weltverbesserer Wissen 9 Merkmale, an denen du erkennst, ob ein Bullshit Job krank macht

9 Merkmale, an denen du erkennst, ob ein Bullshit Job krank macht

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Arbeit kann sehr erfüllend und sinnstiftend sein – oder Bullshit. Wenn das Beste an deinem Job ist, dass sich dein Schreibtischstuhl dreht und dass es Urlaub und Wochenende gibt, hast du es vielleicht mit einem Bullshit Job zu tun. Woran du einen solchen erkennst, was das mit deiner Gesundheit zu tun hat und was du dagegen tun kannst, klären wir auf.

Da unsere Arbeit einen großen Teil unserer Lebenszeit einnimmt, ist sie auch ein relevanter aber oft übersehener Aspekt für unsere Gesundheit. In einer holistischen Definition von Gesundheit steht deshalb auch unser Job auf dem Prüfstand: Ist er gut für uns – oder macht er uns womöglich sogar krank?

Was ist ein Bullshit Job überhaupt?

Als Bullshit Job bezeichnet der Wissenschaftler und Autor David Graeber eine sinnlose Beschäftigung. Deshalb nannte er sein Buch über Jobs, die uns krank machen können „Bullshit Jobs“. Darin geht es um den wahren Sinn der Arbeit – und welche Faktoren uns diesen Sinn rauben können. Bei einem Bullshit Job sind wir als Menschen sozusagen egal: Die Tätigkeit ist eintönig und würde sie niemand erledigen, würde es eigentlich keinen Unterschied machen. Entsprechend können wir dabei weder unsere Ideen noch unsere Talente einbringen – und irgendwann steigen wir mental und emotional aus.

Ein Bullshit Job macht krank, wenn er stresst
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Wie uns unser Job stressen kann

In der Stressstudie der TK zeigte sich, dass sich über 60 Prozent der Deutschen regelmäßig gestresst fühlen. Viele Menschen erleben Ihren Job als Stressfaktor. Vor allem Menschen zwischen 30 bis 39 Jahren sind ständig angespannt: 82 Prozent leben mit Dauerstress. Die Studie führt das darauf zurück, dass in dieser Lebensphase die Karriere anspruchsvoller wird und oft auch kleine Kinder oder pflegebedürftige Eltern für zusätzliche Arbeit sorgen. In den 40ern sinkt bei vielen Menschen der subjektiv wahrgenommene Stress wieder – nur die Arbeit zwickt weiter ins Gewissen: Drei von zehn Befragten über 50 Jahren gaben in der Studie an, mit dem Arbeitstempo der jüngeren Kolleg:innen nicht mehr lange mithalten zu können.

Vor allem die Digitalisierung, die damit verbundene Beschleunigung der Kommunikation und die ständige Erreichbarkeit machen den älteren Arbeitnehmer:innen zu schaffen. Doch jenseits der 60 winkt die große Gelassenheit: Nur 10 Prozent der über 60-Jährigen fühlen sich regelmäßig gestresst. Da in diesem Alter viele Menschen in Rente gehen, scheint die Arbeit einer der Hauptfaktoren für Stress in unserem Leben zu sein.

So weit, so schlecht. Doch Stress fühlt sich nicht nur unangenehm an – er kann uns auch krank machen: Von Diabetes, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Depressionen können viele Krankheiten durch Stress ausgelöst, begünstigt oder verschlimmert werden. Deshalb ist es auch für deine Gesundheit wichtig, einem Bullshit Job möglichst früh auf die Schliche zu kommen.

Macht dein Job dich krank?
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9 Merkmale, an denen du merkst, dass dein Job ein Bullshit Job ist

Seit Jahrzehnten analysieren Psycholog:innen, wie unsere Arbeit sich auf unsere Lebenszufriedenheit und unsere Gesundheit auswirkt. Dabei kommen sie immer zu recht ähnlichen Ergebnissen. An diesen Merkmalen erkennst du einen ungesunden Bullshit Job.

