weltverbesserer Machen Diese 5 Dinge, kann die offene Gesellschaft von Kindern lernen

Diese 5 Dinge, kann die offene Gesellschaft von Kindern lernen

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„Kinder an die Macht!“, forderte Herbert Grönemeyer bereits 1985 in seinem gleichnamigen Lied, das zur Hymne wurde. Ein Aufruf, der heute, 35 Jahre später, aktueller ist, denn je. Weil wir, die Erwachsenen, es anscheinend nicht schaffen, „dem Trübsinn ein Ende“ zu setzen.

Die Welt wäre eine andere, wenn wir Erwachsene das Leben weiterhin als eine Entdeckungsreise sehen und voller Mut, Neugier und Toleranz stecken würden – ganz so wie früher, als wir klein waren. Wo und wann sind diese Eigenschaften auf der Strecke geblieben? Wir haben uns angepasst – an die Gesellschaft, an die Erwartungen von Eltern, Familien und Vorgesetzten. Runzeln die Stirn dann, wenn wir als Kinder schellmisch gelacht haben. Lassen es zu, dass Ängste, Vorurteile und Sorgen uns von anderen abgrenzen, statt unvoreingenommen Interesse zu zeigen. Geht die kindliche Gelassenheit für immer verloren?

Definitiv nicht: Wir können zurück zu unserer ursprünglichen Quelle der Freude, Akzeptanz und des Mutes, unsere Wahrheit zu sprechen. Indem wir von den Kindern lernen und uns erinnern, was das Leben ausmacht. Interessanterweise hat das, was wir lernen werden, nichts mit Wissen zu tun, sondern mit Intuition. Wir haben ein paar Ideen gesammelt, wie es dir gelingen könnte, das Leben wieder etwas öfter mit Kinderaugen zu sehen.

1. Kein Multitasking – im Hier und Jetzt leben

Wenn Kinder spielen, dann spielen sie, wenn sie zeichnen, dann zeichnen sie und wenn sie lesen, dann lesen sie. Sie sind selbstvergessen, könnte man sagen, doch eigentlich sind sie hochkonzentriert und fokussiert. Uns mag das vermutlich nicht in den Kram passen, weil wir unter Zeitdruck sind und nicht zehnmal „Essen ist fertig“ sagen wollen, aber darum geht es hier nicht.

Kinder leben im Hier und Jetzt und kosten die Gegenwart in vollen Zügen aus. Das gelingt ihnen auch deshalb so gut, weil sie nur eine Sache machen und nicht zwei oder drei gleichzeitig. Obwohl wir auf unser Multitasking ziemlich stolz sind, bleibt dabei etwas ganz Wesentliches auf der Strecke – die Achtsamkeit. Versuche deshalb, immer nur eine Sache zu machen und dich dabei auf deinen Atem zu konzentrieren. Klingt einfacher, als es ist, aber es lohnt sich, ein wenig zu üben.

2. Kleine Momente – große Freude

Bist du manchmal ein wenig neidisch, mit welcher Euphorie Kinder über Dinge erzählen, die sie erlebt haben? Oder wie oft sie lachen? Laut Studien lachen Kinder bis zu 400 Mal am Tag, wir nur lächerliche 15 Mal. Es geht nicht darum, dass wir uns für dieselben Sachen begeistern, sondern um das Wie. Dafür ist ebenfalls Präsenz gefragt, sonst werden wir beim Waldspaziergang nicht die kleinen roten Wildbeeren sehen und auch nicht den Falken, der im Himmel seine Kreise dreht.

Deshalb: Innehalten, vielleicht die Augen schließen und sich auf die Sinne konzentrieren. Was hörst du, was riechst du, was spürst du? Und auch wenn dir nicht gerade nach Lachen zumute ist, lach trotzdem – das signalisiert dem Gehirn, Glückshormone herzustellen und dem Nervensystem, zu entspannen.

3. Nicht grübeln – einfach machen

Gottseidank haben wir als Babys nie aufgehört, aufstehen und gehen lernen zu wollen, auch wenn wir sehr oft dabei hingefallen sind. Kinder grübeln nicht, sondern tun Dinge einfach und probieren immer wieder, ohne sich Vorwürfe zu machen, dass sie gescheitert sind. Weil sie ihrer Intuition mehr vertrauen, als wir Erwachsene.

So können sie sich Fähigkeiten aneignen, die wir für hochkompliziert halten – zum Beispiel sehr schnell eine Fremdsprache lernen. Also, überleg mal, was hast du für ein Herzensprojekt? Planen ist gut, sich trauen viel besser. Lass dich dabei nicht entmutigen und lerne aus Misserfolgen – so, wie es die Kids machen. Was sicher ist: Man bereut immer nur das, was man nicht gemacht oder ausprobiert hat.

