Max Augustin

Regattasegler

Wir haben dem Plastik in unseren Meeren den Kampf angesagt! Wir, das sind Menschen mit einer felsenfesten Überzeugung – nämlich, dass sich die Welt zum Besseren verändern lässt. Durch neue Ideen und Mutige, die sie vorantreiben. Eine Vision, für die auch Du jetzt die Fahne hochhalten kannst. Denn immer, wenn Du #netzgegenplastik teilst, bekommt das Projekt Pacific Garbage Screening 1 Euro. Erfahre hier alles über die Kampagne #netzgegenplastik!

Das Meer ist seine Leidenschaft. Kein Wunder! Als Segler ist Max Augustin, 25, nahezu jeden Tag eng mit dem Element Wasser verbunden. Mit sieben Jahren begann er mit dem aktiven Segeln und wurde seither stetig durch seine Eltern dabei unterstützt, aus dem Hobby mehr zu machen. „Das schaffst Du nicht!“ zählt für ihn nicht. Je häufiger er vor Wettkämpfen „Gegenwind“ bekommt, desto motivierter ist er, das Unmögliche möglich zu machen. Beim Sport und bei neuen Projekten. Das Tolle: Der Erfolg gibt ihm recht! Heute nimmt Max an Regattarennen teil und segelte unter der Flagge des FC St. Pauli mit seinem Team bei der Offshore-Weltmeisterschaft in den Niederlanden. Wir haben ihn ins Interview-Boot geholt, um zu erfahren, wie stark sich die Plastikverschmutzung auf seinen Sport auswirkt – und was es für ihn bedeutet, die Ozeane zu schützen.

Der 25-Jährige und das Team vom FC St.Pauli nehmen regelmäßig an Segelturnieren teil. Ihr Boot verrät eindeutig, welcher Wind hier weht. (@Sven Jürgensen/FSC)

Welche Bedeutung hat das Thema Plastik für Dich – und für Deine Sportart, das Segeln?
Plastik ist ein durchaus verbreitetes Material im Segelsport. Wir verwenden neben den Verbundstoffen, Harzen und Farben auch Plastik. Warum? Plastik ist ein Material, das leicht und verhältnismäßig günstig ist. Im Vergleich dazu ist das Material aus Kohlefaser, das oft beim Bau von Booten und Segeln verwendet wird, deutlich teurer. Viele Abdeckungen, Verkleidungen und Seile werden daher aus Plastik hergestellt.

Neben unserem Sportgerät ist Plastik aber auch in Form von Verpackungen bei uns an Bord vorhanden. Wir sind immer wieder aufs Neue erschüttert, wie viel Müll wir als siebenköpfige Crew am Tag produzieren! Mittlerweile ist jedes Produkt in den Supermarktketten doppelt und dreifach eingepackt. Jeden Morgen bereiten wir unsere Verpflegung für den Renntag vor, z. B. Brote oder Nudeln. Wir entfernen außerdem viele Produkte von ihrer Verpackung, bevor wir aufs Wasser gehen, und sammeln alles in einer großen, wasserdichten Tonne. Trotzdem wird natürlich nicht jeder Riegel ausgepackt. So entsteht leider eine Menge Müll an Bord. Traurigerweise erblickt man hier und da ähnliche Verpackungen von anderen Schiffen im Wasser, da es in den Pausen von Bord weht oder sogar absichtlich ins Wasser geschmissen wird.

Wann ist Dir die Problematik, die mit Plastik im Ozean einhergeht, bewusst geworden?
So richtig ist mir das bewusst geworden, als ich Häfen und Meere gesehen habe, in denen vermehrt Müll im Wasser schwamm. Es gibt kaum Häfen, in denen sich kein Plastikmüll in den Ecken der Hafenbecken sammelt! Spätestens, als die Olympischen Spiele 2017 in Rio stark in der Kritik standen, weil die Gewässer verschmutzt waren, war ich als Segler mit der Problematik konfrontiert. Athleten (unter anderem Sportler aus dem Deutschen Segel-Olympia-Team) haben sich während der Vorbereitungen in Rio Infektionen an offenen Wunden zugezogen. Die Bedingungen und Zustände in den Buchten von Rio waren katastrophal! Zum Zeitpunkt der Spiele soll sich die Lage angeblich verbessert haben – auch wenn das in der Kürze der Zeit nur schwer vorstellbar ist.

