weltverbesserer Leben 5 Sätze, die demotivieren und Neues oft verhindern

5 Sätze, die demotivieren und Neues oft verhindern

Foto: CC0 Public Domain / Unsplash - Nick Fewings

„Die Idee ist gut, doch die Welt noch nicht bereit“ stellte die Hamburger Band Tocotronic passenderweise schon 1995 fest. Eine Erfahrung, die viele auch heute noch machen, wenn sie für eine neue Idee brennen. Denn oft melden sich dann all jene zu Wort, die die Zukunft schon immer auswendig kannten. Ein paar Phrasen, die man immer wieder hört und die Neues verhindern, haben wir uns angeschaut und genau hinterfragt.

Wer etwas verändern will, hat Ziele. Wer etwas verhindern will, hat Gründe. Und natürlich gibt es oft gute Gründe, die gegen eine neue Idee sprechen. Aber manchmal sind es weniger die rationalen Argumente, die ein neues Vorhaben verhindern, sondern tiefverankerte kognitive Muster und menschliche Verhaltensweisen – und die münden dann gerne in folgenden Aussagen, die auf Dauer ganz schön mürbe machen können, demotivieren und Neues oft verhindern. Sie besser zu verstehen und einzuordnen, hilft vielleicht, nicht vorzeitig zu resignieren.

Tickende Wanduhr als Symbol Neues zu verhinden
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Chuttersnap

„Wir sollten jetzt nichts überstürzen.“

„Alles muss sich ändern, damit alles bleibt, wie es ist.“ schreibt Giuseppe Tomasi di Lampedusa in seinem berühmten Roman „Der Leopard“. Keinen Stein auf dem anderen zu lassen und eine komplette Kehrtwende einzuleiten, liegt aber nicht in der menschlichen Natur – selbst dann nicht, wenn sie dringend notwendig wäre. Schließlich hat man in mühevoller Sisyphusarbeit die großen „Steine“ Stück für Stück vorangetrieben. Das kann doch nicht alles umsonst gewesen sein.

In der Psychologie und Betriebswirtschaftslehre heißt diese Verhaltensweise „Sunk Cost Fallacy“, auf deutsch „versunkener Kosten-Fehlschuss“. Ein natürlicher Reflex auf etwas, das viele Menschen scheuen: Einzusehen, dass man heute anders denkt, als zu Beginn eines Projekts – und sich vielleicht sogar geirrt hat. Und zweitens: Zuzugeben, dass Zeit, Energie und Geld umsonst investiert wurden.

Schwarze Schwäne auf türkis blauem Wasser
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Wang Binghua

„Das würde nur irritieren.“

Angeblich hatte Charles Darwin immer ein Notizbuch bei sich. In das trug er innerhalb von 30 Minuten jede Beobachtung ein, die seiner Theorie widersprach. Er zwang sich dazu, weil er feststellte, dass sein Gehirn nach 30 Minuten jede unbequeme Erkenntnis wieder vergisst. Beobachtungen, die der eigenen Sichtweise im Wege stehen, nennt die Kognitionspsychologie „Disconfirming Evidence“, also widersprüchliche Beweise. Und die mag der menschliche Geist eben nicht. Im Gegenteil, er sucht stets nach Informationen, die seine Ansichten bestätigen und filtert nur allzu gerne all jene raus, die diese ins Wanken bringen könnten. Es wirkt der sogenannte „Confirmation Bias“ und damit die Suche nach allem, was die eigene Sichtweise bestätigt.

Karl Popper zeigte, dass es auch anders geht – nämlich in der Wissenschaft: Wer beweisen will, dass alle Schwäne weiß sind, sollte nach schwarzen suchen. Das Prinzip der Falsifikation, also das der Widerlegung, war geboren.

In unserer Arbeitswelt finden solche Überlegungen nur selten Einzug. Da werden Idee, Strategien und Vorhaben schnell mal mit „ein paar Zahlen“ untermauert. Bloß keine Wiedersprüche aufzeigen, die würden die Entscheider:innen eh nur irritieren oder noch schlimmer: die eigene Arbeit sogar in Frage stellen. Wirklich neue Erkenntnisse und Ideen können so nur schwer entstehen und Neues wurde einmal wieder verhindert.

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Frau hält Tasse in der Hand mit der Auschrift "Like a Boss" da Chefs oft Neues verhindern
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Brooke Lark

„Das kriegen wir oben niemals durch.“

Der Friedhof der Ideen, die an Mutlosigkeit und vorauseilendem Gehorsam starben, ist groß. Denn viele Manager:innen scheinen immer genau zu wissen, was die eigenen Chefs wollen und vor allem nicht wollen. So verenden viele Ideen in der Hierarchiekette auf tragische Art und Weise und erneut wird Neues verhindert. Auch hierfür gibt es einen offiziellen Begriff aus der Kognitionswissenschaft: Den Authority Bias.

