weltverbesserer Machen Digitale Gesundheit: Ein Gespräch mit Tobias Krick

Digitale Gesundheit: Ein Gespräch mit Tobias Krick

Fotos: Privat; j-mel / stock.adobe.com

Die Zukunft der Medizin bedeutet für Patient:innen digitale Gesundheit mit Aussicht auf digitale Angebote und Versorgung. Um Digital Health Care bestmöglich auf den Weg zu bringen, arbeiten Gesundheitswesen, Unternehmen und Forschung gemeinsam an der Zukunft der medizinischen Versorgung. Wir haben mit Tobias Krick, Mitgründer und Geschäftsführer von Healthcare Innovations darüber gesprochen, was hinter Digital Health Care steckt, wie es funktioniert und was dazu nötig ist.

Sprechstunden per Video, Telemedizin oder ein Rezept vom Arzt per App, digital Health Care bedeutet viel mehr als das. Bei digital Health geht es darum, Methoden und Denkweisen unterschiedlicher Fachrichtungen miteinander zu verbinden. Gesundheitswesen, Unternehmen und Projektverantwortliche arbeiten hierbei zusammen, um die digitalen Angebote im Bereich digital Health für alle Beteiligten zusammen zu bringen. In der gemeinsamen Zusammenarbeit ist vor allem der Prozess der Verständigung und des Austausches wichtig, der zwischen den einzelnen Fachbereichen stattfindet.

Ziel von digital Health Care ist es, die Effizienz der Gesundheitsversorgung für das Gesundheitswesen, Ärzt:innen und Patient:innen zu verbessern, um beispielsweise Arzneimittel individueller und damit wirkungsvoller einsetzen zu können. Wir haben mit Tobias Krick, Mitgründer und Geschäftsführer von Healthcare Innovations über Arbeit und Motivation für digital Health Care gesprochen. Das Netzwerk vernetzt dabei innovative Akteure aus der Gesundheitswirtschaft miteinander und arbeitet daran, dass alle Beteiligten die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen können.

Weltverbesserer.de: Hallo Herr Krick, worum geht es bei Digitaler Gesundheit bzw Digital Health Care?

Tobias Krick: Es gibt sicher viele verschiedene Definitionen für Digital Health Care. Für mich bedeutet es, dass wir durch die Möglichkeiten der Digitalisierung an allen relevanten Stellen in der Gesundheitsversorgung einen Mehrwert für die beteiligten Personen und Institutionen schaffen können und sollten.

Auf der Seite der Patient:innen und zu Pflegenden bedeutet dies im Idealfall eine Versorgungsverbesserung und auf der Seite der Ärzt:innen und Pflegekräfte eine gleichzeitige Verbesserung von Prozessen und Strukturen. Für Krankenkassen könnte Digital Health Care Teil einer verbesserten Versorgungssteuerung oder die Vereinfachung der Kommunikation mit den Versicherten sein. Wichtig ist dabei: Digitalisierung kann nur so viel Mehrwert schaffen, wie wir zulassen.

TK Leistung Aerztezentrum

Wie sind Sie auf die Idee zu „Healthcare Innovations“ gekommen?

Healthcare Innovations entstand auf derselben Grundlage, die uns bis heute antreibt. Es ist extrem schwer digitale Innovationen im Gesundheitssystem nachhaltig zu etablieren. Ein wichtiger Bestandteil dieser Schwierigkeit ist das Fehlen des digitalen „Mindset“. Um die Chancen und Möglichkeiten der Digitalisierung besser verstehen zu können, muss man sich trauen out-of-the-box zu denken und sich auf neue Konzepte einlassen.

Dies fällt leider auch heute noch vielen Menschen im Gesundheitswesen schwer. Man muss dafür in der Lage sein, sich in unterschiedlichste Perspektiven zu versetzen. Das ist aber im Berufsalltag oft nicht notwendig, weil wir durch die Sektorierung des Gesundheitswesens einzelne Teilbereiche geschaffen haben, die nur bedingt gut zusammenarbeiten. Wichtig ist daher die kontinuierliche Kommunikation der unterschiedlichen Akteursgruppen. Wir wollen durch unsere Netzwerk Aktivitäten einen Beitrag dazu leisten, dass digitale Innovationen im Gesundheitswesen ihre Wirkung entfalten können.

Wie funktioniert das Prinzip bei Ihnen?

Wir arbeiten in kleineren Unternetzwerken, so genannte Konsortien beziehungsweise Communities, in denen wir die einzelnen Mitglieder untereinander und ebenso mit den anderen Netzwerkmitgliedern vernetzen und sie beim Thema Digitalisierung unterstützen. Außerdem veranstalten wir (online) Events und ermöglichen unseren Mitgliedern (digitale) Sichtbarkeit und die richtigen Kontakte. Zusätzlich schaffen wir durch die Nutzung neuer, digitaler Kommunikationsmedien Aufmerksamkeit und Awareness für das Thema Digitalisierung im Gesundheitswesen.

Symbolbild für Digitale Gesundheit Mann hat eine virtuelle Brille auf und zwei Steuerungsmodule in den Händen
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Maxim Tolchinskiy

Wer trifft bei Healthcare Innovations so aufeinander?

Bei uns Treffen unterschiedlichste Stakeholder aus dem Gesundheitswesen aufeinander. Dazu gehören: Healthcare Start-ups, KMU (Anmerkung der Redaktion: kleines oder mittleres Unternehmen), Krankenhäuser, Krankenkassen, Pflegeeinrichtungen, Investoren, Wissenschaft, Beratungsunternehmen, Expert:innen, Fachgesellschaften, Politik.

