weltverbesserer Machen Das kann ich auch: Frauen in Männer- und Männer in Frauenberufen

Das kann ich auch: Frauen in Männer- und Männer in Frauenberufen

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Wie viele männliche Freunde habt ihr, die als Erzieher arbeiten oder eine Ausbildung zum Krankenpfleger absolvieren? Und wie viele Freundinnen von Euch studieren Maschinenbau oder arbeiten als Mechatroniker:innen? Wir haben uns die Zahlen der Männer – und Frauenberufe mal genauer angeschaut und festgestellt, es gibt noch einiges zu tun, aber es geht vorwärts.

Zwar kann sich heute scheinbar jeder für seinen Wunschberuf entscheiden, doch in der Arbeitswelt sind die althergebrachten Rollenverteilungen häufig noch fest etabliert. Noch immer gibt es die klassischen Männer- und Frauenberufe.

Technik, Informatik und Bauwesen sind traditionell männliche Berufe, Sozialberufe, Geisteswissenschaften, Pflege und Erziehung bleibt als Berufsfeld immer noch eher den Frauen überlassen. Ein Teil des „Pay-Gap“, also dem Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen, ist mit Sicherheit dieser Aufgabenteilung geschuldet, denn die typischen Frauenberufe sind meist eher schlechter bezahlt.

Langsam aber sicher scheint sich das jedoch nach und nach zu ändern. Immer mehr Frauen arbeiten in eher männlich dominierten Berufen während auch Männer vermehrt in Bereichen arbeiten, die sonst eher als Frauenberufe gelten und von weiblichen Arbeitnehmern besetzt sind. Ein paar Beispiele stellen wir hier vor.

Das kann ich auch: Bis heute ein  klassischer Frauenberuf, doch es gibt zunehmend mehr Männer, die als Erzieher arbeiten.
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Fachkräfte für Kindertagesstätten

Kaum ein Beruf ist in den Köpfen so weiblich besetzt wie die Erzieherin. Korrekter ausgedrückt: die pädagogische Fachkraft in Kindertagesstätten und Kindergärten. Kindergärtner:innen sind weiblich, genauso wie Tagesmütter. Die Betreuung von kleinen Kindern ist nach wie vor fast ausschließlich Frauen vorbehalten. Einem Bericht des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend aus dem Jahr 2015 zufolge, waren nur drei Prozent der Angestellten in Kitas männlich, inklusive Praktikanten und Zivildienstleistende!

Zwar gibt es von Seiten der Politik durchaus Initiativen, um den Männeranteil unter den Kindergartenpädagog:innen zu erhöhen, doch die Vorurteile der Eltern gegen männliche Erzieher sind immer noch groß. Damit in Zukunft mehr Männer in Kitas arbeiten können und wollen, müssen also zum einen die Vorurteile abgebaut und zum anderen junge Männer für diesen sehr anspruchsvollen Beruf begeistert werden.

IT- Spezialist:innen

Denkt man an IT-Spezialist:innen, könnte die weibliche Form in den Köpfen der meisten Menschen genauso gut fehlen. IT-ler sind dem häufig bemühten Klischee nach immer noch ein wenig sonderbar wirkende, eigenbrötlerische Männer in schwarzen Klamotten. Doch dieses Image ist, zumindest zum Teil, überholt. Was allerdings nach wie vor zutrifft: Die IT-Branche ist von Männern dominiert. In Deutschland ist das sogar noch deutlicher als beispielsweise in Bulgarien oder Rumänien, nur 16,6 Prozent aller deutschen IT-ler sind weiblich.

Ursache dafür ist wahrscheinlich das Vorurteil, Frauen hätten nichts mit Technik am Hut. Das schreckt viele schon von einer Ausbildung in diesem Bereich ab. Nach eigenen Angaben würde Unternehmen den Frauenanteil in der IT gerne erhöhen, doch es finden sich viel zu wenige geeignete Bewerber:innen. Der Gehaltsunterschied zwischen männlichen und weiblichen IT-Spezialisten spricht zudem eine andere Sprache: Frauen erhalten im Durchschnitt 25 Prozent weniger Lohn als ihre männlichen Kollegen.

Medizinische Fachangestellte / Arzthelfer:innen

MFA oder Arzthelfer:innen sind die erste Ansprechperson für Patienten:innen nach Betreten der Praxis. Sie vereinbaren Termine, bereiten Behandlungen vor, organisieren hinterm Tresen den Praxisalltag – einer der klassischen Frauenberufe. 2018 begannen 1005 Männer die Ausbildung als MFA, dem gegenüber stehen mehr als 40.000 weibliche Azubis in diesem Bereich. Der Anblick eines Mannes bei Assistenztätigkeiten scheint uns immer noch ungewöhnlich, besagt das Klischee doch, dass einen Arzt männlich und die MFA weiblich ist.

