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Die wichtigsten Ärzt:innen der Geschichte

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Wer hätte 2019 gedacht, dass einer der erfolgreichsten Podcasts 2020 von einem Virologen kommt. Selten zuvor hatten Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen in unserer Gesellschaft so eine Präsenz, so eine Bedeutung, wie aktuell. Sonst war eigentlich immer das Gegenteil die Norm. Viele Ärzt:innen und Wissenschaftler:innen, die bedeutendes geleistet haben, wurden kaum öffentlich wahrgenommen oder sind in Vergessenheit geraten.

Ein paar Ärztinnen und Ärzte hatten größeren Einfluss als andere. Einige davon kennt man, ihre Namen sind prominent vertreten. Andere wiederum scheinen im Verborgenen gewirkt zu haben oder in Vergessenheit geraten zu sein. Genau die wollen wir in diesem Artikel einmal vor den Vorhang holen.

Mediziner:innen, die du kennen solltest

Den Anfang machen erst einmal die bekannten Namen. Ganz oben auf der Liste der wichtigsten Ärzt:innen steht mit Sicherheit Hippokrates. Der Mediziner lebte im antiken Griechenland um 400 v. Chr. und gilt als Urvater der modernen, empirisch-rationalen Medizin. Der nach ihm benannte „Hippokratische Eid“, das ethische Leitbild für ärztliches Verhalten, ist sein bis heute gültiges Vermächtnis.

Auch Albert Schweitzer, Arzt, Theologe, Philosoph und Friedensnobelpreisträger ist vor allem wegen seiner ethischen Überlegungen berühmt. Er lehrte und lebte die „Ehrfurcht vor dem Leben“, egal ob bei Menschen oder Tieren und legte dadurch den Grundstein für Tierschutz- und Tierrechtsbewegungen.

Zwei weitere Namen sind weniger wegen ihrer moralisch-ethischen Vorbildfunktion bekannt, sondern durch ihre bahnbrechenden wissenschaftlichen Erkenntnisse. Der im 19. Jahrhundert lebende Franzose Louis Pasteur war zwar Chemiker und kein Arzt, dennoch ist er aus der Medizin nicht wegzudenken. Pasteur entwickelte die ersten erfolgreichen Impfungen gegen Tollwut und Milzbrand. Darüber hinaus stellte er fest, dass kurzes, starkes Erhitzen von Lebensmitteln den Großteil der enthaltenen Keime abtötet – ein Verfahren, das wir heute als „Pasteurisierung“ kennen.

Gemeinsam mit Robert Koch gilt Pasteur als „Vater der Mikrobiologie“. Der deutsche Arzt Robert Koch forschte etwa zur selben Zeit an den Erregern von Milzbrand, Cholera, Tuberkulose und Typhus. Für seine Arbeit zur Tuberkulose-Bakterien erhielt Koch 1905 den Medizinnobelpreis. Seine Forschungen und das nach ihm benannte Robert-Koch-Institut haben angesichts unserer aktuellen Situation nichts von ihrer Bedeutung eingebüßt, eher im Gegenteil.

Stetoskop auf einem
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Unbekannte medizinische Helden

Die Ärzt:innen, die wir dir im folgenden Abschnitt vorstellen, sind nicht ganz so berühmt wie ihre Kollegen aus dem ersten Teil. Trotzdem haben sie als Mediziner einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, die Welt ein bisschen besser zu machen.

Vorbeugen ist besser als heilen: Elizabeth Blackwell (1821–1910)

Geboren in Großbritannien emigrierte Elizabeth Blackwell als Kind mit ihrer Familie in die USA, wo sie eine liberale Erziehung durch Privatlehrer genoss. Nach dem Tod ihres Vaters arbeitete sie als Lehrerin und lehrte sich selbst mit der Hilfe befreundeter Ärzte Medizin, da Frauen zum Studium nicht zugelassen wurden. 1847 bewarb sie sich allen Widerständen zum Trotz um einen Studienplatz – und wurde überall abgewiesen. Durch einen glücklichen Zufall wurde sie schließlich am Geneva Medical College in New York zugelassen, wo sie 1849 graduierte. Elizabeth Blackwell wurde somit die erste „moderne“ Ärztin mit Studienabschluss in den USA. Ihrem deutschen Pendant, Dorothea Christiane Erxleben, war dies schon 200 Jahre zuvor geglückt.