4. Kein du und ich, sondern wir

Jeder von uns ist einzigartig und doch sind wir alle gleich. Leider vergessen wir das leicht und neigen stattdessen dazu, uns abzugrenzen. Kinder hingegen begegnen Fremden mit Offenheit. Statt misstrauisch sind sie unvoreingenommen, besonders dann, wenn die fremde Person äußerlich ganz anders aussieht als sie. Sie stellen interessiert Fragen und haben keine Vorurteile.

Hier kannst du es mal spielerisch probieren, indem du zusammen mit den Kleinen den Polizisten oder die Bäuerin mimst. Die Perspektive zu wechseln hilft enorm, wenn wir es mit Menschen aus einem anderen Kulturkreis zu tun haben. Die Erfahrung zeigt – je besser wir sie kennen, desto schneller schwinden die Grenzen.

Um tolerant zu anderen zu sein, müssten wir uns allerdings zuerst selbst mögen. Leider akzeptieren wir uns zum Großteil nicht, wie wir sind. Jubilee Project hat das in einem Filmprojekt sehr deutlich gemacht. Die Non-Profit-Organisation stellte 50 Erwachsenen und Kindern die Frage: „Wenn du einen Teil deines Körpers ändern könntest, welcher wäre das?“

Während die Erwachsenen ausnahmslos etwas an sich auszusetzen hatten, dachten die Kinder gar nicht daran. Ein Mädchen sagte: „Ich hätte gerne Flügel, damit ich fliegen kann.“ Ein Junge hingegen träumte von Beinen wie ein Gepard, damit er schneller laufen kann. Es ist Zeit, zu lernen, uns wieder wohler in unserer Haut zu fühlen. Dann klappt’s auch mit der Toleranz.

5. „Ja“ zur Hilfe

Wir Menschen sind soziale Wesen und helfen meistens gerne. Als Erwachsene fällt es uns allerdings schwer, selbst um Hilfe zu bitten oder sie anzunehmen. Je älter wir werden, desto größer wird unser Anspruch, an uns, alles selber zu bewältigen. Machen wir es wie die Kids. Klar haben sie mal eine Phase, in der sie alles selbst und am besten allein machen wollen. Doch sie sagen ebenfalls ganz offen, wenn sie Unterstützung brauchen. Sich Schwächen einzugestehen, ist ein Zeichen von Mut.

Du siehst schon, wir haben als Erwachsene eine Menge verlernt. Deshalb ist es gut, wenn wir Kinder und Jugendliche um Rat bitten, auch wenn es um große Entscheidungen geht, die unsere Zukunft als Gesellschaft betrifft. Denn junge Menschen sind offen, unvoreingenommen und sagen klar, was sie denken.

Aus diesem Grund sind in Deutschland Mitte der 1980er Jahre die ersten Kinder- und Jugendparlamente entstanden. Mittlerweile gibt es deutschlandweit rund 500 davon. Gewählt werden die Kinder von ihren Klassenkameraden.

Laut dem Deutschen Kinderhilfswerk gibt es viele weitere Möglichkeiten der Beteiligung, wie z.B. in Kinder- oder Jugendforen. Dorthin können Kinder und Jugendliche gehen, ohne gewählt zu werden, ihre Probleme ansprechen und Vorschläge einbringen. Bei bestimmten Projekten ist die Beteiligung am einfachsten umzusetzen. Wenn etwa ein neuer Spielplatz gebaut wird, können Kinder mitreden und ihre Wünsche einbringen.

Der Kinderreport Deutschland 2018 des Deutschen Kinderhilfswerkes zeigt deutlich: Wenn es um mehr Mitbestimmungsrechte für Kinder und Jugendliche in Deutschland geht, sehen Kinder und Jugendliche in fast allen Bereichen einen höheren Bedarf an Mitbestimmung als die Erwachsenen. Da ist also noch Luft nach oben.

Nichtsdestotrotz wäre der Pädagoge und Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau, der erstmals Erziehung aus der Sicht und für das Wohl des Kindes betrachtet hat, vermutlich hoch erfreut über diese Entwicklung. Er war einer der ersten, der sich dafür eingesetzt hat, Kinder als eigene Persönlichkeiten anzuerkennen.

Jetzt, drei Jahrhunderte später, sollten wir den Kids mehr Gehör als je zuvor schenken: Schließlich haben wir diese Welt nicht etwa von unseren Vorfahren geerbt, heißt es in einer indianischen Weisheit – wir haben sie von unseren Kindern geliehen.