weltverbesserer Wissen Digitale Assistenten: Fluch oder Segen?

Digitale Assistenten: Fluch oder Segen?

Fotos: fizkes / stock.adobe.com; filborg / creativemarket.com

„Licht an! Und spiele mein Lieblingslied!“ Heute können wir uns alle wie kleine Königinnen und Könige fühlen, die einfach einen Befehl rufen und deren Wünsche dann augenblicklich erfüllt werden. Dabei sind es nicht unsere Untertanen, die geschwind tun, was wir fordern – sondern digitale Assistenten.

Mit der Digitalisierung 4.0 schreiten auch die Entwicklungen in eine immer stärker vernetzte Gesellschaft voran. Kaum einer kommt ohne digitale Alltagshelfer aus: Ob mit dem Navi fremde Gebiete erkunden, durch ein sprachgesteuertes Helferlein neue Rezepte finden oder eine Einkaufsliste in den Raum rufen und ohne einen einzigen Kopfdruck bestellen, was fehlt. Erleichtern digitale Assistenten unser Leben – oder sind sie vielleicht sogar gefährlich?

Was sind digitale Assistenten?

Alles fing mit einem digitalen Assistenten an, der in ein Smartphone eingebettet war. Personal Digital Assistant (PDAs) gehören zu den neuesten Technik-Gadget auf dem Markt. Dazu zählen sowohl Sprachassistenten, GPS-Tracker oder Brillen, die blinden Menschen neue Informationen liefern. PDAs wollen unser Leben komfortabler mache, sie eröffnen neue Einblicke und erleichtern den Alltag. So kann die Küchenmaschine durch einen PDA aufgemotzt werden, so dass sie selbstständig um die nötigen Zutaten in der richtigen Menge bittet.

Anfangs waren vor allem die Deutschen noch etwas zögerlich, die digitalen Helferlein in ihr Zuhause und ihr Leben zu lassen. Heute gibt es weltweit schätzungsweise 225 Millionen Assistenten – auch in Deutschland. Laut einer IDC Studie zum Wachstum des Smart Home-Marktes könnten Anfang 2023 bereits bis zu 1,6 Milliarden Smart Home-Geräte ausgeliefert worden sein, wenn die Nachfrage den Erwartungen der Experten entspricht.

Handydisplay, das alle auf dem Smartphone installierten Apps und digitalen Assistenten Dienste anzeigt
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Sara Kurfess

Welche digitalen Assistenten gibt es inzwischen?

Sprachassistenten

Wenn die Menschen früher in Ihr Telefon gesprochen haben, nannte sich das noch Telefonieren. Heute sprechen wir mit unseren Smartphones und geben unseren Sprachassistenten Anweisungen oder stellen Ihnen Fragen wie einem Orakel. Und je besser die Assistenten und Ihre Algorithmen werden, desto besser unterstützen sie uns im Alltag. Vor allem junge Menschen zwischen 14 und 19 Jahren nutzen Sprachsteuerungen: 87 Prozent von Ihnen haben sie bereits ausprobiert und 44 Prozent nutzen sie regelmäßig. In dieser Altersgruppe löst die Spracheingabe zunehmend das Eintippen von Suchbegriffen über die Tastatur des Smartphones oder Computers ab.

So beschleunigen die Assistenten unsere Suche nach Informationen um ein Vielfaches. Statt immer neue Suchbegriffe einzugeben, können wir mit Google, Siri und Co. mittlerweile ganze Gespräche führen, in denen wir alles zu einem Thema erfahren, was wir wissen wollen: vom perfekten Tapas-Restaurant am Urlaubsort bis zur Raumzeitkrümmung in der Nähe Schwarzer Löcher. Die einen hassen sie, die anderen lieben sie: die Sprachnachricht. 40 Prozent der Deutschen verschicken mindestens einmal pro Woche eine Sprachnachricht.

Lies dazu auch: Familienzeit: Wie durchdringt die Digitalisierung unser Familienleben?

