weltverbesserer Wissen 10 Gründe, warum du nicht perfekt sein musst

10 Gründe, warum du nicht perfekt sein musst

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Ob auf Instagram, YouTube oder sonstigen Medien: Überall muss es perfekt sein. Das perfekte Date, die perfekte Bewerbung, das Rezept für die perfekte Kürbissuppe, … Kleiner geht es offenbar nicht mehr. Wenn du auch keine Lust auf den Perfektionswahn hast: Wir verraten dir 10 gute Gründe, warum es keine gute Idee ist, nach Perfektion zu streben.

1. Perfektion gibt es nicht

„Perfekt“ ist ein Adjektiv ohne Aussagekraft. „Perfekt“ klingt so klar und kräftig, tatsächlich ist es aber ein hohler Begriff.

Was heißt denn „perfekt“ wirklich? Wie sieht ein perfekter Körper aus? Wie verhält sich eine perfekte Mutter? Wie schmeckt ein perfekter Kuchen? Was ist ein perfektes Wochenende? Wen auch immer du fragst: Du wirst eine subjektive Antwort bekommen. Also kannst du auch nur dein eigenes „Perfekt“ definieren.

2. Fehler sind menschlich

Perfekt heißt für viele: Frei von Fehlern, frei von Makeln. Je nach Kontext kann es auch heißen: nicht 100, sondern sogar 120 Prozent. Aber bleiben wir erst einmal bei fehlerfrei. Dahinter steckt bei Perfektionisten typischerweise der Gedanke (man könnte auch sagen, die Illusion): Wenn ich keine Fehler mache, werde ich nicht kritisiert. Denn kritisiert werden gehört zu den schlimmsten Dingen, die einem Perfektionisten passieren können, weil das in seiner Welt bedeutet, nichts wert zu sein.

Das Problem dabei: Wir Menschen sind keine Maschinen, die fehlerfrei arbeiten – und selbst Maschinen funktionieren nicht immer richtig.  Natürlich sind Fehler ärgerlich, manchmal teuer und gefährlich. Dennoch: Fehler lassen sich nicht immer vermeiden. Viel wichtiger ist, wie man mit Fehlern umgeht – sie aus Angst vor Kritik zu ignorieren oder zu verschweigen ist jedenfalls keine gute Option.

3. Fehler sind dein Freund

Wir lernen aus unseren Fehlern meist mehr als aus unseren Erfolgen. Wenn du davon ausgehst, dass (dir) Fehler passieren können, und du dich dafür nicht verurteilst, dann kannst du sie als Chance begreifen. Wie der Erfinder Thomas Edison, er soll nach über tausend Versuchen, eine marktreife Glühbirne zu entwickeln, gesagt haben, er sei nicht gescheitert, sondern habe tausend Wege gefunden, die nicht funktionieren.

Manchmal führen Fehler auch zu unerwarteten Ergebnissen: Kolumbus wollte eigentlich nach Indien segeln …

4. Kreativität beginnt mit dem Mut zu scheitern

Wer Angst hat, Fehler zu machen, wird sich kaum trauen, etwas Neues auszuprobieren, zu experimentieren. Denn Experimentieren heißt ja, dass man nicht weiß, wie das Ergebnis sein wird. Nur so kommt man auf neue, überraschende Lösungen. Die Angst, Neues zu probieren, ist einer der größten Kreativitätskiller überhaupt.

Die Kunst ist hier ein gutes Beispiel. Seit Jahrhunderten setzen sich Künstler mutig über gängige Konventionen hinweg und gehen eigene Wege, die fernab der allgemeingültigen Regeln und damit der anerkannten Schönheit und Perfektion liegen.

In Frankreich setzten sich zum Beispiel die Impressionisten wie Manet und Monet mit ihren Werken über alle Vorgaben der strengen Salonkunst hinweg und schufen etwas bis dahin Unbekanntes. Mit ihren Werken stellten sich die Maler gegen die Regeln, nach der ein Bild als „perfekt“ galt.

Künstler wie Monet lösten sich von den bis dahin gängigen Normen und kreierten durch die Abbildung des Moments und der Zufälligkeit des Bildausschnittes etwas Neues. Heute gilt das als eines der charakterisierenden Merkmale impressionistischer Bildwerke.

Kunst lebt wie alles von den bewussten Brüchen der gängigen Regeln. Gegensätze können eine neue Realität erschaffen, die die Perspektive verändert und weiterentwickelt. Dazu gehört der Mut des Künstlers sich in dem Moment mit seinem Werk gegen die Perfektion zu entscheiden. Indem man eigene Wege beschreitet, entsteht etwas, das dann wiederum als perfekt betrachtet wird. Nur eben aus einem anderen Blickwinkel.

