Felix Finkbeiner im Interview

Bäume sind äußerst wichtig für unser Klima, denn sie kühlen die Erde und sorgen für frische Luft. Ein Beispiel: Ein einziger Baum nimmt jährlich etwa zehn Kilo Schadstoffe auf und produziert im selben Zeitraum ganze 130 Kilogramm neuen Sauerstoff. Nicht schlecht, oder? 

Das dachte sich auch Felix Finkbeiner und pflanzte mit seiner Organisation Plant-for-the-Planet im Laufe der letzten zwölf Jahre rund acht Millionen Bäume. Das Potenzial der Bäume entdeckte Felix bereits als Neunjähriger, nachdem er ein Referat zum Thema Klimakrise hielt. Die Thematik beeindruckte ihn so nachhaltig, dass er die Schülerinitiative Plant-for-the-Planet gründete. Was 2007 klein begann, bewegt heute Kinder und Jugendliche weltweit: Sie gehen raus, um Bäume zu pflanzen. Bäume für das Klima und für die Umwelt. Bäume für jeden von uns, um Zeit zu gewinnen, in der wir unser Verhalten zu einem klimafreundlichen Leben verändern müssen. Wir haben Felix zum Interview gebeten: Was ihn antreibt und wie auch Ihr zu Botschaftern für Klimagerechtigkeit werden könnt, lest Ihr am besten selbst.

WVB: Felix, Du hast mit neun Jahren begonnen für das Klima zu kämpfen. Was hat Dich motiviert, so lange am Thema dran zu bleiben? 

FF: Alles fing damit an, dass ich den Eisbären retten wollte. Der Eisbär war früher mein Lieblingstier und ich hielt ein Referat mit dem Titel „Das Ende des Eisbären“. Das Thema beeindruckte mich nachhaltig und ich kam zu dem Entschluss, dass wir etwas tun müssen, um den Eisbären zu retten. Also pflanzten ein paar Mitschüler und ich den ersten Baum und so entstand dann auch Plant-for-the-Planet. Wir alle haben dann sehr schnell verstanden, dass es nicht nur darum geht, den Eisbären zu retten. Sondern auch um uns Menschen selbst und darum, wie wichtig und einflussreich Bäume und Wald in Bezug auf die Klimakrise sind. Denn die Bäume sind gewissermaßen die einzig verfügbaren „Maschinen“, die das von uns ausgestoßene CO2 aufnehmen können. 

Das alles hat über die Jahre unglaublich viel Spaß gemacht. Besonders, weil wir viele sehr coole Leute bei Plant-for-the-Planet an Bord haben und noch viel mehr fantastische Jugendliche überall auf der ganzen Welt verteilt sind, mit denen die Zusammenarbeit prima funktioniert. 
 

WVB: Wie hast du es geschafft, eine Organisation zu gründen, die weltweit etabliert ist und weltweit Beachtung findet? 

FF: Wir hatten auf unserem gesamten Weg natürlich unglaublich viel Unterstützung: Zu Beginn war meine Lehrerin natürlich ganz wichtig. Meine Eltern haben unglaublich viel mitgeholfen und viele Eltern von anderen Plant-for-the-Planet-Botschaftern haben es ebenfalls möglich gemacht, dass wir uns professionalisieren konnten. So ist aus einem Schulprojekt eine funktionierende Organisation gewachsen. 

Ein wunderbares Beispiel dafür ist vielleicht Michael Durrah: Wir haben 2012 „Die gute Schokolade“ auf den Markt gebracht. Wir hatten viele ganz tolle Händler, die bereit waren, als Partner auf ihren Profit zu verzichten, um uns mit dem Verkauf der Schokolade zu unterstützten. Und den Produzenten, der die Schokolade herstellt. Aber unser größtes Problem war: Wie bekommen wir die Schokolade vom Produzenten zu den Händlern? Dann haben wir erfahren, dass der Vater von zwei unserer Botschafter das riesige Senfunternehmen „Develey“ besitzt. Und die beiden konnten ihren Vater davon überzeugen, mit seinen Senflastern die Schokolade auszuliefert. Das tut er nun seit 2012 – für so gut wie umsonst. Nur deshalb können wir „Die gute Schokolade“ verkaufen. Wir erhielten über die Jahre also ganz viel fantastische Unterstützung.  
 

