Lecker – und anders

etepetete vertreibt Obst und Gemüse „outside the box“

Krumm, zu klein oder fleckig: In Deutschland wird Obst und Gemüse, das nicht der Norm entspricht, einfach aussortiert. Sprich: Ein Großteil der Ernte bleibt ausschließlich aufgrund seines Aussehens auf dem Feld liegen oder wird vernichtet. Dabei schmecken diese Lebensmittel genauso gut wie ihre „geraden und hübschen“ Verwandten. Das Unternehmen etepetete aus München kämpft dagegen an und hat gemeinsam mit einem Netzwerk aus Bio-Bauern eine Lieferkette für Bio-Kisten geschaffen.

Bei den Retterboxen, die deutschlandweit als Abo bestellt werden können, wird auf regionale Produkte gesetzt, damit es keine langen Transportwege gibt. Die Felder werden zudem nach den Bedürfnissen der Kunden geplant, um Überschüsse zu vermeiden. Vom Anbau über die Verpackung bis hin zur Lieferung ist jeder Schritt bei etepetete umweltschonend, nachhaltig und steht unter dem „100%-Bio-Siegel“. Wir wollen unbedingt wissen, wie das funktioniert.

Die Retterbox von etepetete
Klassisch, gemischt oder gleich in der Familiengröße: Die Retterboxen werden kostenfrei in ganz Deutschland geliefert und können als Abo bestellt werden. (@etepetete)

Ihr seid ein „Auffangbecken für extravagant aussehendes Obst und Gemüse“. Hinter dem, was erst mal so lustig klingt, steckt in Wirklichkeit ein ernstes Problem. Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, krummes Gemüse abseits der Norm zu vertreiben?
Die Idee kam ursprünglich von etepetete-Mitgründer Carsten Wille. Nach einer Unterhaltung mit einem Supermarkt-Angestellten wurde schnell klar, wie viele Lebensmittel, auch abseits von Obst und Gemüse, weggeschmissen werden.

„Nachhaltiger, ökologischer und schlauer zu sein als der reguläre Handel“, das ist Eure Mission. Wie schafft Ihr das?
Der reguläre Handel passt sich der allgemeinen Nachfrage an. Gewünscht sind Lebensmittel, die perfekt aussehen und möglichst billig sind. Qualität, gute Arbeitsbedingungen und Nachhaltigkeit bleiben hierbei aber oft auf der Strecke. Hier sollte unserer Meinung nach ein Umdenken beim Endverbraucher stattfinden – hin zu einem bewussteren Einkaufsverhalten. Wir sagen daher auch zu krummem Gemüse und Obst nicht nein und entlohnen die Bio-Bauern aus unserem Netzwerk fair. Zudem müssen wir nicht zu jeder Uhrzeit vollgefüllte Ladentheken präsentieren und somit mehr Ware bestellen, als wir verkaufen. Wir bestellen unsere Waren erst, nachdem unsere Kunden bei uns bestellt haben, daher gibt es bei etepetete kaum Überschüsse.

Und genau dieser Ansatz ist das, was die Menschen lieben. Über 1,3 Millionen Kilogramm an Obst und Gemüse konnten dank Euch schon gerettet werden. Wie viel Obst und Gemüse wird denn eigentlich pro Tag einfach so weggeworfen, weil es nicht der Norm entspricht oder zu viel produziert wurde?
Die Kette der „Lebensmittelverschwendung“ ist ziemlich komplex und hängt von vielen einzelnen Faktoren ab. Fakt ist, dass es in diesem Bereich noch einen enormen Optimierungsbedarf gibt. Auf den Tag heruntergerechnet ist es zwar etwas schwer zu sagen, aber die Zahlen, die uns durch die Initiative „Zu gut für die Tonne“ bekannt sind, belegen, dass in deutschen Privathaushalten bis zu 4,4 Millionen Tonnen Lebensmittel jährlich im Müll landen. Täglich wären das 150 Gramm pro Person!

etepetete Anbaufeld
Das Konzept ist eine klare Win-Win-Situation: Die Kunden können gesunde Lebensmittel vom Feld genießen. Die Landwirte werden fair für den Anbau bezahlt und finden ausreichend Abnehmer für die eigenen Bio-Produkte. (@unsplash/Chad Stembridge)

