weltverbesserer Leben Auf gute Nachbarschaft: Warum Gesellschaft am Gartenzaun beginnt

Auf gute Nachbarschaft: Warum Gesellschaft am Gartenzaun beginnt

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Nachbarn sind ein kontroverses Thema. Einerseits kennt jeder von uns Geschichten über „Nachbarn aus der Hölle“. Andererseits ist die Nachbarschaft heute, wo die Zahl der Single-Haushalte zunimmt und die Verbindung zur Familie immer loser wird, mehr oder weniger die Basis unserer Gesellschaft. Vor allem in Zeiten der Corona-Pandemie konnte man feststellen, wie hilfreich, schön und wichtig eine gute Nachbarschaft ist.

Unsere Nachbarn können wir uns nur in den seltensten Fällen aussuchen, haben aber dennoch haben wir sehr viel Kontakt mit ihnen. Diese räumliche und soziale Nähe bietet große Chancen, etwa auf neue Freundschaften oder gemeinsame Projekte, aber auch großes Konfliktpotenzial. Eines ist allerdings klar: ein Leben ohne Nachbarn kann fast niemand von uns führen. Nutzen wir also die Möglichkeiten und sorgen für eine gute Nachbarschaft – für uns und für die Menschen um uns herum.

Ohne Nachbarn geht es nicht

Nachbarschaft wird allgemein definiert als eine Gruppe von Menschen, die sich in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander aufhalten.Wenn wir von Nachbarn sprechen, meinen wir allerdings meist das soziale Geflecht von Menschen, die nebeneinander wohnen und leben. Je nach Wohnort sind das die Menschen in den Wohnungen neben, unter oder oberhalb von uns im gleichen Haus. Oder aber im Nebengebäude oder, in ländlicher Umgebung, teilweise ein paar hundert Meter entfernt im nächsten Haus.

Im Laufe der Zeit hat sich die Bedeutung der Nachbarn für unsere Gesellschaft gewandelt. 2019 gab es rund 17,6 Millionen Single-Haushalte in Deutschland, im Zuge der Industrialisierung drängten die Menschen in die Städte und Wohnraum wurde knapper. Einerseits, weil es mehr Bedarf gibt, da wir nicht mehr als Großfamilie unter einem Dach wohnen. Und andererseits aufgrund von weniger Platz, weil wir vermehrt in Ballungszentren in der Nähe unserer Arbeitsplätze leben. Das macht es uns fast unmöglich, in unserer modernen Zeit ohne Nachbarn auszukommen.

Konfliktpotenzial am Gartenzaun

Aus der früheren Zweckgemeinschaft im Dorf, oft mit ähnlichen oder sich gegenseitig ergänzenden Berufen, ist heute eine zufällig zusammengewürfelte Gruppe Menschen geworden. Gemeinsamkeiten finden sich heute eher über ähnliche Lebenssituationen, beispielsweise Studenten, junge Familien oder Rentner. Aber auch ähnliche Hobbys und private Interessen in der Freizeit führen unterschiedlichste Menschen zusammen.

Das erklärt, warum gerade unter Nachbarn das Konfliktpotenzial hoch ist. Prallen verschiedene Welten (etwa Rentner:innen und Student:innen) und Interessen (zum Beispiel Ruhebedürfnis versus Bewegungsfreude von Kindern im Garten) aufeinander, kommt es leicht zum Streit am Gartenzaun.

Symbolbild Auf gute Nachbarschaft ein in gelb orange blau rot und gruen angestrichender Gartenzaun
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Zu den häufigsten Streitpunkten unter Nachbarn zählen:

Streitpunkt: Lärm

Egal, ob laute Musik von einer Geburtstagsparty, der Rasenmäher oder Kindergeschrei, Lärm anderer Menschen wird immer als störend empfunden. Abhilfe schafft hier ein Gespräch, das Einhalten von Ruhezeiten oder die freundliche Ankündigung einer Feier, wenn man vermutet, es könnte lauter werden. Wer freundlich auftritt, trifft eher auf Toleranz als auf Ablehnung.

Streitpunkt: Falsch abgestellte Fahrzeuge

Ein klassisches Streitthema sind falsch geparkte Autos, die Zufahrten verstellen, mehrere Parkplätze blockieren oder zum Beispiel die Müllabfuhr an ihrer Arbeit hindern. Auch hier gilt: erst einmal das Gespräch suchen oder eine (freundliche) Nachricht hinter die Scheibenwischer klemmen. Unbelehrbare (etwa parkende PKWs vor Feuerwehrzufahrten) kann und muss man im Wiederholungsfall abschleppen lassen – das sorgt jedoch nicht für ein gutes nachbarschaftliches Verhältnis.

Streitpunkt: Vernachlässigte Pflichten

Der Bürgersteig nicht geräumt, das Treppenhaus nicht gekehrt oder die Mülltonne nicht an die Straße gestellt? Mögliche Pflichtverletzungen gibt es viele. Abhilfe schafft hier die Beauftragung von Reinigungsdiensten, die solche Pflichten übernehmen. Aufgeteilt auf alle Parteien eines Hauses, sind die Kosten dafür gar nicht so hoch und es schont die Nerven aller Beteiligten.

Streitpunkt: Haustiere

Nur wenige Menschen mögen keine Tiere, aber ein ständig bellender Hund, der außerdem Nachbars Blumenbeet als Klo benutzt, ist einfach ärgerlich. Hier hilft gegenseitige Rücksichtnahme. Zum Beispiel indem die Hundehalter:in das Tier erzieht oder weniger alleine lässt, oder den Nachbar:innen zum Ausgleich ein paar neue Blumen spendiert.

