weltverbesserer Wissen 9 Ernährungsformen: Was sie für dich und die Umwelt bedeuten

9 Ernährungsformen: Was sie für dich und die Umwelt bedeuten

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Viele Menschen haben an ihre Ernährung wenig Ansprüche: schmecken soll es, möglichst wenig Aufwand erfordern und schnell zur Hand sein. Fertiggerichte, Convenience Produkte und Lieferservices boomen. Mit teilweise gravierenden Folgen für unsere Gesundheit, wie Übergewicht und Diabetes, einem Anstieg von Allergien und Unverträglichkeiten oder Gelenkerkrankungen. Auch die Umwelt leidet unter unserer häufigsten Ernährungsform, sei es durch die Palmölproduktion, Massentierhaltung, lange Transportwege oder die enorme Zahl an Plastikverpackungen. Was für alternative Ernährungsformen gibt es? Und sind sie besser für uns und den Planeten?

Alternative Ernährungsformen sind aus dem Wunsch entstanden, sich gegen diesen Trend zu stellen und zu versuchen, die Situation für sich und die Umwelt zu verbessern. Nicht alle sind jedoch dafür geeignet: Entweder, weil sie langfristig eine Mangelernährung verursachen können oder weil sie aufgrund der erlaubten Speisen der Umwelt noch mehr schaden als unser ohnehin recht verschwenderischer Lebensstil. Wir wollen dir hier die wichtigsten Ernährungsformen und ihre Auswirkungen auf dich und unseren Planeten vorstellen.

Unsree Ernährungsform bestimmen unsere Gesundheit und die unseres Planeten
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1. Vegetarisch

Vegetarische Ernährung umfasst verschiedene Varianten, die aber eines gemeinsam haben: Man verzichtet dabei auf Fleisch und Fisch. Auf dem Speiseplan stehen Obst und Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte als Eiweißlieferanten und, je nach Auslegung, auch Milch, Milchprodukte oder Eier.

Vegetarier streichen Fleisch und Fisch häufig vom Speiseplan, weil ihnen das Tierwohl am Herzen liegt, manchmal stecken auch Unverträglichkeiten oder religiöse Gründe dahinter. Dabei ist es ausgesprochen gesund, sich fleischlos zu ernähren, vorausgesetzt, es wird auf eine ausreichende Zufuhr von Proteinen geachtet. Frisches Obst und Gemüse sorgt für ausreichend Vitamine und Mineralstoffe und enthalten weniger Kalorien als Fleisch und tierisches Fett.

Die vegetarische Ernährungsform tut aber nicht nur unserem Körper, sondern auch der Umwelt gut. Weil die Massentierhaltung einer der größten Treiber der weltweiten CO₂-Emissionen ist, belasten Vegetarier das Klima mit ihrer Ernährung um rund ein Viertel weniger als Fleischesser.

2. Vegan

Veganer verzichten auf alle tierischen Lebensmittel. Erlaubt sind in dieser Ernährungsform Obst und Gemüse, Getreide, pflanzliches Öl, Nüsse, Hülsenfrüchte und pflanzliche Milch, die zum Beispiel aus Soja oder Hafer hergestellt wird. Zusätzlich werden noch kleine Mengen Meeresalgen verzehrt, um die Versorgung mit Proteinen und Jod sicherzustellen.

Gesundheitlich ist eine Ernährungsform auf pflanzlicher Basis unbedenklich, jedoch solltest du auf ausgewogene Mahlzeiten achten, um Nährstoffmangel zu vermeiden. Viele vegane Fertigprodukte enthalten beispielsweise große Mengen Zucker oder Öl für einen besseren Geschmack. Weil keine Milch und Milchprodukte auf dem Teller landen, kann, speziell bei Kindern, ein Kalziummangel entstehen. Die Hersteller von Pflanzenmilch haben darauf aber längst reagiert und ihre Erzeugnisse mit Kalzium angereichert.

Werden überwiegend regionale und saisonale Produkte konsumiert, fällt die Klimabilanz der veganen Ernährung noch besser aus als jene der Vegetarier:innen. Vorsicht ist dann geboten, wenn häufig exotische Lebensmittel gegessen werden, die bei uns nicht angebaut werden können, wie etwa Avocados, Mangos oder konventionell erzeugte Ersatzprodukte. Durch lange Transportwege erhöhen sie die CO₂-Bilanz erneut und angesichts der Lieferklette sollte über die soziale Gerechtigkeit im Herkunftsland nachgedacht werden.

