Green, Fair und Fun

Interview mit Nicetohave Mag

Nicetohaves: Das sind die i-Tüpfelchen, Sahnehäubchen und kleinen Dinge, die das gewisse Extra im Leben sind. Genau darüber bloggen Pauline und Julia auf nicetohavemag.de. Sie berichten aus typischer Endzwanziger-Perspektive über Fair Fashion, Naturkosmetik und andere Themen rund um einen nachhaltigen Lebensstil – nie mit erhobenem Zeigefinger, sondern immer offen, ehrlich und mit ganz viel Spaß. Getreu ihrem Motto: green, fair und fun.

Wir haben mit Pauline über ihren Weg zu einem plastikfreien und nachhaltigen Lebensweg gesprochen.

1.    Pauline, du bloggst schon seit 2014 mit deiner Freundin Julia auf nicetohavemag.de über Fashion und Lifestyle. Gestartet seid ihr als „typisches Fashion Blogzine“, mittlerweile ist euer Motto „Green, Fair und Fun“. Wie kam es zu dem Umschwung? Gab es einen Schlüsselmoment?

Nicetohave Mag erreicht inzwischen viele Mode- und Beautybegeisterte. Wir halten also ein Sprachrohr, das auf Gehör trifft, und haben damit auch eine gewisse Verantwortung. Bei unseren Outfits steckte das Thema Nachhaltigkeit tatsächlich schon länger in den Hinterköpfen. Die Katastrophe der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch hat uns zuletzt einmal mehr vorgeführt, was wir nicht möchten: zum unachtsamen – gar Mensch und Natur schädigenden – Konsum anstiften.

So war für uns ein Anlass geboren, uns umso genauer mit unserer Kleidung und ihrer Herkunft und Produktion zu beschäftigen und uns zumindest einmal mit dem kleinen Zeh in das grüne Gewässer zu wagen.

2.    Ihr habt ein „Fair Fashion Manifest“ veröffentlicht. Was genau hat es damit auf sich?

Fast alle wissen, dass wir etwas ändern müssen – und viele wollen auch!

Für einen bewussteren, nachhaltigeren Lebensstil braucht es aber auch starke Inspirationen – am besten solche, die auch noch Spaß und Lust auf Mehr machen! Mit dem Publizieren auf Nicetohave Mag haben wir uns dazu verschrieben, ein Bewusstsein für einen nachhaltigen Lebensstil zu schaffen und einen umweltbewussten, ethischen Konsum zu fördern. Immer neue Trends und Kollektionen zu günstigen Preisen führen zu Überkonsum, ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen – und übermäßigem Ressourcenverbrauch. Wir wollen Anstöße und Anregungen geben, wie es gelingen kann, nachhaltig oder einfach etwas bewusster zu leben und zu konsumieren, und zwar nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit viel Spaß an der Sache! Wir sprechen Themen an, die für viele Menschen noch fremd sind, und wollen neugierig machen, mehr über diese seltsame und fremde Welt der Nachhaltigkeit zu erfahren.

Unser Manifest lautet: Wir ignorieren nicht die Umstände, unter denen Kleidung, Kosmetik und Interior-Schnickschnack hergestellt werden, sondern berichten darüber!

nicetohave Mag
Pauline und Julia von nicetohave Mag

3.    In deinem Kleiderschrank sind also weitestgehend nur noch faire und möglichst auch ökologisch produzierte Traumteile eingezogen. Wie sieht es in den anderen Lebensbereichen aus? Wir denken da vor allem an das Stichwort #plasticfree.

#plasticfree ist ein super komplexes Thema: Viele Produkte, die wir ohne nachzudenken täglich verwenden, werden nur mit Plastikanteilen oder -verpackungen verkauft, speziell im Bereich Körperpflege wie Zahnbürsten, Duschgel oder Wattestäbchen. Der massenhafte Einsatz von Plastik in unserem täglichen Leben nimmt gar kein Ende. In Kosmetika versteckt sich das Plastik oft auch fast unsichtbar in Form von ganz kleinen Peeling-Kügelchen und das landet zwangsläufig über den Abfluss im Meer. Um Mikroplastik im Alltag zu vermeiden, gibt es einen einfachen Weg: Zertifizierte Naturkosmetik verwenden, denn die verwenden stattdessen pflanzliche oder mineralische Stoffe, die ohne Probleme wieder abgebaut werden können.

Für mich war das der erste Schritt für mein plastikfreies Leben, eben auf diese Naturkosmetik umzusteigen. Nach und nach habe ich das dann auf weitere Lebensbereiche wie den Einkauf von Lebensmitteln ausgeweitet.

4.    Wir sind uns auch darüber bewusst, dass sich Nachhaltigkeit im Alltag nicht auf Knopfdruck umsetzen lässt, sondern ein langer Weg ist. Mit welchen Up und Downs hattest du zu kämpfen?

Als ich vor zwei Jahren beschlossen habe, so gut es geht auf unnötige Plastikverpackungen zu verzichten, habe ich erstmals wirklich realisiert, wie viel Plastik uns doch täglich umgibt. Das war ein richtiger Schock! Ein Alltag ohne Plastik funktioniert meist nicht von jetzt auf gleich, das musste ich erstmal zu akzeptieren lernen.

Frust lässt sich aber vermeiden, wenn man sich realistische Teilziele setzt und man sich so schrittweise dem Gesamtziel nähert – nicht jeder kann und will seinen Lebensstil von heute auf morgen radikal ändern. Wir sollten uns der Auswirkungen bewusst zu werden. Wir sind nicht perfekt! Aber wir können alle bewusster konsumieren! Wir können nachdenken, bevor wir etwas kaufen, und so langfristig an unseren Gewohnheiten arbeiten.

5.    Hast du zum Schluss noch ein paar konkrete Tipps, wie man als absoluter Beginner #plasticfree in seinen Alltag umsetzen kann?

Es kann ganz einfach sein auf Plastik zu verzichten und stattdessen wiederverwendbare Dinge zu benutzen: Baumwolltaschen statt Plastiktüten, unverpacktes Gemüse statt in Plastik verschweißtes und so weiter. Das lässt sich auch noch in vielen anderen Lebensbereichen anwenden: Dinge gebraucht zu kaufen und wieder weiter zu verkaufen oder zu verschenken, macht ökologisch betrachtet Sinn, da kein neuer Müll in den Kreislauf gebracht wird. Geld spart man damit auch noch – eine klassische Win-Win-Situation.

Ein nachhaltiger Konsumstil bedeutet heute aber auch eins: auf Dinge zu verzichten. Das sind vor allem Produkte, die in Plastik verpackt sind. Zum Beispiel Bio-Obst und Gemüse aus dem Supermarkt, wenn man es mal nicht auf den Wochenmarkt geschafft hat. Kosmetikprodukte, die für eine lange Haltbarkeit und Wirkung ein besonderes Maß an Verpackungsschutz benötigen. Oder einfach nur auf den spontan gekauften Schokoriegel an der Supermarktkasse. Aber der grüne Lebensstil macht Spaß: Nehmt doch einfach einen Brötchenbeutel aus Jute mit zum Bäcker und kreuzt in eurem Lieblings-Café mit dem eigenen To-go-Becher auf. Und habt ihr schon einmal Hausmittelchen für Schön- und Gesundheit selbst hergestellt? Das ist ganz easy!



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Jana hat den Selbstversuch gemacht: Sieben Wochen ohne Plastik - so engagiert sie sich für Nachhaltigkeit und nachhaltigen Konsum und macht unsere Welt ein Stückchen besser.

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