Im Segelsport wird vermehrt auf die Problematik „Plastik & Müll“ im Wasser geachtet. Die Segelanweisungen für uns Regatta-Segler beinhalten Strafen (Prozentstrafen der Wertung), wenn jemand absichtlich Müll über Bord wirft und so das Wasser verschmutzt. Es ist jedoch sehr schwer, Felder von bis zu 200 Booten zu überwachen, und ich muss leider oft beobachten, wie vor allem Raucher ihre Zigaretten mit Filter über Bord schnipsen.

Im Mittelmeer ist das Problem mit Plastik besonders auffällig. Es ist im Segelsport üblich, bei Revieren mit erhöhtem Seegras-Aufkommen vor dem Rennen rückwärts zu segeln, um sich von den langen Algen am Kiel und Ruder zu befreien. Im Mittelmeer machen wir das aufgrund von Plastiktüten! Traurig, aber wahr. Vor zwei Jahren musste sogar während eines Rennens ein Crewmitglied unter das Boot tauchen, da eine große Plane an unserem Kiel hing und das Boot dementsprechend verlangsamt hat.

Underwater or above the ocean: Max Augustin kennt die negativen Auswirkungen von Plastikmüll im Meer. Daher hofft er auf ein Umdenken der Konzerne, damit weniger Plastik produziert wird.

In welchen Bereichen sparst oder verzichtest Du komplett auf Plastik?
Beim Einkaufen verzichte ich komplett auf Plastiktüten. Entweder habe ich eine Tasche oder einen Rucksack dabei oder ich kaufe eine Papiertüte, wenn es notwendig ist. Darüber hinaus achte ich darauf, vor allem Glas- statt Plastikflaschen zu kaufen. Ich bin auch ein Gegner von dem seltsamen Trend, einen „modischen“ Plastikbecher von bekannten Kaffee-Firmen auf der Straße zu präsentieren! Ich muss aber kritisch zugeben, dass wir bisher sehr oft Wasser in Plastikflaschen an Bord genommen haben. Für die nächste Saison wollen wir das ändern und ausschließlich unsere Trinkflaschen auffüllen!
 
Welche Tipps hast Du für andere Weltverbesserer und Meeresschützer?
Für mich, und uns als St. Pauli Segelteam, ist es natürlich wichtig, unseren blauen Planeten zu schützen. Wir dürfen nicht länger weggucken, wie das Element, auf dem wir unsere Sportart betreiben, zerstört wird. Es ist jedoch noch viel wichtiger, den Lebensraum „Ozean“ zu schützen und das Sterben vieler Meeresbewohner zu unterbinden.

Ich würde mir wünschen, dass mehr Wassersportler auf ihren Umgang mit dem Thema Plastik achten. Vor allem aber erwarte ich, dass die Industrie ihren Verpackungswahnsinn stoppt – und es dem Konsumenten so automatisch vereinfacht wird, im Alltag nicht mehr so viel Müll zu produzieren.  
 
Ich möchte abschließend erwähnen, dass der Norddeutsche Regatta Verein, für den ich starte, einen kleinen Schritt gegen Plastik im Wasser getan hat und einen sogenannten Seabin installiert hat. Ein Seabinfilter sammelt Plastikabfälle, die an der Oberfläche schwimmen, in einem Korb. Ein Teil der Hamburger Alster wird auf diese Weise bereits überwacht. Und ich habe bereits von vielen anderen Häfen in Deutschland gehört, dass sie ebenfalls einen Seabin installiert haben. 

Plastikmüll lässt sich schon jetzt in kleinen Mengen durch Seabins filtern. Die Körbe sammeln größere Teile, so dass sie einfach aus dem Wasser gefischt werden können. (@Sven Jürgensen)

Wir danken Max für das Interview. Wenn Du auch etwas gegen Plastik im Meer tun willst, dann werde Teil unserer Kampagne #netzgegenplastik. Für jeden geteilten Hashtag im Netz (Facebook, Instagram oder Twitter) unterstützen wir das Projekt Pacific Garbage Screening mit jeweils 1 Euro. Mehr dazu erfährst Du hier.



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