Nach der Promotion versuchte Blackwell, sich eine Praxis zu mieten oder als Ärztin an einer Klinik zu arbeiten. Wieder wurde sie aufgrund ihres Geschlechts überall gewiesen. So kaufte sie ein Haus, eröffnete dort eine Praxis und veröffentlichte Schriften über Hygiene. 1857 gründete sie gemeinsam mit ihrer Schwester, ebenfalls Ärztin, und einer befreundeten Medizinerin schließlich ein Krankenhaus für Frauen und Kinder, 10 Jahre später wurde die Institution um eine Medical College für Frauen erweitert.

Doch damit hatte die tatkräftige Blackwell noch nicht genug, 1871 gründete sie, mittlerweile nach England zurückgekehrt, die National Health Society. Deren Motto lautet, ebenso wie Blackwells eigenes, „Vorbeugen ist besser als heilen“ und machte die Ärztin zu einer der Pionierinnen auf dem Gebiet der Präventivmedizin.

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Zum Wohl der Menschheit: Daniel Hale Williams (1858 – 1931)

Dem amerikanischen Chirurgen Daniel Hale Williams sind gleich zwei außergewöhnliche Leistungen zuzuschreiben. Der Mediziner arbeitete nach seinem Studienabschluss als Arzt an einer Poliklinik und einem Waisenhaus. Dabei bemerkte er, dass Afroamerikaner nur schlechten Zugang zu medizinischer Versorgung oder zum Medizinstudium hatten. Also gründete er kurzerhand eine eigene Klinik. Dort konnten sich Afroamerikaner behandeln lassen und Studenten unabhängig von der Hautfarbe ihre Praktika absolvieren. Die Klinik bot zudem die erste Krankenschwesternschule für Afroamerikanerinnen in den USA. Eine zweite setzte Williams ein paar Jahre später an einem anderen Krankenhaus um, für das er als Chirurg arbeitete.

Williams ist darüber hinaus der erste Chirurg, dem eine Operation am offenen Herzen gelang, bahnbrechend für die damalige Zeit. Der Patient überlebte den Eingriff nicht nur, sondern genas und lebte noch mindestens weitere 20 Jahre.

Nobelpreis für Medizin: Françoise Barré-Sinoussi (geb. 1947)

Kaum jemand kennt den Namen Françoise Barré-Sinoussi, dabei hat die Virologin in der Corona-Krise eine Schlüsselposition als Leiterin des Expertenrats der französischen Regierung inne. Die Medizinerin stammt aus bescheidenen Verhältnissen und musste daher auf eine teure Ausbildung verzichten.

Sie arbeitete erst als Freiwillige am Pasteur-Institut in Paris und machte dort 1975 ihren Abschluss in Medizin. Nach dem Studium bliebt sie am Pasteur-Institut und widmete sich der Erforschung von AIDS, dazu reiste sie viel in die am stärksten betroffenen Entwicklungsländer. 1983 gelang ihr mit der Entdeckung des HI-Virus ein entscheidender Durchbruch, der die Therapie von AIDS deutlich verbessert hat. 2008 wurde ihr für diese Leistung der Nobelpreis verliehen.

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Ganzheitlich heilen: Ibn Sina/Avicenna (980 – 1037)

Der persische Arzt, islamische Theologe, Rechtsgelehrte, Mathematiker und Philosoph Ibn Sina war im mittelalterlichen Abendland eher unter seinem lateinischen Namen Avicenna bekannt.

Der Mediziner zählt zu den größten Denkern seiner Zeit im Iran, er propagierte unter anderem die aseptische (eiterungslose) Wundbehandlung und das Vorhandensein und die Therapie psychosomatischer Erkrankungen. Überliefert ist etwa, dass er bei einem offensichtlich leidenden, aber gesunden jungen Mann Liebeskummer diagnostizierte und diesen durch eine Heirat mit der Angebeteten „behandelte“.

Seine umfangreichen Schriften zu Anatomie, Diagnostik, Behandlungsmöglichkeiten, Arzneimittelkunde, Hygienemaßnahmen und vielen weiteren Themen wurden ins Lateinische übersetzt und galten bis ins 17. Jahrhundert als Standardwerke der Medizin.