Sprachsteuerung lässt Barrieren schrumpfen

Was für den einen lästig ist, ist für Menschen mit einer Sehbehinderung oder einer Lese-Rechtschreibschwäche äußerst hilfreich: die Sprachsteuerung. Denn über die Spracheingabe können sie ihr Smartphone fast ebenso einfach nutzen wie sehende Menschen. Mit einem Screenreader können sie sich vorlesen lassen, was auf Ihrem Bildschirm zu sehen ist, welche Apps sie dort finden und diese über den digitalen Assistenten aufrufen und darüber beispielsweise Nachrichten verfassen und verschicken. So reduzieren Sprachassistenten Barrieren, die die digitale Welt immer noch bereithält.

Innenraum eines Autos mit eingeschalteten digitalen Assistenten wie Musik-Service
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Erik Mclean

Selbstfahrende Autos

Sie fahren wie von Geisterhand – aber nicht in Deutschland. Autonomes Fahren passiert hierzulande eher „heimlich“, durch digitale Assistenzsysteme, die im Notfall selbstständig bremsen, bei höheren Geschwindigkeiten lenken und automatisch einen sicheren Abstand zu vorausfahrenden Autos halten oder Ihnen dabei helfen, die Spur zu halten. Doch es gibt Grenzen – noch.

Diese teilautomatisierten Fahrzeuge entsprechen der zweiten von fünf Stufen des autonomen Fahrens. All den Assistenten dieser Stufe ist gemein, dass sie die Kontrolle an den Fahrenden zurückgeben, wenn die Lage gefährlich zu werden droht. Die letzte Verantwortung liegt also weiterhin beim Menschen. Deshalb kannst du bei einigen selbstfahrenden Autos zwar die Hände vom Lenkrad nehmen, aber nur für ein paar Sekunden. Denn dann beschwert sich das Auto mit einem Warnton und drängt dich zur Eigenverantwortung. Und wenn du nicht reagierst, schaltet sich der Assistent ganz ab. So ganz selbstfahrend sind unsere Autos also momentan noch nicht unterwegs.

Smartphone liegt neben einer Tasse auf einem Tisch
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Das Smartphone hört mit

Doch die schöne neue digitale Sprachassistenten-Welt hat auch ihre Schattenseiten, denn immer wieder wird Kritik laut: Technische Helfer sind gar nicht unsere Freunde und Helfer in der Not, sondern sollen in Wahrheit ausgebuffte Spione sein. Denn auch wenn die Nutzenden die Interaktion mit Ihrem digitalen Assistenten beendet haben, läuft die Spracherkennungs-App im Hintergrund oft weiter. Ohne, dass wir etwas davon mitbekommen. Daraus schließen Forschende sowohl, dass die Apps uns problemlos belauschen können, also auch dass die aufgezeichneten Gespräche an den Anbieter geschickt werden können. Denn die Ohren des digitalen Assistenten sind rund um die Uhr offen, könnten wir doch auch mitten in der Nacht noch einen dringenden Wunsch haben.

Immer häufiger werden auch Bedenken laut, dass gerade soziale Medien auf das reagieren, was wir in der Nähe unseres Smartphones sagen: Wir reden über das Baby einer Freundin und schon tauchen in den nächsten Tagen auf wundersame Weise Werbung für Kinderwagen, Strampler und Windeln am Bildrand und im Newsfeed auf.

Während viele Menschen sich dadurch ausspioniert fühlen, finden vor allem Menschen außerhalb Deutschlands das sehr aufmerksam von Ihrem Smartphone. Denn so bekommen sie genau die Informationen, die gerade für sie relevant sind. Dennoch bemängeln manche, dass wir wenigstens die Wahl haben sollten, ob wir diesen Service überhaupt in Anspruch nehmen möchten.