So viel? Oje. Welche drei Tipps habt Ihr für unsere Weltverbesserer-Community, um bewusster mit Obst und Gemüse zu haushalten? Worauf sollte sie achten?
Wir finden, dass besonders bei der Lagerung viel schief geht und Obst und Gemüse deutlich länger hält, wenn man es richtig lagert. Das fängt schon bei der Kühlschrank-Temperatur an. Die ideale Spanne liegt bei 5 bis 7 Grad. Heimisches Obst und Gemüse mag es eher kühl, exotischere Früchte oder Gemüsesorten mögen es warm. Tomaten oder Bananen sollten übrigens niemals in den Kühlschrank. Und wir empfehlen, im Winter auf typische Frühjahr-/Sommerfrüchte wie Erdbeeren zu verzichten.

Die Landwirte, mit denen Ihr für Eure Boxen zusammenarbeitet, verfolgen auch allesamt einen nachhaltigen Ansatz und setzen komplett auf ökologischen Anbau. Welche Vorteile haben die Landwirte, wenn sie ihr Obst und Gemüse in Eure Hände geben?
Der größte Vorteil für die Landwirte ist natürlich, dass sie zusätzliche Erlöse durch den Verkauf der „krummen“ Waren erzielen können, die sie vorher nicht hatten. Wir machen unseren Partnern dabei keine Vorschriften, wie Obst und Gemüse auszusehen haben. So verzichten unsere Landwirte beispielsweise beim Anbau von Fenchel auf die Plastikfolie, die sonst über die Plantage gespannt wird, um dunkle Flecken auf dem Gemüse zu verhindern. Weil wir das Gemüse auch mit den harmlosen Flecken nehmen, sparen die Landwirte auf diese Weise zusätzlich Energie und verhindern Abfall. Die Reaktion auf uns und unser Konzept ist daher äußerst positiv.

Krummes Gemüse von etepetete
Ob zweibeinige Karotten, krumme Gurken oder zu klein geratene Avocados: Hier wird nichts weggeschmissen, sondern nachhaltig angebaut und lokal verschickt. (@etepetete)

Angefangen hat alles mit Crowdfunding. Viele Leute haben an etepetete geglaubt und für Euch gespendet. Wie fühlt sich das an, von fremden Menschen so viel Unterstützung zu bekommen?
Es ist natürlich sehr schön zu sehen, dass sich so viele Menschen in Deutschland bereits unserer Mission angeschlossen haben und uns auch nach drei Jahren auf dem Markt so tatkräftig unterstützen. Wir möchten auch schon bald unser Konzept erweitern und mehr Produkte rund um Obst und Gemüse anbieten, um unserem Kundenstamm bald noch mehr etepetete liefern zu können.

Welche Rolle haben Freunde und Familie auf Eurem Weg zum Unternehmen gespielt? Gab es positiven Zuspruch oder eher typisch deutsches „Lasst das mal. Das ist zu schwierig“?
Natürlich bekommt man allerlei Feedback, wenn man sich einer Geschäftsidee annimmt. Wenn diese Idee krummes Gemüse beinhaltet, sammelt man schon den einen oder anderen ungläubigen Blick. Wenn man mit Anfang 20 eine Firma gründen will, die etepetete heißen soll und krummes Gemüse verkaufen will, dann muss man schon viel Überzeugungsarbeit leisten, damit das ernstgenommen wird. Aber uns hat das gezeigt, dass wir hier wirklich ein großes Stück Arbeit vor uns haben und viele Menschen schlichtweg nicht über diese Problematik Bescheid wissen. Das Gute: Unsere Familie und unsere Freunde waren durch die Bank eine sehr große Hilfe für uns und haben uns in unseren Anfängen bei vielen Aufgaben unterstützt.


Das freut uns! etepetete ist einfach ein toller Ansatz, um die Welt jeden Tag ein Stückchen besser zu machen. Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?
Wir wollen damit anfangen, eine bessere Esskultur zu schaffen und mehr Bewusstsein für Lebensmittel zu entwickeln. Wir wünschen uns, dass jeder etwas mehr darüber nachdenkt, was er seinem Körper zuführt und vor allem, was er wirklich braucht. Einfach einen Schritt weg vom Leben im permanenten Überfluss. Wir glauben, damit wäre schon einiges getan.


Unser Tipp: Auf dem etepetete-Blog gibt es tolle Rezepte, damit Ihr Euer Obst und Gemüse gleich lecker verwerten könnt. Und nichs übrig bleibt. :)



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