3. Flexitarier

Flexitarier sind eigentlich keine eigene Ernährungsform. Gegessen wird alles, was schmeckt, Fleisch und Fisch landen aber nur sehr selten auf dem Teller. Die „flexiblen Vegetarier:innen“ stellen dennoch die größte Gruppe unter den alternativen Ernährungsformen in Deutschland dar.

Ein Grund dafür könnte sein, dass Flexitarier auf nichts verzichten müssen, aber durch die Bevorzugung pflanzlicher Lebensmittel der Gesundheit und der Umwelt etwas Gutes tun, speziell wenn sie regional und saisonal einkaufen.

4. Paleo und Paleo-Vegan

Die Anhänger der Paleo und Paleo-Veganen Ernährung wollen so essen, wie unsere Vorfahren das angeblich schon in der Steinzeit getan haben. Erlaubt in dieser Ernährungsform sind Fleisch, Fisch, Samen, Nüsse und Beeren. Verboten ist alles, was nach Auffassung dieser Theorie später in unseren Speiseplan aufgenommen wurde. Darunter sind Milch und Milchprodukte, Getreide, Zucker, Zusatzstoffe und stärker verarbeitete Fette. Bei Paleo-Veganern fallen selbstverständlich auch Fleisch und Fisch weg.

Ob diese Ernährungsform so gesund ist, wie behauptet, ist umstritten. Durch den Verzicht auf verarbeitete Fette, Fertiggerichte und Zucker tun wir unserem Körper mit Sicherheit etwas Gutes. Die Liste der erlaubten Lebensmittel ist jedoch bei Paleo sehr fleischlastig und bei Paleo-Vegan stark eingeschränkt. Das kann einerseits zu Mangelerscheinungen führen, andererseits ist der Konsum von größeren Mengen Fleisch in der heutigen Zeit nicht nachhaltig und schlecht für die Umwelt.

5. Clean Eating

Diese Ernährungsform setzt auf den Verzicht von Zusatzstoffen und stark industriell verarbeiteten Produkten, wie Weißmehl oder Zucker. Fertiggerichte und Fastfood sind Tabu. Erlaubt sind dagegen alle natürlichen Dinge und gekocht wird weitestgehend selbst. Auch die Transportwege sollen bei Clean Eating möglichst kurz sein, weswegen regionale und saisonale Lebensmittel in Bioqualität bevorzugt werden.

Unterm Strich ist Clean Eating damit eine Ernährungsform, die der eigenen Gesundheit und unserer Umwelt zugutekommt. Weniger Zucker, verarbeitete Fette und mehr Gemüse beugt Mangelerscheinungen und Übergewicht vor und sorgt für eine ausgewogene Ernährung. Gleichzeitig reduzieren kurze Transportwege und die Vermeidung von industriell erzeugten Produkten den CO2-Ausstoß beträchtlich.

6. Slow Food

Die Ernährungsform „Slow Food“ versteht sich als Gegenströmung zu schnellem und billigem Essen. Es gibt keine Gebote oder Verbote, was gegessen werden darf, die Lebensmittel sollen allerdings gut (sprich, gesund, frisch und lecker) und möglichst sauber (also biologisch, regional, saisonal und ohne industrielle Verarbeitung) produziert worden sein. Essen ist Genuss und soll die nachhaltige Landwirtschaft und altes Handwerk fördern und unterstützen.

Slow Food ist damit mehr eine Philosophie, denn eine echte Ernährungsform. Der gesundheitliche Nutzen ist hier zu vernachlässigen, im Vordergrund steht die Nachhaltigkeit und die Sicherung unserer (regionalen) Lebensmittelversorgung.

Rohkost ist eine unserer Ernährungsformen
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7. Rohkost

Bei dieser Ernährungsform wird nichts gegessen, das über mehr als 40 Grad Celsius erwärmt wurde. Diese Speisen gelten als „zerkocht“ und damit ungesund, weil beim Erwärmen nach Meinung der Verfechter der Rohkost die Vitamine und übrigen Nährstoffe zerstört würden.