1. Du erlebst deine Arbeit nie als Herausforderung

Damit wir in unserer Arbeit aufgehen können, brauchen wir die Möglichkeit, unsere persönlichen Fähigkeiten und Talente einzubringen. Wenn unsere Vorgesetzen diese nicht erkennen oder nicht einsetzen wollen, stellt sich schnell Resignation ein. Bei einem Bullshit Job ist es völlig egal, ob du du bist – oder ob jemand mit völlig anderen Kenntnissen auf deinem Stuhl sitzt.

2. Du fühlst dich überfordert

Bei einem echten Bullshit Job kann es nicht nur passieren, dass du unterfordert bist – sondern auch überfordert. Das kann zum einen daran liegen, dass du Aufgaben bekommst, die nicht zu deinen Kenntnissen passen. Zum anderen liegt die Überforderung oft aber auch daran, dass nicht ganz klar ist, wer was wann von dir erwartet. So arbeitest du vor dich hin und weißt eigentlich gar nicht genau, was und warum du das machst.

3. Du meldest dich häufig krank

Studien zeigen immer wieder: Wenn unser Job uns unglücklich macht, melden wir uns häufiger krank: Menschen, deren Chef:in schlechte Noten kassierte, meldeten sich einer Studie zufolge durchschnittlich 15 Tage pro Jahr krank. Wurde die Führungskraft dagegen als umgänglich und gerecht wahrgenommen, waren es durchschnittlich nur 12,7 Tage.

TK Leistung Aerztezentrum

4. Du prokrastinierst

Du surfst, scrollst gedankenverloren durch deinen Instagram-Feed oder hängst mit der Kollegin in der Kaffeeküche rum? Die eigentliche Arbeit aufzuschieben und stattdessen etwas ganz anderes zu machen, ist ein klares Zeichen für einen Bullshit Job. Denn wenn uns die Aufgabe nicht packt, dann wollen wir sie nicht machen – und schieben sie auf.

5. Die Arbeit ist ständig ein Thema, auch nach Feierabend

Ein Bullshit Job nervt – und deshalb fällt es uns schwer, abzuschalten. Fast die Hälfte aller Befragten haben in der TK-Stresstudie „Entspann dich, Deutschland“ angegeben, dass sie sich nach der Arbeit abgekämpft und ausgelaugt fühlen. Auch wenn wir längst Feierabend gemacht haben, krallt er sich mit seinen Klauen in unser Unterbewusstsein – und nervt. Wenn dein Job dich sogar am Schlafen hindert, ist es eindeutig: Dein Job stresst dich.

6. Es gibt Stress zwischen den Mitarbeitenden

In dicker Luft können wir schlecht durchatmen – und werden irgendwann krank. Ein ungünstiges Betriebsklima kann uns ordentlich auf die Stimmung schlagen, schließlich sehen wir kaum andere Menschen so viele Stunden pro Woche, wie unsere Kolleg:innen. Wenn wir uns von unserem Team ausgeschlossen oder unverstanden fühlen, triggert das eine Urangst: Die Angst, von der Gruppe verlassen und schutzlos den Steinzeit-Säbelzahntigern überlassen zu sein. Entsprechend kann ein Job mit einem gegeneinander arbeitenden Team für ordentlich emotionalen Stress sorgen.

7. Die Kommunikation ist nicht konstruktiv

Ein weiteres Zeichen für einen ungesunden Job ist, wenn die Kommunikation schlecht ist – oder ganz fehlt. Das trägt nämlich dazu bei, dass du nicht weißt, was du machen sollst. Genauso ist Feedback, das schneller auf die persönliche Ebene rutscht, als du „Bullshit“ sagen kannst, ein Zeichen für einen schlechten Job. Konstruktives Feedback bringt dich weiter und hilft dir dabei, dich stetig zu verbessern. Destruktives Feedback hingegen gibt dir ein schlechtes Gefühl und bezieht sich mehr auf deine Person als auf deine Arbeit. Und auch wenn du bei Rückfragen keine Antwort bekommst oder wichtige Entscheidungen hinter verschlossenen Türen blieben, sorgt das für Frust und das Prädikat „Bullshit Job“.

