„Weltverbessern“ auf St. Pauli

Vom 5. bis 8. Juli waren die Weltverbesserer in guter Mission in Hamburg unterwegs: in der Millerntor Gallery mit einem Blick ins schöne Stadion. Art, Music, Culture: Ich durfte dieses Jahr das erste Mal einen Blick ins Millerntor-Stadion und die Galerie werfen. Auch wenn ich seit vier Jahren Hamburgerin bin – die schöne Kunstausstellung auf St. Pauli ist die letzten Jahre leider völlig an mir vorbeigegangen.

Für die meisten, mit denen ich sprach, war die Millerntor Gallery aber schon längst ein festes Highlight im Hamburg-Kalender. Man merkte der Galerie an, wie gerne die Hamburger an den Kunstwerken vorbeischlenderten – es war jeden Tag gut besucht bis rappelvoll.

Die Galerie gibt es seit 2013, sie bringt jährlich Street-Art-Künstler für den guten Zweck zusammen und inspiriert Besuchende mittels Kunst, Musik und Kultur zum Nachdenken und zu gesellschaftlichem Engagement. Ins Leben gerufen wurde sie vom FC St. Pauli und Viva con Agua. „Art creates water“: Alle mit der Ausstellung gesammelten Spenden sowie das Eintrittsgeld fließen in den Verein. Die Non-Profit-Organisation setzt sich dafür ein, dass alle Menschen weltweit Zugang zu sauberem Trinkwasser erhalten.

Die Millerntor Gallery ist daher keine übliche Kunstausstellung: Viele Möglichkeiten der Interaktion mit den Künstlern selbst oder den Kunstwerken zeigen den BesucherInnen die Möglichkeit, aktiv am gesellschaftlichen Veränderungsprozess mitwirken und die Welt positiv und zukunftsorientiert mitgestalten zu können. Das Social Event bringt nicht nur ins Gespräch, sondern macht den TeilnehmerInnen auch die eigene soziale Verantwortung bewusst. 

Genau der richtige Ort für die Weltverbesserer! Ihre Mission: Tue etwas Gutes und hab Spaß dabei. Dazu anregen, dass jeder die Welt mit seinem Beitrag positiv mitgestalten kann, dass jedes Hinsehen statt Wegsehen etwas ausmacht. Jeden Tag eine gute Tat. Das Motto des Weltverbesserer-Standes: „Plastik vermeiden ist keine Kunst.“

Am Stand der Weltverbesserer konnte man deswegen Jute-Beutel verzieren, um den Gang zum Supermarkt zukünftig plastikfrei zu gestalten. Ich bügelte mir zwei Motive auf meinen Beutel und malte mit Goldfarbe – der Beutel ist nicht nur wirklich schön geworden, ich hatte ihn auch in den letzten Tagen schon im Einsatz. Zusätzlich wurden auf großen Leinwänden Menschen und ihre Projekte porträtiert, die dem Plastik den Kampf angesagt haben. Besonders beeindruckte mich das „Pacific Garbage Screening“-Projekt – eine riesige schwimmende Plattform, die das Plastik aus den Müllstrudeln der Ozeane abfangen soll. Leicht aufbereitet und mit Musik von DJs unterlegt, um anzulocken und Leute miteinander ins Gespräch zu bringen. 

Ein weiteres spannendes Kunstwerk der Künstlerin Mara fiel mir besonders auf: Vor einem bunten Hintergrund befand sich eine Plastikwand mit aufgeklebten Fischen aus Plastiktüten – die darstellen sollten, wie wenig von der Schönheit des Meeres bald übrig sein wird, wenn wir den Plastikkonsum nicht drastisch eingeschränken. Kunst, die man von allen Seiten erleben konnte – so konnte man auch um die Wand herumgehen, um sich das bunte Meer ohne den Plastikschleier anzusehen.

Daneben gab es Sofakonzerte von aufstrebenden Künstlern, Stand-up Comedy, Foto- und anderen Aktionen für den guten Zweck – alle Einnahmen gingen dabei an Viva con Agua.

Ich hatte nicht nur ein wirkliches schönes Wochenende im Millerntor-Stadion bei den Weltverbesserern, ich wurde auch zum Nachdenken inspiriert – denn ein paar kleine Dinge im Leben kann jeder von uns noch verbessern.

Ein Besuch am Millerntor war an diesem Wochenende für viele Hamburger ein Muss. Denn: Helfen muss Spaß machen, dann ist es ansteckend. Und: Weltverbessern rockt!

Über die Autorin

Marie Luise Ritter, 26, lebt seit 4 Jahren im schönen Hamburg und teilt schon mindestens doppelt so lange ihre Gedanken übers Events, Trends und das Leben an sich auf luiseliebt.de. Im Auftrag der Weltverbesserer besuchte sie die Millerntor Gallery und kam mit vielen Eindrücken, Wissen zur Plastikverschmutzung und neuer Inspiration sowie Lust am Engagement für den guten Zweck zurück.

Die Techniker

Vier Tage Millerntor Gallery – das waren vier Tage Kunst, Spaß und Inspiration für eine bessere Welt auf über 4.000 Quadratmetern. Viel Platz, um etwas zu bewegen und die Kunst sagen zu lassen: Plastik vermeiden ist keine Kunst. Denn dass wir so nicht weitermachen können, ist inzwischen überall angekommen, reicht aber bei Weitem nicht. Du, ich, wir alle müssen auch mitmachen. Jeder Einzelne kann im Alltag dazu beitragen, dass unsere Welt nicht langsam, aber sicher in Plastik ertrinkt. Sagt sich so leicht …

Projekt läuft bereits seit 05.07.2018
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