WVB: Gibt es bereits Auswertungen, was die bisher gepflanzten Bäume schon jetzt für unser Klima tun? 

FF: Grundsätzlich kann man sagen, dass ein gepflanzter Baum durchschnittlich zehn Kilogramm CO2 im Jahr aufnimmt. In den Tropen liegt dieser Wert sogar noch höher – bei bis zu 20 Kilogramm. Mit Hilfe von Spendengeldern haben wir in den vergangenen Jahren insgesamt über acht Millionen Bäume gepflanzt – hauptsächlich in den Tropen. Und natürlich haben unsere Mitglieder, die Kinder und Jugendlichen von Plant-for-the-Planet, noch viele weitere Bäume überall auf der Welt gepflanzt. 
 

WVB: Bitte erkläre uns einmal, mit welchen Aktionen pflanzt Plant-for-the-Planet gegen die Klimakrise an?

FF: Wir haben ein weltweites Netzwerk aus Botschaftern, also Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 20 Jahren, die aktiv sind. Diese veranstalten verschiedene Aktionen: Beispielsweise organisieren sie Pflanzaktionen und pflanzen dann mit ihren Freunden in ihrer Stadt Bäume. Sie halten außerdem unglaublich viele Vorträge in Schulen und anderen Vereinigungen. Und in Unternehmen, um auch dort die Idee von Plant-for-the-Planet weiter zu verbreiten. Darüber hinaus gehen sie auf ihre Bürgermeister, lokale Politiker und auf nationale Politiker zu, um sie von der Bedeutung der Bäume für das Klima und unseren Überzeugungen zu begeistern. Hinzu kommen noch eine ganze Menge anderer kreativer Aktionen: Beispielsweise stecken wir nach Weihnachten den Weihnachtstannen, die auf der Straße liegen, kleine Sprechblasen an: „Hätte ich Arme, würde ich Bäume pflanzen“, „Retten Sie wenigstens meinen Stammbaum“ oder „Suche Partner zwecks Fortpflanzung“ heißt es da.  

Seit zwei Jahren arbeiten wir außerdem an einer App, für die in wenigen Monaten der Startschuss fällt. Diese soll Menschen weltweit das Bäume pflanzen so einfach wie möglich machen. In der App findet man tolle Aufforstungsorganisationen in aller Welt. Dort sucht man sich dann seine Lieblingsorganisation aus, um direkt zu spenden, damit die Organisation für einen Bäume pflanzt.  
 

 

WVB: Was genau ist das Ziel von Plant-for-the-Planet? Warum macht Ihr das alles?

FF: Wir wollen zur Bewältigung der Klimakrise beitragen. Und eine der besten Lösungen der Klimakrise ist das Bäume pflanzen. Klar: Das Pflanzen von Bäumen alleine kann das Problem nicht lösen, aber es ist ein ganz wichtiger Beitrag. Wenn wir weltweit bis zu 1000 Milliarden zusätzliche Bäume pflanzen könnten, ließe sich der Baumbestand um bis zu einem Drittel erhöhen. Diese Bäume könnten zwischen einem Drittel und einem Viertel der weltweiten und vom Menschen gemachten CO2-Emissionen aufnehmen. Wenn wir das schaffen, wäre das ein ganz wichtiger Beitrag zur Bewältigung der Klimakrise. Denn ohne diese Bäume ist es wahrscheinlich unmöglich, die globale Erwärmung auf weniger als zwei Grad bis zum Jahr 2100 zu begrenzen. Deswegen versuchen wir von Plant-for-the-Planet, die Welt davon zu überzeugen, diese 1000 Milliarden Bäume zu pflanzen. Das machen wir einerseits, indem wir zu mehr Engagement auffordern und das Bewusstsein der Menschen für das Klimaproblem schärfen. Doch wir wollen natürlich nicht nur fordern, sondern auch ganz konkret selber etwas tun. Und deswegen pflanzen wir so viele Bäume, wie möglich. 
 

WVB: Bei welchem Etappenziel steht Plant-for-the-Planet aktuell?