Avicenna werden auch die Grundsteine der präventiven und evidenzbasierten Medizin zugeschrieben. Mit dem aufkommenden Humanismus und der empirischen Forschung verlor Avicennas philosophisch-metaphysischer Ansatz jedoch an Bedeutung und geriet zunehmend in Vergessenheit.

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Gründerin der deutschen Krebshilfe: Mildred Scheel (1932 – 1985)

Den Namen Mildred Scheel kennt man kaum, wohl aber ihr Vermächtnis, die Deutsche Krebshilfe. Schon früh steht für die in Köln geborene junge Frau fest, dass sie wie ihr Vater später Ärztin werden möchte. Sie setzt sich durch und studiert im Nachkriegsdeutschland Medizin, anschließend arbeitet sie als Fachärztin für Röntgenologie. 1963 bringt sie ihre uneheliche Tochter zur Welt, was für Scheel jedoch kein Grund ist, ihren Beruf und ihre Unabhängigkeit aufzugeben.

Ein paar Jahre später lernt sie im Zuge ihrer Tätigkeit an einer Klinik im Tegernsee die FDP-Politiker und späteren Bundespräsidenten Walter Scheel kennen und lieben. Als ihr Mann politische Karriere macht, muss Mildred Scheel die eigenen beruflichen Pläne hintanstellen.

Stattdessen gründet sie 1974, als frisch gebackene First Lady Deutschlands, die Deutsche Krebshilfe. Ihre Vision ist es, die Krankheit gut genug zu erforschen, um 50 Prozent der Krebskranken heilen zu können. Dafür sammelt sie unermüdlich Spenden, sie möchten nicht von Politik oder Pharmaunternehmen abhängig sein.

1979, nach Ende der Amtsperiode ihres Mannes, übernimmt sie den Vorsitz der Organisation bis zu ihrem Tod. Den Erfolg der Deutschen Krebshilfe erlebt Mildred Scheel nicht mehr mit, sie erliegt 1985 ihrem ganz persönlichen Kampf gegen den Krebs.

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Promotion mit 102 Jahren: Ingeborg Rapoport (1912 – 2017)

Ingeborg Rapoport hatte ein langes und bewegtes Leben. Geboren in der damaligen deutschen Provinz Kamerun studierte sie später in Berlin und legte 1937 ihre Doktorarbeit vor. Da sie jüdischer Abstammung war, wurde ihr der Doktortitel verweigert, kurz darauf musste sie in die USA fliehen. Dort absolvierte sie ein zweites Medizinstudium, diesmal erfolgreich, und lernte ihren Mann kennen.

Die McCarthy-Ära zwang die Familie zur Rückkehr nach Deutschland, wo Ingeborg Rapoport an der Kinderheilkundeklinik der Berliner Charité zu arbeiten begann. Dort übernahm sie recht schnell die Leitung der Säuglings- und Frühgeborenenstation. Rapoport setzte sich ehrgeizige Ziele, die Säuglingssterblichkeit der Klinik drastisch zu senken und arbeitete hart an der Erreichung ihrer Ziele.

Ihre Pläne machten sie zur Begründerin der Neonatologie an der Charité und prägte den noch jungen Zweig der Medizin in der DDR maßgeblich mit. Wie viele Kinder aufgrund ihrer Forschungsarbeiten das Säuglingsalter überlebt haben, lässt sich heute nicht mehr sagen.

Im Gedächtnis bleibt jedoch noch eine ganz andere Sache: Ingeborg Rapoport ist wohl der älteste Mensch, der in Deutschland je eine Doktorarbeit verteidigt hat. Da ihr der Titel 1937 verweigert worden war, wollte sie auch keinen Ehrendoktor annehmen. Wenn, dann richtig, lautete die Devise, weswegen Rapoport im Alter von 102 das Promotionsverfahren abschloss, lange nachdem sie die Kinderheilkunde in der DDR revolutioniert hatte.

Ob bekannte oder unbekannte Ärzt:innen, sie alle haben ihr Leben der Medizin und damit dem Wohl der Menschen gewidmet. Gerade in Zeiten von Corona führen einem das vor Augen, wie wichtig die Gesundheit und damit die Menschen sind, die als Mediziner täglich ihr Bestes geben, um uns vor Krankheiten bestmöglich zu schützen oder zu heilen.

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