Nachbarschaftskonflikte können sich übrigens durchaus negativ auf unsere Gesundheit auswirken. Eine Studie aus den USA ergab beispielsweise, dass eine harmonische Nachbarschaft das Herzinfarktrisiko deutlich senken kann. Ein Grund mehr also, das Gespräch zu suchen, Kompromisse zu schließen und einen guten Umgang mit den Nachbar:innen zu pflegen.

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Warum Nachbarn für uns wichtig sind

Spätestens die Corona-Pandemie hat uns den Wert einer guten Nachbarschaft eindrücklich vor Augen geführt. Wer allein lebt, oft in einiger Entfernung von Familie und Freunden, war plötzlich auf die Nachbarn angewiesen, beispielsweise wenn er sich in Quarantäne begeben musste oder durch Vorerkrankungen zu einer Hochrisikogruppe gehörte.

In dieser Situation zeigten Nachbarn in ganz Deutschland, was in ihnen steckt. Tausende Menschen organisierten sich in Netzwerken, um für andere einzukaufen oder Wege zu erledigen, etwa in München. Menschen, die Hilfe bei Einkäufen oder sonstigen Erledigungen benötigten, konnten sich melden und ehrenamtliche Helfer:innen gingen einkaufen, in die Apotheke oder brachten die benötigten Dinge vorbei.

Eine nette, harmonische Nachbarschaft kann aber noch viel mehr. Wir Menschen sind soziale Wesen und brauchen daher den Kontakt zu anderen, um psychisch gesund zu bleiben. Einsamkeit macht krank und lässt uns schneller altern, soziale Isolation ist laut wissenschaftlicher Studien ähnlich schädlich wie übermäßiger Alkoholkonsum und andere bekannte Risikofaktoren für einen frühen Tod.

Zudem wirkt sich ein harmonisches Umfeld mit vielen Sozialkontakten positiv auf die Lebenszufriedenheit aus, was wiederum positiv für unsere Gesundheit ist. Ein Mensch, der sich wohlfühlt, hat ein stabileres Immunsystem und wird seltener krank. Umgekehrt zählen Einsamkeit und Isolation zu den Risikofaktoren für die Entstehung einer Depression. Aktivitäten mit den Nachbarn, egal ob Gemeinschaftsprojekte, Sport oder nur der freundliche Tratsch im Treppenhaus können dem wirksam vorbeugen, gerade, wenn aufgrund der Corona-Pandemie die übrigen Sozialkontakte zum Großteil virtuell stattfinden.

zwei Poster mit der Aufschrift let´s look out for one another
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – John Cameron

Nachbarschaft als Möglichkeit zur persönlichen Entwicklung

Unsere Nachbarn können wir uns meist nicht aussuchen, ihnen aber auch nicht ausweichen. Sie leben schlicht am selben Ort wie wir, auch wenn ihre Interessen und ihre Lebenssituationen vielleicht ganz anders sind als unsere. Weil wir gezwungen sind, mit ihnen auszukommen, müssen wir unsere sozialen Fähigkeiten schulen. Von dieser Persönlichkeitsentwicklung profitieren wir auch an anderer Stelle, etwa im Berufsleben. Deswegen haben wir hier ein paar Tipps für euch zusammengestellt.

Nimm´ Rücksicht

Die wichtigste Regel für gute Nachbarschaft lautet mit Sicherheit: Rücksicht nehmen! Wer die Bedürfnisse seiner Mitmenschen respektiert, wird auch umgekehrt auf Verständnis stoßen.

Sprecht miteinander

Kommt es zu Meinungsverschiedenheiten, sollten wir immer erst das Gespräch suchen und unseren Standpunkt freundlich, aber bestimmt vertreten. In manchen Fällen ist es Unwissenheit, manchmal ein Versehen, nur selten steckt böse Absicht dahinter.

Helft einander

Sich gegenseitig helfen tut nicht nur der Nachbarschaft gut. Wer anderen hilft, stärkt gleichzeitig die eigene Psyche und ist zufriedener im Leben. Ein Paket für die Nachbarin annehmen, dem Nachbarn dabei helfen, seine Autoreifen aus dem Keller zu holen oder die neuen Möbel ins Haus zu tragen kostet nicht viel Zeit, macht aber anderen Menschen Freude. Es ist übrigens wissenschaftlich erwiesen, dass anderen helfen glücklich macht und sich somit positiv auf die Gesundheit auswirkt.

Auf gute Nachbarschaft

Die gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte haben dazu geführt, dass die gute Nachbarschaft zunehmend eine zentrale Rolle in unseren sozialen Kontakten spielt. Während wir immer öfter von unseren Familien getrennt leben, teilen wir mit unseren Nachbarn den unmittelbaren Lebensraum. Ein zweischneidiges Schwert, denn mit ihnen müssen wir auskommen, unabhängig von Gemeinsamkeiten oder Lebenssituation.

Nachbarschaftliche Konflikte können unser Leben und sogar unsere Gesundheit beeinträchtigen. Umgekehrt können aus Nachbarn im besten Fall Freund:innen werden, mit denen sich auch Situationen wie die Corona-Pandemie besser bewältigen lassen. Gute Beziehungen zu den Nachbarn zu pflegen, zahlt sich also in vielerlei Hinsicht aus, nicht zuletzt im Sinne eines glücklicheren Lebens. Geben wir unseren Nachbarn den Stellenwert, den sie verdienen!

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