Woran arbeiten Sie aktuell bei Healthcare Innovations?

Ich arbeite insbesondere an Kooperationsprojekten, weil ich davon überzeugt bin, dass in langfristigen Kooperationen das größte Potenzial für das Gesundheitswesen steckt. Diese Projekte sind sowohl technologische Kooperationen als auch Unternehmenspartnerschaften.

Lies dazu auch: Medizinische Innovationen – entwickeln, helfen und Gutes tun

Symbolbild digitale Gesundheit zwei Kollegen sitzen miteinander vor zwei Laptops und besprechen gemeinsam Aufzeichnungen
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Scott Graham

Gibt es ein besonders spannendes Projekt im bereich Digitale Gesundheit, das Sie aktuell begeistert?

Mich begeistert unser KHZG Konsortium, in dem wir 12 Healthcare Start-ups beziehungsweise KMU zusammengeführt haben, um zu ermöglichen, dass auch diese Unternehmen von den Förderungen des Krankenhauszukunftsgesetzes profitieren können. Neben den inhaltlichen Erfolgen und der gemeinsamen Sichtbarkeit begeistert mich vor allem der zwischenmenschliche Zusammenhalt und die Energie, die unsere Mitglieder gemeinsam auf die Straße bringen.

Wie sehen Sie die Zukunft der digitalen Medizin?

Die Zukunft der digitalen Medizin lebt von mehr Patientenautonomie durch digitale Unterstützungstools (Wearables). Wir werden mehr denn je über unseren eigenen Körper und Gesundheitszustand wissen und mit diesem Wissen entstehen neue Chancen und sicher auch einige neue Probleme.

Außerdem wird die Medizin durch digitale Tools präziser und individueller werden. Hier fällt häufig das Stichwort der Präzisionsmedizin, welche beispielsweise durch KI-basierte Analysemethoden noch individuellere Therapieoptionen ermöglichen kann. Wenn wir zudem die Daten, die täglich in der medizinischen Versorgung entstehen, europa- bezieungsweise weltweit besser für Forschungszwecke einsetzen könnten und würden, dann sind die Chancen, dass wir alle ein längeres und gesünderes Leben führen können, recht gut.

Symbolbild digitale Gesundheit weibliche Hände arbeiten an einem Laptop, daneben liegt ein Stetoskop auf dem Tisch
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – National Cancer Institute

Was kann die Gesundheitsbranche zu einer gesunden und nachhaltigeren Welt beitragen? 

Die Gesundheitswirtschaft muss ihren Beitrag zu diesen Themen leisten, genau wie alle anderen gesellschaftlich relevanten Bereiche auch. Allein in Deutschland arbeiten mehr als 7,6 Mio. Menschen in der Gesundheitswirtschaft.

Man sagt doch so schön: jede:r sollte vor seiner eigenen Tür kehren. Daher sollten wir zunächst damit beginnen, die Gesundheit der Menschen im Gesundheitswesen zu verbessern. Die Arbeitsbelastung ist in vielen Bereichen enorm hoch. Die Strukturen sind veraltet und wir könnten definitiv damit beginnen zum Gesundheitszustand der Menschen im Gesundheitssystem durch bessere Bedingungen beizutragen.

Gleichermaßen gilt es für das Thema Nachhaltigkeit: nachhaltige Lieferketten, nachhaltige Produkte, nachhaltiger Umgang mit den Materialien im Gesundheitswesen, nachhaltige und sozial verträgliche Personalkonzepte, nachhaltige Ausbildungskonzepte, nachhaltige Finanzierung, ethisches Handeln auf allen Ebenen und vor allem die nachhaltige Gesundheitsversorgung und Pflege – all das liegt in unserer Hand. Wir müssen uns nur aktiv damit auseinandersetzen und beschließen, dass wir unseren Beitrag leisten wollen und es dann auch tun.

Heute in 10 Jahre, welches für Sie wichtige Ziel hätten Sie bis dahin erreicht?

Es ist schwierig, sich für eines zu entscheiden, weil ich viele Ziele habe. Ein Ziel ist definitiv, zum besseren gegenseitigen Verständnis der Akteure im Gesundheitswesen beigetragen zu haben. Überall dauerhafte (auch digitale) Kooperationsprojekte zu sehen, die den üblichen Projektzeitraum von drei Jahren überschritten haben und somit (und darum sollte es ja immer bei Digital Health Care gehen), zu einer Verbesserung der Gesundheitsversorgung und aller beteiligten Akteursgruppen geführt haben.

Vielen Dank für das Gespräch zur digitalen Gesundheit!

Tobias Krick ist Mitgründer und Geschäftsführer von Healthcare Innovations, einem Netzwerk, welches innovative Akteure aus der Gesundheitswirtschaft miteinander vernetzt, um die Chancen der Digitalisierung optimal nutzen zu können. Er ist außerdem Gastgeber des Podcasts „Healthcare out-of-the-box“, Autor in verschiedenen Fachzeitschriften und Büchern, sowie Teil des BMBF geförderten Cluster Zukunft der Pflege und aktiver Teil der Healthcare-Community in verschiedenen Social-Media-Kanälen. Tobias Krick setzt sich auf allen Ebenen aktiv für mehr sinnvolle Innovation im Gesundheitssektor ein und fordert insbesondere ein „out-of-the-box“-Denken und mehr gegenseitige Wertschätzung.