschern, Polkappen oder Waldgebieten. In Costa Rica zum Beispiel zeichnet das Projekt „Deep Forest“ mit Drohnen die Auswirkungen der illegalen Abholzung auf. Und das kanadische Unternehmen Flash Forest hat sich auf die Pflanzung vom Bäumen mit Drohnen spezialisiert, die aus der Luft Samen in den Boden schießen.

Man sieht: Zivile Drohnen haben ganz schön viel Potenzial für die Infrastruktur einer besseren Welt – gerade dort, wo sie an sonst unzugängliche Stellen kommen können. Oder wo Menschen so abgelegen leben, dass sie bislang von der medizinischen Versorgung abgeschnitten sind. Und klar, das ist eine sehr junge Technologie, deren Einsatzszenarios sich manchmal vielleicht noch etwas nach Science-Fiction anhören.

Drohnen im innerstädischen Bereich als mobiler WIFI Spot
Foto: CC0 Public Domain / Unspalsh – David von Diemar

Fliegender WLAN-Hotspot für Home-Schooling

Aber tatsächlich verändert Technologie unser Leben oft schneller als wir es uns vorstellen können. Wir kennen das von den Smartphones. Vor der Markteinführung des iPhones 2007 gab es solche Geräte schlicht nicht oder zumindest nur in sehr rudimentären Ansätzen. Doch innerhalb weniger Jahre haben Smartphones nicht nur unsere Kommunikation grundlegend verändert, sondern ganze Wirtschaftsbereiche auf den Kopf gestellt. Wenn die professionelle Nutzung von Drohnen und ihre technologische Verbesserung nur ansatzweise so eine Entwicklung durchlaufen sollte, kann man sich vorstellen, was noch alles möglich ist.

Und manchmal sind es vielleicht sogar die kleinen Lösungen, die eine Technologie in die Gesellschaft bringen. Wie dieses Projekt in US-Bundesstaat Wisconsin. Dort konnten viele Schülerinnen und Schüler eines abgelegenen Ortes während des Corona-Lockdowns nicht am Home-Schooling teilnehmen, weil das Netz zu schwach war. Die Lösung: Eine mit Mobilfunk ausgestatte Drohne, die als fliegender WLAN-Hotspot das Internet eben auf diesem Weg zu den Schülerinnen und Schülern bringt.

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