weltverbesserer Leben Angst vor Krieg – so gehst du damit um

Angst vor Krieg – so gehst du damit um

Foto: DimaBerlin / stock.adobe.com

Für die meisten von uns ist Krieg etwas Abstraktes, das entweder vor langer Zeit stattgefunden hat oder weit von uns entfernt ist. Der Konflikt in der Ukraine hat das auf einen Schlag geändert. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie sind wir mit einer neuen Bedrohung konfrontiert: Krieg in Europa scheint möglich. Ein Szenario, das vielen Menschen verständlicherweise Sorgen bereitet. Die Angst vor Krieg ist plötzlich real und wird durch die vorangegangene und immer noch andauernde Corona-Krise noch zusätzlich verstärkt. Wir erklären, wie man mit der Angst vor Krieg umgehen kann.

Politische Unruhen und bewaffnete Auseinandersetzungen machen Angst, denn sie bedrohen uns in unserer Existenz. Durch einen Krieg könnte man in kürzester Zeit alles verlieren, was einem wichtig ist. Sei es, weil man fliehen muss, um zu überleben oder weil Bomben alles zerstören. Die Angst vor Krieg ist also ein sehr tiefe, sehr existenzielle und es ist nur allzu verständlich, wenn man sich beim Anblick der Bilder aus der Ukraine unwohl fühlt. Auch Kinder und Jugendliche sind betroffen und können Ängste vor einer ungewissen, gefährlichen Zukunft entwickeln. Wir müssen lernen, damit umzugehen, sodass weder unsere Gesundheit noch unser soziales Miteinander darunter leiden.

Spielsteine aus Holz mit Buchstaben, die den Satz Do not Fear (Hab keine Angst) zeigen
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Brett Jordan

Angst vor Krieg ist „normal“

Angst ist ein ganz normaler Teil unseres Lebens. Jeder empfindet sie, wenn auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Obwohl die Emotion meist negativ wahrgenommen wird, war sie in früheren Zeiten für uns überlebenswichtig. Angst signalisierte eine drohende Gefahr und bereitete unseren Körper darauf vor, entweder zu flüchten oder sich zu verteidigen.

Heute sind es weniger Säbelzahntiger oder wilde Tiere, die uns bedrohen, sondern eher Situationen wie etwa ein möglicher Krieg in Europa. Durch einen Krieg können Menschen ihre Existenzgrundlage verlieren. Angst vor Krieg zu haben ist also absolut legitim, auch wenn er nicht vor der eigenen Haustür stattfindet. Dazu kommt, dass wir nach zwei Jahren Corona-Pandemie emotional bereits ausgelaugt sind und Gefühle wie Angst dadurch verstärkt werden. Die Alarmsysteme unseres Körpers fordern uns auf, entweder zu fliehen oder zu kämpfen, wir können jedoch beides nicht.

Als Folge dieser Angst vor Krieg neigen Menschen zu irrationalen Handlungen. Sie horten beispielsweise übertrieben viel Lebensmittel, kaufen Weizen und Klopapier. Andere wiederum konsumieren Nachrichten bis zum Exzess, nur um garantiert als erste über eine mögliche Zuspitzung der Situation informiert zu sein.

Junge Frau liegt im Bett, schaut mit aufgerissenen Augen und zieht sich die Bettdecke bis über die Nasenspitze hoch
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Alexandra Gorn

Angst vor Krieg kann krank machen

Doch es ist nicht nur die Angst vor Krieg, die psychisch belastend ist und krank machen kann. Eine Metastudie aus dem Jahr 2019 untersuchte, wie sich Kriege auf unsere Psyche auswirken. Die Forscher, unter anderem der WHO, fanden heraus, dass mehr als ein Fünftel aller Menschen aus Kriegsgebieten an Traumata und psychischen Problemen in verschiedenen Ausprägungen leidet, von leicht bis schwer. Die Betroffenen litten etwa an Depressionen, PTBS, Trauma- oder Angststörungen. Angst warnt uns davor, sinnlose Kampfhandlungen auszutragen und sagt uns, was durch einen Krieg alles auf dem Spiel steht. Wirkt sie sich jedoch negativ auf unseren Alltag aus, müssen wir lernen, mit ihr umzugehen.

Junge Frau im Dunklen schlägt die Hände vor das Gesicht und schaut zwischen einzelnen Fingern hindurch
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Melanie Wasser

Auch Kinder und Jugendliche leiden unter Angst vor Krieg

Kinder und Jugendliche sind ebenso von Kriegsangst betroffen wie Erwachsene. Sie kennen Krieg oft nur aus den Erzählungen ihrer Großeltern, aber sehen die Bilder in verschiedenen Medien, lesen oder hören die Nachrichten und bemerken die Unruhe und Besorgnis von Eltern oder anderen Bezugspersonen.

Für Kinder und Jugendliche ist die Angst vor Krieg also etwas sehr Diffuses, das sie nicht greifen können. Das lässt die jungen Menschen mit Gefühl zurück, einer Gefahr ausgeliefert zu sein, gegen die sie nichts tun können. Teilweise schlägt das Ohnmachtsgefühl auch ins Gegenteil um und wird zu Wut auf die vermeintlichen, nicht greifbaren, Gegner.