Menschen, bei denen dieser stark ausgeprägt ist, denken wie folgt: Mein Chef ist Chef, weil er klüger, vorausschauender und kompetenter ist als ich – darum wird er schon die richtige Entscheidung treffen. Warum soll ich mir den Stress machen und ihm widersprechen oder ihn mit Dingen konfrontieren, die ihm nicht gefallen könnten?

Untersuchungen von Flugzeugunfällen zeigten, dass dieser Bias verheerende Folgen haben kann. Denn viele Flugzeugabstürze waren darauf zurückzuführen, dass Co-Pilot:innen sich nicht trauten, Fehler rechtzeitig den überstellten Pilot:innen zu melden. Darum gibt es in allen Airlines mittlerweile Programme, die die Kommunikationskultur im Cockpit verbessern sollen.

Auch in vielen Unternehmen gibt es seit Jahren Bestrebungen, hierarchieübergreifend, kontrovers und natürlich agil zu arbeiten, damit neue Ideen größere Überlebenschancen bekommen.

„Wird eh nichts.“

„Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern“ soll Henry Ford einmal gesagt haben. Klar kann man mit einer Idee gehörig auf die Nase fliegen – aber immerhin ist man überhaupt einmal kurz geflogen. Das unterscheidet all jene Spinner:innen, Fantast:innen und Visionär:innen, die scheitern, von jenen, die schon immer mit beiden Beinen auf dem Boden standen. Und die sich von dort aber nie sonderlich weit wegbewegt haben und in so einer Situation dann gerne den Satz sagen: „Habe ich dir doch gleich gesagt“. Auch hinter dieser „Lass es am besten bleiben“ Mentalität stecken oft kognitive Phänomene.

Da wäre als erstes der „Availability Bias“. Immer, wenn etwas ungewiss ist und wir keine präzisen und vollständigen Informationen vorliegen haben, dann zapfen wir unsere Erinnerungen an, um eine Prognose für die Zukunft zu machen. Und da drängeln sich meist die schlechten Erfahrungen vor. Wenn sich dieser Bias noch mit dem „Negativity Bias“ paart, mit dem wir oft das aktuelle Geschehen bewerten, können wir wirklich gleich die Flinte ins Korn werfen. Denn der Negativity Bias“ lässt uns negative Botschaften viermal intensiver wahrnehmen als positive. Soll und kann man deswegen nichts Neues mehr wagen? Auch hierauf hatte Henry Ford eine Antwort: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“

Kritischer Blick einer Eule, weil kritik oft Neues verhindern kann
Foto: CC0 Public Domain / Unsplash – Joe Green

„Ich habe da kein gutes Gefühl.“

Glaubt man den Kalendersprüchen, dann führt nur ein Weg zur absolut richtigen Entscheidung – der über den Bauch. Nun kann es aber sein, dass dieser eh gerade grummelt, weil man Beziehungsstress oder sonst was für einen Ärger hat. Ist das Bauchgefühl also wirklich so untrüglich? Auch hierauf hat die Kognitionsforschung eine klare Antwort: Das „Emotional Reasoning“, quasi die Mutter aller Fehleinschätzungen.

Der Begriff geht auf den Begründer der kognitiven Verhaltenstherapie Aaron T. Beck zurück. Was meint er damit? Vereinfacht gesagt: Wenn jemand die eigenen Gefühle als Tatsachen ansieht und als Beweis für die Richtigkeit seiner Behauptung interpretiert. Beispiel: „Wenn mein Gefühl sagt, etwas ist gut, dann ist es auch gut, und wenn es sagt, etwas ist schlecht, dann ist dies auch schlecht.“

Viele kennen vielleicht folgende Situation: Wochenlang hat man an einer Präsentation für eine echte neue Knaller-Idee gefeilt. Jetzt soll sie vor großer Runde endlich vorgestellt werden und plötzlich schaut man in zerknirschte Gesichter, weil es im vorherigen Meeting keine Übereinstimmungen gab. Keine gute Grundlage für kluge Entscheidungen.

Wir haben in den vorherigen Beispielen gesehen, wie unsere Denkweisen oft schon kognitiv verzerrt sein können und wie schwer es ist, völlig unbefangen oder rational an neue Ideen und Situationen zu gehen. Darum ist das Bauchgefühl vielleicht oft doch nicht immer ein guter Ratgeber.

Wir Weltverbesserer würden sagen: Egal wie oft ihr solche Sätze auch hört, gebt nicht auf und kämpft für eure Ideen. Hört dabei auf euer Herz und appelliert an den Verstand.