8. Du lebst fürs Wochenende

Wenn das Beste an deiner Arbeit ist, dass sie irgendwann vorbei ist, hast du einen Bullshit Job. Da wir keine Roboter, sondern fühlende Menschen sind, können wir nicht einfach nur funktionieren, um Geld zu verdienen – wir müssen auch zumindest etwas Freude an unserem Job haben.

9. Du kannst dich mit den Werten und der Kultur in deinem Job nicht identifizieren

Holistische Gesundheit bezieht alle Lebensbereiche mit ein, wenn es um deine Gesundheit und dein Wohlbefinden geht. Deshalb spielt auch dein Wertesystem mit hinein, wenn es darum geht, ob dein Job gut für dich ist. Ein sicheres Zeichen für einen Bullshit Job ist es, wenn du dich weder mit den Werten und Zielen des Unternehmens noch mit dem Führungsstil der Vorgesetzen identifizieren kannst. Wenn eigentlich alles in dir rebelliert, wenn du morgens deinen Computer hochfährst, könntest du es mit einem Bullshit Job zu tun haben.

Ein gutes Team ist wichtig und gesund
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Was du tun kannst, wenn deine Arbeit dich krankzumachen droht

Nun gut, sicher findet sich jede:r in dem ein oder anderen Punkt immer mal wieder. Aber treffen die meisten oder sogar alle der genannten Merkmale auf dich zu? Und das auch schon länger? Na, dann überleg dir am besten mal, ob du etwas daran ändern kannst. Oder dir einen neuen, besseren Job suchen möchtest. Denn kein Job der Welt darf dich (dauerhaft) krank machen.

  • Arbeitszeit reduzieren: Wusstest du, dass Angestellte in Deutschland das Recht darauf haben, ihre aktuelle Stundenzahl zu reduzieren. Dafür musst du zwar schon eine gewisse Zeit im Unternehmen arbeiten, aber danach kannst du deinem Bullshit Job nach und nach den Saft abdrehen. Und deine verbleibende Zeit in etwas investieren, dass dich glücklich macht.
  • Pausen einlegen: Damit du dauerhaft gute Arbeit leisten kannst, sind Pausen enorm wichtig. Gerade wenn du momentan nicht 100 Prozent happy mit deinem Job bist, solltest du dich nicht aufreiben, um durch Fleiß mehr Freude rauszuholen. So funktioniert das nämlich leider nicht. Sorge für dich und nimm dir Zeit für eine Mittagspause und einen ausreichend langen Feierabend.

Lies dazu auch: Wie du stressfreier durch die neue Arbeitswelt kommst

  • Equipment anschaffen: Wenn du merkst, dass dir dein Job auf den Rücken geht, frag deine Vorgesetzten, ob sie dir einen höhenverstellbaren Schreibtisch spendieren. Genauso kann dir die Investition in eine ergonomische Mouse oder einen besseren Bildschirm dabei helfen, dass dir der Job leichter von der Hand geht. Die TK hat sogar eine Checkliste für deinen gesunden Arbeitsplatz. Schau dich doch mal um.
  • Zuhause arbeiten: Vor allem wenn du deine Kolleg:innen als Belastung empfindest, kann Home Office eine echte Erleichterung sein. Es reduziert vor allem den Stress vieler Pendler:innen, die morgens und abends einen langen und monotonen Arbeitsweg zurücklegen müssen.
  • Erwartungen reduzieren: Das beste Mittel dagegen, enttäuscht zu werden, ist es, nichts oder zumindest weniger zu erwarten. Schraube deine Erwartungen an deine Arbeit so weit zurück, wie es für dich angenehm ist.

Wenn du merkst, dass dein Job anfängt dich krank zu machen, hast du vielleicht einen Bullshit Job. Und Einsicht ist bekanntlich der schnellste Weg zur Besserung. Aber wenn dein Job gar keine Hoffnung oder gar keinen Spaß mehr macht, dann ist auch ein Jobwechsel in Ordnung. Wichtig, auch für deine seelische Gesundheit, ist für dich zu wissen, dass du alles versucht hast.

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