weltverbesserer Wissen 7 Serien, die viel über die Gesellschaft verraten

7 Serien, die viel über die Gesellschaft verraten

Foto: Kitja / stock.adobe.com

Während wir zu Hause Social Distancing betreiben, können wir immerhin digital von der offenen Gesellschaft träumen. Zum Beispiel mit diesen 7 Serien-Hits, hinter denen sich mehr verbirgt, als man auf den ersten Blick denken könnte.

1. Serie: Adventure Time

Wer diese Serie als Kinderkram abtut, der hat zunächst mal recht, but it’s the good kind of Kinderkram. Finn, der Mensch, und Jake, der gelbe Glibberhund, erleben in einer Fantasy-Welt witzige Abenteuer. Adventure Time schafft es dabei wie kaum eine andere Serie die Freude an Freundschaft und Abenteuer zu vermitteln.

Wenn man aber genauer hinschaut, dann verbirgt sich zwischen den Zeilen eine bemerkenswerte Tiefsinnigkeit. Es gibt eine lesbische Liebesgeschichte, Figuren, die mit Behinderungen (korrekt schreibt man inzwischen körperliche beeinträchtigt??) oder Depressionen leben und sogar Kritik am totalitären Staat. Was als alberner Tag auf der Hüpfburg beginnt, kann schnell mal in der Bibliothek bei den großen Theorien enden.

Und das schöne: Erwachsene und Kinder können sich gleichzeitig dafür begeistern. Sechs Staffeln à 20+ Folgen auf Netflix

2. Serie: Easy

Wer “offene Gesellschaft” sagt kommt um “Easy” nicht herum. Vielleicht hat es noch nie eine Serie gegeben, die so viele verschiedene Lebensentwürfe nebeneinandergestellt hat, ohne zu werten. Sexarbeit, Polyamorie und der ewige Geldmangel in der Gig-Economy:

Das sind nur einige Themen, die “Easy” lockerleicht behandelt. Und die Serie ist nicht nur offen, was ihre Charaktere angeht, sondern auch in der Besprechung ihrer Probleme. Was in anderen (schlechteren!) Serien sofort im Drama enden würde, wird bei Easy einfach ausgequatscht und geregelt. Wunderbar erwachsen! Drei Staffeln in 8+ Folgen auf Netflix

3. Serie: Der Report der Magd

Die Verfilmung von Margaret Atwoods Roman “Der Report der Magd” zeigt uns unsere Gesellschaft in einem düsteren Spiegel. In einer Welt, in der die meisten Frauen unfruchtbar geworden sind, sind die letzten noch gebärfähigen zu Sklavinnen geworden.

Die Serie zeigt uns brutal den Wert unserer feministischen Errungenschaften, stellt aber auch immer die Frage: Wie frei sind Frauen in unserer Gesellschaft eigentlich wirklich (denken wir nur an den Umstrittenen Abtreibungsparagraphen)? “Der Report der Magd” ist wahrlich keine leichte Kost, aber eine der durchdachtesten Dystopien, die man zurzeit streamen kann. 3 Staffeln à 10+ Folgen auf Magenta TV

4. Serie: Chernobyl

Wir bleiben dystopisch, aber dieses Horrorszenario ist bereits vergangen. In Chernobyl arbeiten HBO und Sky die Reaktorkatastrophe aus den 80ern auf – und das ist gerade zu Corona-Zeiten sehr sehr sehenswert. Denn auch in dieser Serie geht es die Frage, wie die Politik versucht, den Fluss der Informationen zu kontrollieren bis, ja bis man in Schweden auf einmal so viel Radioaktivität in der Luft misst, dass es keinen Zweifel mehr geben kann.

Der Kampf gegen einen unsichtbaren Feind war politisch sicher lange nicht so aktuell, und filmisch noch nie so unfassbar detailliert und spannend umgesetzt. 5 Folgen auf Sky

5. Serie: The Good Place

Einer fröhlicheren Idee widmet sich “The Good Place”. Zumindest wirkt es anfangs so. Eleanor hat nämlich den Jackpot gewonnen: Obwohl sie ihr ganzes Leben ein ziemliches Arschloch war, darf sie nach ihrem Tod in “The Good Place” leben, dem Serien-Äquivalent zum Himmel. Und so findet sie sich in eine quietschbunten Kaugummi-Welt, in der alle supernett sind und sie irgendwie verheimlichen muss, dass sie da eigentlich überhaupt nicht reinpasst.

Dabei entsteht eine sehr witzige Salonkomödie, die auch immer wieder fragt, was wir eigentlich wirklich unter Moral verstehen. Und am Ende der ersten Staffel – das können wir verraten – wartet auch noch ein heftiger Twist. Angenehm unangenehm. Drei Staffeln à 11+ Folgen auf Joyn

6. Serie: Star Trek: The Next Generation

Eine Serie, die jeder kennt, bei der wir aber oft vergessen, wie revolutionär sie gesellschaftlich eigentlich war. Schon die Prämisse von “Star Trek: The Next Generation” ist genial: Kein Krieg, keine ökonomische Krise treibt Captain Picard und die Crew der Enterprise ins Weltall, nein, einzig der menschliche Forscherdrang ist Grund genug. Dabei werden wichtige Fragen aufgeworfen, wie zum Beispiel die, ob man unterentwickelten Gesellschaften eigentlich helfen darf oder nicht.

Außerdem sind Männer und Frauen hier natürlich gleichberechtigt und am Ende gewinnt immer die Vernunft. Ein Klassiker, bei dem sich auf jeden Fall ein zweiter und dritter Blick lohnt, und der philosophische Ideen schneller und besser erklärt, als so manches Schulbuch. Außerdem ist der Look so herrlich antiquiert, das hat etwas Heimeliges. Ein bisschen wie bei Oma zum Kaffeekranz eingeladen zu sein. 7 Staffeln à 20+ Folgen auf Netflix

7. Serie – Pose

Wer von “Vogueing” noch nichts gehört hat, muss unbedingt einen Blick auf “Pose” werfen. Die Serie spielt in den 1980ern in der Ballroom-Culture von Harlem. Queere, Trans- und nichtbinäre Tänzer*innen sind in verschiedenen Häusern organisiert und schmeißen wilde Parties und Wettkämpfe. Dabei muss man Netflix wirklich für seinen intersektionalen Ansatz loben, der auch voll aufgegangen ist: Die Serie ist ein schillerndes Fest multipler Identitäten und Lebensentwürfe.

Und sie schreckt auch vor der harten politischen Realität der 80er nicht zurück, vor allem, wenn es in der zweiten Staffel schließlich um die aufkommende AIDS-Epidemie geht. Hauptdarsteller Billy Porter ist übrigens der erste Schwarze schwule Mann, der einen Emmy als bester Hauptdarsteller gewonnen hat. Es gibt zurzeit wirklich keine Serie, die so ist wie “Pose”. Punkt.  Zwei Staffeln à 8+ Folgen auf Netflix

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