Um Kindern und Jugendlichen im Umgang mit der Angst vor Krieg zu helfen, sollten Eltern und andere erwachsene Bezugspersonen die Emotionen auf jeden Fall ernst nehmen. Am wichtigsten ist, über solche Gefühle zu sprechen und gerade auch jungen Kindern zu erklären, was in der Ukraine gerade passiert. Eltern sollten dabei offen zu ihren Sorgen stehen, den Kindern aber auch vermitteln, dass sie hier in Deutschland in Sicherheit sind und von den Eltern geschützt werden.

Jugendliche steht vor Graffitiwand und hält die Hände zu Fäusten geballt vor ihre Brust
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Frank Alarcon

Krisen-Chats für Kinder und Jugendliche als Hilfe bei Angst

Ältere Kinder und Jugendliche, die deutlich aktiver in den sozialen Netzwerken sind, werden oft mit schrecklichen Bildern konfrontiert, die sie nur schwer einordnen können. Allein die Bilderflut kann den jungen Menschen schon Angst machen. Nicht immer steht dann ein Elternteil für ein klärendes oder beruhigendes Gespräch zur Verfügung. In diesem Falle helfen Online-Beratungsstellen, zum Beispiel der TK Krisenchat für Kinder und Jugendliche, bei der Bewältigung der Situation.

Zudem sollten die Eltern mit ihren Kindern auch über deren Medienkonsum sprechen und erklären, dass es manchmal besser ist, weniger Zeit auf Social Media zu verbringen und lieber auf seriöse Informationsquellen, beispielsweise Nachrichtensendungen, zurückzugreifen. Da Angst unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzt, lässt sie sich am schnellsten überwinden, wenn wir aktiv werden. Kinder und Jugendliche sollten daher Möglichkeiten aufgezeigt bekommen, aktiv etwas gegen den Krieg zu tun, etwa Hilfsgüter sammeln und spenden oder Protestplakate basteln.

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TK Leistung Familie

Tipps zum Umgang mit der Angst vor Krieg

Was Kinder und Jugendliche hilft, mit der Angst vor Krieg umzugehen, gilt für Erwachsene ebenso: Wichtig ist, die eigenen Ängste zu akzeptieren und darüber zu sprechen, denn viele andere Menschen empfinden ähnlich. Wenn sich Eltern oder Familien in der Situation mit den Kindern überfordert fühlen, sind Dienste und Beratungsstellen hilfreich, wie das Familientelefon der Techniker Krankenkasse. Dort finden diejenigen, die Hilfe suchen, eine professionelle Anlaufstelle. Im Austausch mit anderen oder indem wir unsere Sorgen und Ängste niederschreiben, können wir lernen, sie einzuordnen und zu bewerten. Etwa indem wir uns die Frage stellen, wie wahrscheinlich das Eintreten einer bestimmten, uns Angst machenden Situation ist.

Unser Medienkonsum und die sogenannte Medienhygiene spielen dabei eine zentrale Rolle. Wer von den vielen schlechten Nachrichten und schrecklichen Bildern überwältigt ist und sich ihnen ohnmächtig ausgeliefert fühlt, kann und darf eine „Nachrichtenpause“ einlegen und nur noch gezielt Informationen aus seriösen Quellen konsumieren, zum Beispiel öffentlich-rechtliche Nachrichtensender.

Angst ist eine Waffe, die auch gezielt eingesetzt wird. Umso wichtiger ist es, Fake News, Propagandameldungen und Desinformationskampagnen erkennen zu lernen. Wer sich, soweit in einer Kriegssituation möglich, im Klaren über den Stand der Dinge ist, kann rationaler handeln und besser mit seinen Ängsten umgehen.

Korrekte Informationen lassen uns auch erkennen, wo wir selbst aktiv werden und somit unsere Angst vor Krieg bekämpfen können. Beispielsweise, indem wir Hilfspakete erstellen, Organisationen vor Ort unterstützen oder friedliche Protestaktionen planen. Aber auch die Nutzung von Social Media, um die Menschen in Russland mit Fakten über den Krieg in der Ukraine zu versorgen, ist eine Möglichkeit, indirekt zu helfen.

Keinesfalls aber sollten wir mit dem Gedanken leben, keine positiven Erlebnisse mehr haben zu dürfen, weil woanders Krieg herrscht. Ganz im Gegenteil, schöne Erfahrungen und soziale Kontakte geben uns Halt im Alltag und stabilisieren unsere Psyche, sodass wir besser in der Lage sind, andere zu unterstützen.

Sollte die Kriegsangst trotzdem manchmal überwältigend sein, kann, darf und soll professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Bei Psychotherapeuten, Telefonseelsorge oder Online-Beratungsstellen offen und zum Teil anonym über die eigenen Ängste zu sprechen, befreit und hilft uns, besser damit umzugehen.

Spielsteine mit Buchstaben, die den Satz Faith over Fear (Glaube über Angst) zeigen
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Sincerely Media

Zusammenhalt und Mitgefühl gegen Angst vor Krieg

Angst vor Krieg ist etwas, das uns bis ins tiefste Innere erschüttert. Menschen sterben, müssen flüchten oder verlieren alles, was ihnen wichtig ist. Doch so verständlich die Angst vor einem Konflikt angesichts der Bilder aus der Ukraine ist, wir müssen lernen, damit umzugehen, wollen wir nicht unsere Gesundheit und unser soziales Miteinander aufs Spiel setzen. Zusammenhalt, Mitgefühl und gegenseitige Hilfe sind schließlich unsere beste Möglichkeit, einen solchen Krieg zu verhindern.