FF: Wir stehen aktuell bei 8 Millionen gepflanzten Bäumen. 
 

WVB: In welchen Ländern konkret landen die Bäume, für die wir hier spenden?

FF: Unser derzeit mit Abstand größtes Aufforstungsprojekt befindet sich auf der Yucatán Halbinsel in Mexiko, also ganz im Süden des Landes. Dort wurde in den letzten Jahrzehnten ziemlich viel Regenwald zerstört. Wir sind gerade dabei, diesen wiederaufzuforsten: Auf 22 zerstörten Hektar Regenwald – einer Fläche, die so groß wie 50.000 Fußballfelder ist – pflanzen 100 Mitarbeiter von uns zurzeit im Durchschnitt alle 15 Sekunden einen Baum. So werden wir innerhalb eines Jahres dort etwas mehr als 2 Millionen Bäume pflanzen. 
 

WVB: Ihr richtet Euch mit Euren Aktionen und der Kommunikation gezielt an Kinder und Jugendliche. Was unterscheidet deiner Meinung nach junge Klimaschützer von der älteren Generation?

FF: Es ist nicht so, dass wir gedacht haben, dass Kinder und Jugendliche die Besten dafür wären, um das Problem zu lösen, sondern wir waren vor 12 Jahren einfach selbst Neun- und Zehnjährige, als es mit Plant-for-the-Planet losging. Da war für uns klar, dass wir eben mit Gleichaltrigen aktiv werden. Das heißt natürlich nicht, dass die vielen Bäume ausschließlich von Kindern gepflanzt werden sollten. Ganz im Gegenteil: Wir brauchen alle Hilfe, die wir kriegen können, um so viele Bäume zu pflanzen.
 

WVB: Plant-for-the-Planet bildet weltweit „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ aus. Was tut ein „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ denn genau? 

FF: Ein „Botschafter für Klimarechte“ setzt sich dafür ein, die Klimakrise anzupacken und natürlich ganz besonders dafür, Bäume zu pflanzen. Jeder Botschafter macht sich selbst Gedanken darüber, was er konkret tun will, um seinen Teil beizutragen. Somit setzt sich jeder Botschafter eigene, ganz unterschiedliche Ziele. Meistens sind das natürlich „Baum“-Ziele: Also, wie viele Bäume sie oder er selbst pflanzen will. Dazu gehört auch die Organisation von Baumpflanzaktionen und die Verbreitung unserer Botschaft. Sie oder er tut also genau das, was wir bei Plant-for-the-Planet schon seit Jahren tun. Nur eben im Kleinen.
 

WVB: Angenommen, meine kleine Schwester möchte auch Botschafter für Klimagerechtigkeit werden. Was muss sie dafür tun? 

FF: Sie meldet sich am besten auf unserer Website für eine unserer 1200 Akademien an. Mittlerweile geht das weltweit und in über 70 Ländern. Besonders in Deutschland finden eigentlich immer Akademien statt. Die Termine und jeweiligen Orte können auf unserer Website eingesehen werden. Und dann geht es auch schon los: Kinder und Jugendliche geben hier ihr Wissen weiter und bilden so die nächsten Botschafter für Klimagerechtigkeit aus. Die Teilnahme ist natürlich kostenlos.
 

WVB: Was macht für dich einen echten Weltverbesserer aus? 

FF: Hm … das ist eine schwierige Frage. Aber grundsätzlich gehört vor allem viel Enthusiasmus dazu und die Bereitschaft, etwas anzupacken. Wir sehen uns auf der Welt so vielen unterschiedlichen Herausforderungen ausgesetzt, dass es ganz unterschiedliche Weltverbesserer geben kann, die sich wiederum unterschiedlichste Ziele setzen. Für mich persönlich ist die Klimakrise die größte Herausforderung unserer Zeit. Und deswegen werde ich mich in all meinen Projekten immer darauf konzentrieren, gegen die Klimakrise anzukämpfen. 
 

WVB: Du hast vorhin schon das Potenzial der Tropenwälder erwähnt und auch auf dem Science Slam hast du erzählt, dass Afrika und Mexiko ein besonders hohes Potenzial als Anbaugebiete haben. Was macht diese Gebiete eigentlich so besonders?