5. Perfektionismus führt zu mehr Fehlern

Wer nach Perfektion strebt, strengt sich typischerweise mehr an. Man hängt gern mal ein paar Stunden dran ― im Glauben, man müsste einfach nur mehr Zeit und Anstrengung investieren. Und genau dann, wenn wir Überstunden machen und die Konzentration nachlässt, schleichen sich Fehler viel leichter ein.

6. Perfektion schützt nicht vor Kritik

Wer nach Perfektion strebt, will keinerlei Angriffsfläche für Kritik bieten. Aber selbst, wenn es dir gelingt, keine Fehler zu machen, kann es passieren, dass jemand doch noch ein Haar in der Suppe findet.  Und du kannst ja nicht wissen, ob du nicht doch noch einen Fehler übersehen hast.

7. Perfektion macht nicht glücklich

Der Versuch, alle Fehler zu vermeiden, ist unheimlich anstrengend. Er führt zu hohem Druck und lässt uns verbissen arbeiten. Selbst wenn du es schaffen solltest, Perfektes zu leisten, bist du am Ende so erschöpft und gereizt, dass du den Erfolg gar nicht mehr genießen kannst.

8. 80 Prozent reichen oft aus

Wahrscheinlich kennst du ja die 80-20-Regel (auch als Pareto-Prinzip bekannt). Dem italienischen Ökonomen und Soziologen Vilfredo Pareto zufolge reichen in den allermeisten Fällen 20 Prozent des Gesamtaufwands aus, um 80 Prozent Zufriedenheit zu erreichen; die restlichen 20 Prozent bis zum Erreichen von (vermeintlicher) Perfektion erfordern 80 Prozent des Aufwands.

In vielen Teams gibt es ja den einen Kollegen, der besonders gründlich ist und die anderen Teammitglieder damit regelmäßig nervt. Der E-Mails dreimal auf Rechtschreibfehler prüft und der, nachdem man sich endlich auf eine gemeinsame Formulierung geeinigt hat (für ein Angebot, einen Abschlussbericht oder Ähnliches), in letzter Sekunde noch mit Änderungsvorschlägen ankommt. So jemand ist wunderbar in der Qualitätssicherung, wenn es wirklich auf Fehlerfreiheit ankommt, wie etwa in der Lebensmittelkontrolle.

Im normalen Berufsleben reichen 80 oder 90 Prozent Qualität in den allermeisten Fällen völlig aus. Hauptsache, die Aufgabe ist zur vereinbarten Zeit fertig. Oft warten in unserer arbeitsteiligen Welt ja Kollegen darauf, dass eine Aufgabe erledigt ist, um mit dem Ergebnis weiterarbeiten zu können.

9. Perfektionismus führt zu Aufschieben

Wer Angst vor Kritik hat (weil Kritik bedeutet, dass er oder sie nichts wert ist), wird es vermeiden, sich Kritik auszusetzen. Das führt zum sogenannten Aufschiebeverhalten:

Ein Perfektionist wird den Vortrag, den er vorbereitet, bis kurz vor dem Moment wieder und wieder überarbeiten, an dem er raus auf die Bühne muss. Der Song, den er schreibt, wird nie fertig – denn „fertig“ bedeutet ja, dass jetzt Kritik kommen könnte (solange der Song nicht fertig ist, trifft ihn Kritik nicht, denn er ist ja noch nicht fertig).

Hinter dem Hinausschieben steckt außerdem der Versuch, alle eventuellen Fehler finden zu wollen. Und da es sein kann, dass man doch noch etwas übersehen hat, überprüft der Perfektionist sein Werk wieder und wieder. Und kann doch nie sicher sein, dass es keine Fehler mehr gibt.

Das führt oft auch dazu, dass Perfektionisten Projekte, die ihnen wirklich wichtig sind, gar nicht erst anfangen. Oder sie nicht zu Ende bringen. Denn wenn sie sie nicht perfekt machen können, dann lieber gar nicht.

10. Perfektionismus kann dich krank machen

Wie schon geschrieben: Die Angst, man könnte doch noch Fehler übersehen haben, lauert ständig im Hintergrund. Diese Angst und der selbst gemachte Druck können einen körperlich krank machen. Perfektionisten sind anfälliger für Gesundheitsprobleme wie Schlafstörungen, Bluthochdruck, Ess- oder Verdauungsstörungen oder auch Angstzustände.

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