Rohkost-Anhänger ernähren sich daher hauptsächlich von Obst und Gemüse, kaltgepressten Ölen sowie Nüssen. Einige essen Fleisch oder Fisch als Tartar, kalt geräuchert oder getrocknet. Getreide, Hülsenfrüchte oder beispielsweise Kartoffeln fallen weg, da diese vor dem Verzehr erhitzt werden müssten, um genießbar zu sein.

Diese Ernährungsform ist aus gesundheitlicher Perspektive nur bedingt und über einen kurzen Zeitraum zu empfehlen, etwa zum Abnehmen oder zur Sanierung der Darmflora. Zum einen kann die große Menge an Ballaststoffen, die durch rohes Gemüse aufgenommen wird, den Körper überfordern und die Verdauung gehörig durcheinanderbringen. Bei Fleisch und Fisch besteht zudem die Gefahr einer Vergiftung durch Salmonellen oder anderen Keimen. Zum anderen wird die Energiezufuhr bei Rohkost sehr stark gedrosselt, was langfristig eine Unterernährung zur Folge haben kann.

Die Umweltbilanz hängt hier ganz davon ab, was konkret gegessen wird und wie nachhaltig (bio, regional, Menge) eingekauft wird.

8. Frutarier

Frutarier sind im Grunde genommen eine extreme Art des Veganismus. In dieser Ernährungsform werden nur pflanzliche Lebensmittel gegessen, deren Gewinnung der Pflanze selbst nicht schadet. Aus diesem Grund wird auch auf Getreide verzichtet, übrig bleiben nur Obst, Gemüse, Samen und Nüsse. Manche Frutarier gehen sogar so weit, nur Obst zu essen, das selbst vom Baum gefallen ist.

Das mag zwar gut für die Umwelt sein, da weder etwas angebaut noch Tierhaltung betrieben werden muss. Für den Körper ist eine solche Ernährungsform allerdings eher belastend, da durch den Wegfall eines Großteils der Lebensmittel die ausreichende Versorgung mit allen wichtigen Nährstoffen, speziell Proteinen, nicht gewährleistet werden kann.

Wie wir uns ernähren ist unterschiedlich. Ausgewogen und nährstoffreich soll es sein.
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9. Low Carb/Keto

Low Carb und Keto sind Ernährungsformen, die die Kohlenhydratzufuhr so weit wie möglich reduzieren wollen. Fehlen die Kohlenhydrate, muss der Körper Fette oder die sogenannten Ketonkörper (daher der Name), die in der Leber aus Fetten gebildet werden, zur Energiegewinnung heranziehen. Dadurch, so die Theorie, nimmt man ab und vermeidet auch das „Zuckerlow“, das zu Heißhungerattacken führt.

Low Carb und Keto verzichten auf Brot, Nudeln, Reis und jede Form von Getreide oder Hülsenfrüchten. Zucker und Weißmehl sind ebenso tabu wie Obst, Fertiggerichte oder Alkohol. Stattdessen landen viel fetthaltiges Fleisch und Fisch, Milchprodukte, Eier, Samen und Nüsse sowie grünes Gemüse auf dem Teller. Das macht diese Ernährungsweise wenig nachhaltig, vor allem, wenn aus Kostengründen auf Fleisch aus Massentierhaltung zurückgegriffen wird.

Eine Mangelernährung ist mit Low Carb und Keto zwar nicht wahrscheinlich, durch den fast völligen Verzicht auf Kohlenhydrate sind diese beiden Varianten jedoch eher als Diät, denn als dauerhafte Ernährungsform zu verstehen. Zu wenig Kohlenhydrate sind nämlich für den Körper fast ebenso schlecht wie zu viel davon.

Was lernen wir daraus im gesamten? Viele der verschiedenen modernen Ernährungsformen sind ein Versuch, gesünder zu essen. Und manche wollen gleichzeitig unseren Planeten schützen, sei es durch Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, bewussteres einkaufen oder Speisen selber zubereiten. Welche der Ernährungsformen nun „die Richtige“ ist, lässt sich dabei nicht pauschal beantworten. Sicher ist nur, Extreme sind der Gesundheit genauso wenig zuträglich, wie Fastfood und Fertiggerichte. Es ist daher gut, im wahrsten Sinne des Wortes über den Tellerrand zu blicken und zu überlegen, ob sich nicht aus jeder Ernährungsform ein paar Aspekte in den Alltag integrieren lassen.