Wenn der Algorithmus ein Rassist ist

Doch die digitalen Assistenten stellen uns noch vor ganz andere, deutlich menschliche Probleme: sie haben Vorurteile. Da sie auf der Basis dessen lernen, was wir alle so im Internet treiben, übernehmen die Algorithmen, die den Assistenten zugrunde liegen, auch unsere Klischees und Voreingenommenheit. So beschriftete eine Google-Software ein Foto einer afroamerikanischen Frau mit dem Wort „Gorilla“, während weiße Babys und Seerobben für die künstliche Intelligenz zum Verwechseln ähnlich aussahen. Und wenn man nach Frisuren googelt, findet man vor allem Fotos von blonden Menschen mit kaukasischem Typ. Sogar ein digitales System, das Richter:innen bei der Entscheidung unterstützen sollte, ob Häftlinge entlassen werden sollten, prognostizierten dunkelhäutigen Menschen eine höhere Rückfallquote.

Denn wer von Maschinen und digitalen Assistenzen Neutralität und rationales Denken erwartet, hat sich verrechnet: Google hat eindeutig Vorlieben. Diese basieren auf dem, was die Gesellschaft aktuell zu bevorzugen scheint. Der Algorithmus wird so zum Sprachrohr unserer leisen Vorurteile. Dadurch sind manche digitalen Assistenten durchaus mit Vorsicht zu genießen.

Bildschirm mit Entwurf für einen Kundenchat als digitale Assistenten
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Sigmund

Virtueller Kundenservice

Hattest du schon mal das Gefühl, dass der Mitarbeitende im Service-Chat nicht richtig liest, was du ihm geschrieben hast? Passten die Antworten nicht so ganz zu deiner Anfrage oder wiederholten sich ständig? Vermutlich hast du dann nicht mit einem übermüdeten Support sondern mit einem digitalen Assistenten geschrieben.

Denn gerade im Kunden-Chat auf Websites haben wir es häufig mit Bots zu tun – was mal gut und mal weniger gut sein kann. Hier wird deutlich, dass die Grenzen zwischen digitalen Assistent:innen und Künstlicher Intelligenz fließend sind. Die künstlichen Mitarbeiter:innen erleichtern den menschlichen Mitarbeitenden die Arbeit, weil die digitalen Assistenten:innen im Idealfall schon mal vorfühlen können, was die User:innen brauchen. Entweder kann der digitale Assistent selbst die passende Lösung anbieten oder an den passenden Menschen weiterleiten. Bei einer gut programmierten künstlichen Intelligenz merken die Nutzenden manchmal gar nicht, dass sie es nicht mit einem Menschen zu tun hatten.

Bestelldienste

Für manche Menschen gibt es kaum eine größere Katastrophe, als morgens vor einer leeren Kaffeedose zu stehen. Damit sie nicht unterkoffeiniert in den Tag starten müssen, gibt es seit einigen Jahren den Dash-Button: einen physischen Knopf, mit dem du genau ein Produkt auf Knopfdruck bestellen kann: Waschmittel, Toilettenpapier oder eben den lebensrettenden Kaffee. Mittlerweile gibt es auch virtuelle Dash-Buttons, mit denen das nachbestellen alltäglicher Verbrauchsgüter noch schneller geht.

TK Leistung Antistresscoach

Digitale Entspannung

Doch die digitalen Assistent:innen können noch viel mehr: Wenn der Tag lang war und die Schultern von der Arbeit zwicken, sorgen sie für ganz reale Entspannung. So bietet beispielsweise die Techniker Krankenkasse mit TK Smart Relax für Alexa und Google Assistant Achtsamkeit auf Knopfdruck an: Mit geführten Meditationen, Atemübungen und Entspannungstechniken kannst du ganz bequem auf deiner heimischen Yogamatte zur Ruhe kommen. Du siehst: digitale Assistenten können dein Leben nicht nur beschleunigen, sondern dir auch helfen, einen Gang runterzuschalten.

Mit den digitalen Assistent:innen können wir uns jeden Tag wie Könige und Königinnen fühlen, die frei befehlen können. Doch am digitalen Königshof muss noch etwas an den Algorithmen und dem Datenschutz geschraubt werden. Außerdem sind die Algorithmen oft nur so weltoffen wie wir selbst. Ob die virtuellen Helferlein Fluch oder Segen sind, hängt also zum großen Teil auch von uns selbst ab.

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