FF: Zwei Sachen. Also erstmal wurde über die letzten Jahre in vielen tropischen Gebieten sowie in vielen Gegenden des globalen Südens extrem viel Wald zerstört. Natürlich wurde in Deutschland ebenfalls sehr viel abgeholzt. Dort wurde aber auch in den letzten hundert Jahren deutlich mehr aufgeforstet, weshalb das Waldpotenzial in Deutschland ziemlich weit ausgeschöpft ist. Ganz einfach, weil die meisten Flächen, die wir eben für nichts anderes brauchen, mittlerweile auch wieder bewaldet sind. In vielen Teilen des globalen Südens ist dieser Wald jedoch bisher nicht wieder entstanden. Hier wurde nicht aufgeforstet.

Der zweite Punkt ist, dass Bäume in den Tropen viel schneller wachsen, als in kälteren Gebieten der Welt und damit auch viel mehr CO2 aufnehmen. Ein Baum in Mexiko hilft uns und dem Klima deswegen viel mehr, als beispielsweise ein Baum in Deutschland. Außerdem ist dieser natürlich auch noch deutlich günstiger zu pflanzen, als ein deutscher Baum. Deshalb kann man mit dem gleichen Geld in Mexiko ungefähr 20 Mal mehr erreichen als in Deutschland. Auch aus diesem Grund macht es besonders viel Sinn, bevorzugt in tropischen Gebieten aufzuforsten. 
 

WVB: Du bist im September zu Gast in New York, während dort die UN Klima Konferenz stattfindet. Welche Punkte stehen auf deiner Agenda? Was möchtest du dort erreichen? Und: Kann man dir auf Facebook oder Instagram folgen und das verfolgen? 

FF: Wir haben jetzt zwei Jahre lang mit einem tollen Team von zehn Leuten an der oben erwähnten App gearbeitet. Bis zum September in New York wird sie fertig sein. Deshalb planen wir dort ein großes Event, bei dem wir die App der Welt vorstellen und alle dazu einladen, sie zu nutzen. Unser Besuch dort dreht sich insofern ganz um die App und darum, was die Menschen Tolles damit tun können. Ich habe ja vorhin schon kurz erzählt, dass man mit Hilfe unserer App Bäume spenden kann, aber: Sie hat natürlich noch ganz viele andere Funktionen. Beispielsweise können selbst gepflanzte Bäume registriert werden, man kann an Baumwettbewerben teilnehmen und gegeneinander antreten und anhand einer Art Forbes-Liste verfolgen, wer am meisten Bäume gepflanzt hat. Das ist das Hauptziel unserer ganzen Projekte in New York. Vor Ort haben wir die wunderbare Unterstützung des Umweltprogramms der UN. Sie unterstützen uns dabei, den Startschuss unserer App zu gestalten. Folgen kann man uns sehr wahrscheinlich via Facebook und Instagram
 

WVB: Kommen wir auch schon zu unserer letzten Frage: Du hast drei Wünsche frei. Was wünschst du dir? 

FF: Mein erster Wunsch ist, dass wir weltweit unseren CO2-Ausstoß reduzieren. Das bedeutet, auch weniger Fleisch essen zu essen, weniger Öl, Kohle und Gas zu verbrennen. Sodass wir unsere Gesellschaft langfristig zu einer niedrigeren CO2-Nutzung umgestalten. Mein zweiter Wunsch ist natürlich, weltweit tausend Milliarden Bäume zu pflanzen. Der dritte Wunsch ist relativ wage. Ich wünsche mir, dass wir die globale Ungerechtigkeit besser in den Griff bekommen. 

Die Techniker

Mit der „Sauerstoffmaschine“ Baum gegen die Klimakrise. Wir packen ab sofort die Schaufel aus und pflanzen mit unserem neuen Projekt #waldverbesserer gegen den Klimawandel an. Wirklich jeder Baum hilft, CO2 zu binden und unsere Luft zu verbessern – weltweit. Werde auch Du zum Baumpflanzer und unterstütze mit uns das Projekt Plant-for-the-Planet.

Projekt läuft bereits seit 14.06.2019

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