weltverbesserer Wissen Bäume: Warum sie Rundmails schicken und gerne in WGs wohnen

Bäume: Warum sie Rundmails schicken und gerne in WGs wohnen

Sie zählen zu den komplexesten und eindrucksvollsten Lebewesen der Erde. Menschen? Nein, Bäume! Sechs erstaunliche Fakten über die heimlichen Herrscher des Waldes, die du kennen solltest.

Die Welt, wie wir sie kennen, würde ohne Bäume nicht existieren. Wissenschaftler schätzen, dass es über drei Billionen Bäume auf der Erde gibt, in Deutschland ist ein Drittel der Landesfläche mit Wald bedeckt.

Bäume sind nicht nur der Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen, sondern verfügen auch über überraschende Fähigkeiten und Eigenschaften. Hier findest du sechs davon. Wetten, dass du die meisten noch nicht kanntest?

1. Bäume nutzen Mailverteiler

Was sich anhört, als stamme es aus dem „Herrn der Ringe“, ist seit einigen Jahren wissenschaftlich nachgewiesen: Bäume schicken sich gegenseitig Nachrichten! So teilen Baumarten, die von Schädlingen befallen sind, einander mit, dass sie gerade mit Raupen oder Käfern zu kämpfen haben. Dazu setzen Bäume bestimmte Botenstoffe frei, die über die Umgebungsluft zu ihren Artgenossen transportiert werden – eine Art E-Mail an den großen Verteiler sozusagen.

Der Pflanzenforscher Frantisek Baluska sagte der NOZ: „Bäume haben ihre eigenen Probleme, ihre eigenen Fähigkeiten, mit Problemen umzugehen, und sie kommunizieren auch miteinander und lösen die Probleme miteinander.“ So tauschen sich Bäume nicht nur über Duftbotschaften aus, sondern auch über Pilze, die wie ein Glasfasernetz den Boden durchziehen. Die Wissenschaft nennt solche Verbindungen – ganz ernsthaft – das „Wood-Wide-Web“.

2. Bäume wohnen gerne in Pilz-WGs

Wald Bäume
Bäume sind verflochten – und zwar nicht nur oberirdisch, (wie auf diesem Bild zu sehen), sondern auch über das Wood-Wide-Web.

Bäume halten zwar gerne ausreichend Abstand, damit sie genügend Licht bekommen, das heißt aber nicht, dass sie Einzelgänger ist. So schließen sie sich beispielsweise zu Wohngemeinschaften mit anderen Lebensformen zusammen, von denen beide Mitbewohner profitieren. Der Mykorrhizapilz beispielsweise wohnt in Bodennähe und verbindet sich über das Feinwurzelsystem mit seinem Freund, dem Baum.

Der Pilz ernährt sich dann von der Glukose, die der Baum bei der Photosynthese erzeugt. Im Gegenzug versorgt der Mykorrhiza seinen WG-Kollegen mit Nährstoffen, Salzen und Wasser. Darüber hinaus funktioniert der Pilz wie eine Art Filter: Er hält beispielsweise Schwermetalle zurück, die sonst vom Baum aufgenommen würden.

3. Bäume haben eigene Klimaanlagen

Über allen Wipfeln ist Nebel? Oder hat der Wald einfach nur seine Klimaanlage angeworfen?

An sonnigen Tagen verdunstet ein Baum bis zu 500 Liter Wasser, die er über seine Blätter abgibt – das entspricht dem Inhalt von 42 Kästen Mineralwasser oder von zwei Badewannen. Auf diese Weise kommen täglich ganze Ozeane aus Wasserdampf zusammen: 70 Prozent allen Wassers, das in Europa verdunstet, stammt laut ARD aus Blättern (und nicht etwas aus Flüssen oder Seen). Das kondensierte Wasser steigt von den Blättern in die Atmosphäre auf und findet in Form von Niederschlägen wieder auf die Erde zurück.

Auch für den Baum hat die Verdunstung einen Vorteil: Sie ist seine Form der Klimaanlage. Denn die Feuchtigkeit, die er von den Blättern an die Luft abgibt, kühlt die Umgebungstemperatur herunter. Ein Grund, warum es im Wald auch an heißen Sommertagen so angenehm kühl ist.

4. Bäume lieben FKK im Winter

Wenn es kalt wird, ziehen sich Bäume erst recht aus. Warum? Erfahrt ihr hier!