Vorurteile gibt es in diesem Berufsfeld gegen das „falsche“ Geschlecht wenige. Im Gegenteil wäre es für männliche Patienten sogar oft einfacher, würde ein Geschlechtsgenosse die Vorbereitung einer Behandlung begleiten. Interessant ist, dass sich dies sogar im Gehalt niederschlägt. Trotz der überwältigenden Frauendichte werden männliche MFA im Schnitt deutlich besser bezahlt.

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Kfz-Mechatroniker:innen

Nur Jungs schrauben an Autos, Mädels sind maximal schmückendes Beiwerk, das sich auf der Motorhaube räkelt. Das vermitteln immer noch viele Automagazine. Tatsächlich ist der Ausbildungsberuf des Kfz-Mechatronikers der mit Abstand beliebteste unter den jungen Männern, 7,6 Prozent aller männlichen Azubis haben ihn 2019 gewählt. Bei den Damen rangiert er dagegen unter ferner liefen, die Frauenquote unter den angehenden Kfz-Mechatronikern liegt (Stand 2019) nur bei rund 4,5 Prozent.

Die Gründe dafür sind vielfältig. Vorurteile über Frauen und Technik sind das eine, körperliche Anstrengung das andere. Reifen mit Felgen schleppen, festsitzende Schrauben lösen oder schwere Motoren anheben gehört zum Job, Männer sind hier aufgrund der größeren Körperkraft im Vorteil.

Nichtsdestotrotz stehen immer mehr Frauen in den Kfz-Werkstätten „ihren Mann“. Fehlende Kraft gleichen sie mit Zielstrebigkeit und Geschick aus, feinmechanische Tätigkeiten gelingen ihnen oft sogar besser als den Kollegen. Das spiegelt auch die Bezahlung wider, Unterschiede gibt es, im Gegensatz zu vielen anderen Berufen, nach Region und Berufserfahrung, nicht jedoch nach Geschlecht.

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Baugewerbe

Die Frau auf dem Bau scheint das Gegenstück zur „männlichen Kindergartentante“ zu sein. Der Bauarbeiter ist in der Vorstellung vieler immer noch ein Mann, der schwere Zementsäcke und Ziegelsteine trägt, Ingenieur ist und bei Wind und Wetter auf der Baustelle steht. Frauen gelten meist als nicht kräftig genug, zu zimperlich oder mit mangelndem räumlichem Vorstellungsvermögen ausgestattet. Auf einige Frauen wird das zutreffen, ebenso wie auf die meisten Männer. Denn, mal ehrlich, es ist einfach ein harter Job, bei sengender Hitze oder prasselndem Regen im Freien zu arbeiten.

Entsprechend gering ist der Frauenanteil im Baugewerbe. Besonders in den Ausbauberufen, also jenen, die tatsächlich Mauern errichten, Wände verputzen oder Estrich legen, liegt die Frauen-Quote nur knapp über ein Prozent. Besser ist die Situation bei den technische-kaufmännischen Berufen.  Auszubildende zum Bauzeichner sind sogar überwiegen weiblich. Auch dort, wo ein Hochschulstudium oder eine duale Ausbildung erforderlich ist, steigt der Frauenanteil. Ob sich dieser Trend trotz der Corona-Krise fortsetzt, lässt sich allerdings derzeit noch nicht beurteilen.

Rollenbilder und Klischees

Wir schreiben das 21. Jahrhundert, sprechen von der Entwicklung künstlicher Intelligenz, schicken enorme Datenmengen rund um den Globus, reisen ins Weltall – die althergebrachten Geschlechterrollen und deren Aufgabenverteilung haben wir aber scheinbar noch immer nicht überwunden.

Jugendliche sind bei der Berufswahl zwar noch immer eher konservativ, nur wenige brechen die Konventionen und beschreiten neue Wege in dem sie beispielsweise als Mann einen der klassischen Frauenberufe wählen. Dennoch verwischen die Grenzen in der Berufswelt was Frauen und Männer angeht langsam. Zwar hat dieser Veränderungsprozess gerade erst begonnen und es liegt, mit Blick auf die Zahlen noch ein langer Weg vor uns, doch es tut sich immerhin etwas.

Immer öfter „trauen“ sich junge Menschen, ihre Berufswahl nach Talent und Begeisterung für ein Fachgebiet zu wählen. Ob eine Tätigkeit dabei „unmännlich“ oder „nicht weiblich genug“ ist, spielt dabei eine immer geringere Rolle. Und eines Tages wird es in unserer offenen Gesellschaft hoffentlich so sein, dass jeder sich unabhängig von Geschlecht für seinen Traumberuf entscheiden kann, ohne dabei kritisiert oder in eine Geschlechter-Schublade gesteckt zu werden.