Nur weil Bäume nicht in den Urlaub fahren, wollen sie nicht auf die Freuden der Freikörperkultur verzichten. Merkwürdigerweise haben sie sich dafür die kalte Jahreszeit ausgesucht – doch das hat gute Gründe.

Denn: Damit ein Baum im Winter nicht verdurstet, muss er im Herbst sein Kleid abwerfen. Wenn der Boden erst mal gefriert, kann er nämlich über die Wurzeln kein Wasser mehr aufnehmen und so auch seine Blätter nicht mehr versorgen. Deshalb muss er auf Nude-Look umstellen, bevor es zu kalt wird.

Um sich optimal für die kühlen Monate zu wappnen, werden zuvor alle wichtigen Nährstoffe in den Stamm transportiert – auch Bäume machen also Hamsterkäufe. Die Wasserzufuhr zu den Blättern wird hingegen gekappt.

Die Folge: Die Blätter werden welk – und schön bunt! Was uns im Herbst so viel Freude bereitet, ist für den Baum eine Frage des Überlebens. Denn wäre er im Winter zu warm angezogen, würde er den Frühling vielleicht nie erleben.

5. Das größte und älteste Lebewesen? Ein Baum!

Das älteste und schwerste Lebewesen der Erde? Ein greiser Elefant im Zoo von Rio? Nein, Pando, eine Baumkolonie in den USA, die so eng verflochten ist, dass sie eigentlich einen einzelnen Organismus bildet.

Pando ist im Fishlake National Forest in Utah heimisch. Das Alter der Baumkolonie, die immer neue Stämme hervorbringt, während andere absterben, wird auf 80.000 Jahre geschätzt. Das heißt, dass Pando zur Welt kam, als es in den USA noch weit und breit keine Menschen gab: Die ersten menschlichen Siedler betraten den Kontinent mindestens 60.000 Jahre später.

Pando gehört zur Art der Amerikanischen Zitterpappel. Die Anzahl seiner Stämme, die durch ein Wurzelgeflecht verbunden sind, wird auf etwa 47.000 geschätzt, sein Gewicht auf 6.000 Tonnen.

Wie lange Pando noch unter uns weilt, ist unklar. Die Zeitschrift Spektrum sieht ihn bedroht: Maultierhirsche und andere Pflanzenfresser knabbern Pando den Nachwuchs weg. Deshalb ist er seit 30 bis 40 Jahren nicht mehr gewachsen. Doch wer schon 80.000 Jahre auf dem Buckel hat, wird auch das überstehen.

6. Bäume binden CO2

Streckt er seine Arme aus, um möglichst viel CO2 einzusammeln? Fakt ist: Bäume sind mächtige Klimaschützer!

Bäume sind die wichtigste Erfindung der Natur, um CO2 aus der Luft einzusammeln und zu speichern. Es kann dann keine klimaschädliche Wirkung mehr ausüben. Kein Wunder, dass Aufforstungsprojekte in Zeiten des fortschreitenden Klimawandels immer weiter in den Mittelpunkt rücken.

Dabei nehmen Bäume nicht nur CO2 auf, sondern binden auch andere Treibhausgase, Feinstaub, Bakterien und Sporen. Zwischen 30.000 und 40.000 Kubikmeter Luft verarbeitet ein Baum in unseren Breitengraden pro Tag: Er filtert die Luft wie eine Art Dunstabzugshaube.

Wälder sind (nach den Ozeanen) die wichtigsten Kohlenstoffspeicher der Biosphäre. Das Pflanzen von Bäumen gilt deshalb als die einfachste und zugleich effektivste Methode, um der Erderwärmung entgegenzuwirken.

Fazit: Bäume sind Träume!

Wie wir gesehen haben, sind Bäume für viele Überraschungen gut. Kein Wunder also, dass sich zurzeit so viele Menschen für das geheime Leben der vielfältigen Waldbewohner begeistern, und dass Waldbaden im Trend liegt. Gut so!

Auch für unser Klima leisten Bäume einen unschätzbaren Beitrag. Bäume zu pflanzen, ist zurzeit einer der effektivsten Wege, dem Klimakollaps entgegenzutreten. Baumpflanzen ist nachhaltig, verhältnismäßig leicht umzusetzen und auch noch relativ preiswert.

Überzeugt? Hier findest du eine Liste von du unterstützenswerten Organisationen, die auf der ganzen Welt Aufforstungsprojekte betreiben.

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